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58 Arten im Lexikon

Gesundheitsschädlinge: Stiche, Bisse und übertragene Erreger richtig einordnen

Morgens neue Stiche, nachts Juckreiz — und die Frage, ob daraus etwas Ernstes werden kann.

Der erste Hinweis kommt fast immer vom eigenen Körper: eine Reihe frischer Stiche auf dem Unterarm, Juckreiz, der nachts schlimmer wird, ein dunkler Punkt in der Haut, der sich nicht abwischen lässt. Manchmal ist es auch nur der Schnupfen, der drinnen stärker ist als draußen. Gesundheitsschädlinge melden sich über den Menschen — nicht über angefressene Vorräte oder zerfressenes Holz. Genau deshalb sitzt die Sorge hier tiefer als bei anderen Gruppen. Meistens ist die Lage weniger dramatisch, als sie sich anfühlt. Genau hinsehen lohnt sich trotzdem.

Was diese Arten verbindet

Die Gruppe ist medizinisch definiert, nicht zoologisch. Nebeneinander stehen hier Spinnentiere, Insekten, Nagetiere und Vögel — verbunden allein dadurch, dass sie dem Menschen schaden können. Dabei sind drei Wirkwege zu unterscheiden, und diese Unterscheidung entscheidet, wie dringend Sie handeln müssen.

Die erste Untergruppe sticht oder beißt, mehr nicht. Bremsen, Kriebelmücken, Gnitzen und Wadenstecher hinterlassen schmerzhafte, tagelang juckende Quaddeln; der Ammen-Dornfinger und die Nosferatu-Spinne beißen nur, wenn man sie festhält. Das ist unangenehm, aber in aller Regel folgenlos.

Die zweite Untergruppe überträgt Erreger. Zecken wie der Gemeine Holzbock, die Auwaldzecke oder die eingewanderte Hyalomma-Zecke können Borrelien und Viren weitergeben; bei Stechmücken sind es Asiatische Tigermücke, Buschmücke und Malariamücke, die in wärmeren Sommern wieder eine Rolle spielen. Ratten und Mäuse geben Erreger über Kot und Urin ab, Schaben und Fliegen verschleppen Keime von Abfall und Fäkalien auf Lebensmittel und Arbeitsflächen.

Die dritte Untergruppe lebt dauerhaft bei uns oder auf uns: die Bettwanze in der Matratzennaht, der Katzenfloh im Teppich, Kopf- und Kleiderläuse, die Krätzmilbe in der Haut. Dazu kommen Arten, die gar nicht stechen, sondern Allergien auslösen: der Kot der Hausstaubmilbe und die Brennhaare von Eichenprozessionsspinner und Goldafter.

So erkennen Sie einen Befall

Aussagekräftiger als das einzelne Tier ist das Muster. Stiche in einer Reihe oder kleinen Straße, morgens neu und nur dort, wo nachts nichts bedeckt war, sprechen für Wanzen. Eine Häufung an Knöcheln und Unterschenkeln passt zu Flöhen. Nächtlicher Juckreiz zwischen Fingern, an Handgelenken und Gürtellinie mit feinen, kommaförmigen Gängen deutet auf Krätze. Juckende orangerote Pünktchen nach dem Barfußlaufen im Rasen sind typisch für die Herbstgrasmilbe.

Die zweite Spur liegt in der Umgebung: schwarze Kotpünktchen an Matratzennaht und Bettrahmen, dunkle Krümel entlang der Fußleisten, ein süßlich-muffiger Geruch und Kotspritzer hinter Küchengeräten, weiße Nissen dicht an der Kopfhaut oder plötzliche Stichserien im Frühsommer unter einem alten Vogel- oder Taubennest — dort sitzen Vogelflöhe, Rote Vogelmilben und Taubenzecken.

Aus dem Hautbild allein lässt sich die Art nicht bestimmen, auch ärztlich nicht. Fangen Sie das Tier ein: Klebefalle unter das Bett, Schraubglas, scharfes Foto. Das erspart wochenlanges Raten.

Was gegen die ganze Gruppe hilft

Ein Prinzip trägt bei allen Arten: die Quelle abschneiden und den Kontakt unterbrechen. Fast jeder Befall im Innenraum hat einen Ursprung — ein Haustier, ein Vogel- oder Nagernest, mitgebrachtes Reisegepäck. Nester am Haus dürfen Sie erst nach dem Ausfliegen der Brut entfernen; danach den Einschlupf dauerhaft schließen. Haustier und Wohnung werden immer gleichzeitig behandelt, sonst wandert der Befall hin und her.

Textilien bei 60 Grad waschen oder eine Stunde in den Trockner geben; Empfindliches drei Tage bei minus 18 Grad einfrieren. Hitze und Kälte töten Läuse, Flöhe, Wanzen und Milben zuverlässig, ohne Gift. Draußen wirken Barrieren: Fliegengitter, lange Kleidung, abendliches Absuchen nach Zecken, Mittel mit Icaridin oder DEET. Stechmücken bekämpfen Sie am wirksamsten dort, wo sie schlüpfen — Regentonne, Untersetzer, verstopfte Dachrinne und Gießkanne wöchentlich leeren. Gegen Schaben und Fliegen zählt vor allem Küchenhygiene: keine Krümel, keine offenen Lebensmittel, geschlossener Müll.

Wirkungslos sind Ultraschallstecker, Duftöle mit Lavendel oder Teebaum, Backpulver gegen Bettwanzen und Kokosöl als Zeckenschutz. Sprühdosen aus dem Supermarkt richten oft Schaden an: Sie treiben Wanzen und Schaben in Nachbarräume und fördern Resistenzen.

Wann es ernst wird

Harmlos sind einzelne Stiche mit lokaler Rötung, die nach wenigen Tagen abklingt. Kühlen und nicht kratzen genügt; was bei welchem Tier zu tun ist, steht in unserer Erste Hilfe bei Stich und Biss.

Ärztlich abklären lassen sollten Sie eine ringförmige, sich ausbreitende Rötung um einen Zeckenstich sowie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen in den Wochen danach. Ebenso jede Stichstelle, die größer, heiß, eitrig oder deutlich schmerzhaft wird, Stiche im Mund- und Rachenraum und Brennhaarkontakt an Augen oder Atemwegen. Bei Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder Schwellungen im Gesicht rufen Sie sofort den Notruf 112. Krätze und Läuse gehören immer in ärztliche Behandlung, denn die wirksamen Mittel sind verschreibungspflichtig — und für Gemeinschaftseinrichtungen gilt eine Meldepflicht nach § 34 Infektionsschutzgesetz. Mit mangelnder Sauberkeit hat beides nichts zu tun.

Zum Fachbetrieb führen Bettwanzen, Schaben, Ratten, Milben und Zecken aus Nestern im Gebäude sowie ein Flohbefall, der schon die ganze Wohnung erfasst hat. Diese Arten bekommt man mit Hausmitteln nicht dauerhaft weg. Zur Miete informieren Sie den Vermieter schriftlich: Er beauftragt und bezahlt in der Regel. Ratten- und Schabenbefall ist in vielen Gemeinden zusätzlich meldepflichtig.

Anleitungen zu dieser Gruppe

Alle 58 Arten dieser Gruppe

Gut zu wissen

Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.

Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?

Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.

Muss ich einen Schädlingsbefall melden?

Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten besteht in vielen Gemeinden eine Meldepflicht; in Mietwohnungen sollten Sie den Vermieter immer umgehend informieren. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.

Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?

Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.

Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?

Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.

Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?

Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?

Illustration: Haus im Querschnitt mit typischen Schädlingsverstecken — vom Dachboden über Küche, Bad und Kleiderschrank bis in den Keller.