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Gesundheitsschädling

Tropischer Rattenfloh

Der Tropische Rattenfloh ist der historisch bedeutendste Krankheitsüberträger unter den Flöhen: Er hat die großen Pestepidemien getragen. In Deutschland spielt er heute praktisch keine Rolle, weil ihm das Klima und die Wirtsdichte fehlen. Relevant bleibt er auf Reisen in die Tropen und in Hafen- und Umschlagbetrieben. Was Sie hierzulande im Bett vorfinden, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Katzen- oder Menschenfloh.

Tropischen Rattenfloh erkennen

Flöhe sind 1,5 bis 4 Millimeter groß, seitlich abgeflacht, rotbraun und flügellos. Das entscheidende Bestimmungsmerkmal für die Art sieht man erst unter dem Mikroskop: Dem Tropischen Rattenfloh fehlen beide Borstenkämme, also sowohl der Kamm am Kopfunterrand als auch der am Halsschild. Der Europäische Rattenfloh trägt dagegen einen deutlichen Nackenkamm, der Katzenfloh beide Kämme.

  • Stiche in Reihen oder Gruppen, meist an Beinen, Knöcheln und Gürtellinie, mit zentralem Einstichpunkt
  • Dunkle Kotkrümel in Nagernestern, Einstreu und Ritzen, die auf feuchtem Papier rostrot ausbluten
  • Springende Insekten von 1 bis 4 Millimetern, Sprungweite bis rund 20 Zentimeter
  • Tote oder auffällig kranke Ratten in der Nähe, oft mit auffliegenden Flöhen

Lebensweise

Hauptwirte sind Ratten, vor allem Haus- und Wanderratte. Nur die erwachsenen Flöhe saugen Blut, die Larven ernähren sich im Nest von Kotresten der Adulten und organischem Material. Ein Weibchen legt über mehrere Wochen einige hundert Eier. Bei 25 bis 30 Grad und hoher Luftfeuchte dauert die Entwicklung vom Ei über drei Larvenstadien und die Puppe zum fertigen Floh rund zwei bis drei Wochen. Unter 18 Grad und bei trockener Luft stockt die Entwicklung – genau das begrenzt die Art in Mitteleuropa.

Erwachsene Flöhe überleben ohne Wirt einige Tage bis wenige Wochen. Stirbt die Wirtsratte, verlassen sie den Kadaver und suchen einen neuen Warmblüter, notfalls den Menschen. Dieser Wirtswechsel macht die Art epidemiologisch bedeutsam.

Schäden und Risiken

Die Stiche jucken stark und können sich beim Kratzen entzünden. Das eigentliche Risiko liegt in der Übertragung von Erregern.

  • Pest (Yersinia pestis): Die Bakterien verstopfen den Vormagen des Flohs. Der hungrige Floh würgt beim Saugen infiziertes Blut in die Wunde zurück und überträgt so besonders effizient.
  • Murines Fleckfieber (Rickettsia typhi): Übertragung über den Flohkot, der in die aufgekratzte Stichwunde gerieben wird.
  • Bandwürmer: Der Tropische Rattenfloh ist Zwischenwirt für den Rattenbandwurm (Hymenolepis diminuta) und den Zwergbandwurm (Hymenolepis nana); die Infektion erfolgt durch versehentliches Verschlucken eines Flohs. Den Gurkenkernbandwurm übertragen dagegen Katzen- und Hundefloh.

Pestfälle treten weltweit noch jährlich auf, vor allem in Madagaskar, der DR Kongo und Peru. In Deutschland gab es seit über hundert Jahren keinen einheimischen Fall. Pest ist nach Infektionsschutzgesetz meldepflichtig, schon der Verdacht.

Vorbeugen

  • Ratten konsequent fernhalten: Öffnungen ab 20 Millimetern verschließen, Abfall in dichten Tonnen, kein Futter im Freien
  • Bei Rattenbekämpfung immer zuerst oder parallel die Flöhe behandeln, sonst verlassen sie die Kadaver und suchen Menschen
  • Auf Reisen in Endemiegebiete Nagerkontakt meiden, Repellents mit DEET oder Icaridin nutzen, nicht auf dem Boden schlafen

Bekämpfen

Gegen Flöhe wirkt nur die Kombination aus Wirtsbeseitigung und Umgebungsbehandlung. Der Fehler Nummer eins: die Ratten bekämpfen und die Flöhe vergessen.

  • Nester und Kadaver entfernen, Einstreu und Nistmaterial in verschlossenen Beuteln entsorgen
  • Textilien bei 60 Grad waschen, Empfindliches mehrere Tage bei minus 18 Grad einfrieren
  • Täglich gründlich saugen; die Vibration lockt Jungflöhe aus den Puppen, erst dann sind sie bekämpfbar
  • Zugelassene Insektizide gezielt in Ritzen, Fugen und Nestbereiche einbringen, Wirkstoffgruppen wechseln
  • Haustiere parallel tierärztlich behandeln, sonst gibt es einen Rückschlag nach wenigen Wochen

Ultraschallgeräte, Duftöle und Lichtfallen lösen einen Flohbefall nicht auf. Kieselgur wirkt austrocknend, braucht aber Wochen.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Bei Verdacht auf einen Pest- oder Fleckfieberzusammenhang, etwa nach Reiserückkehr mit Fieber und Lymphknotenschwellung, sofort ärztliche Hilfe suchen und die Reise erwähnen.

Wann zum Profi?

Einen Fachbetrieb brauchen Sie, sobald Flöhe zusammen mit einem Rattenbefall auftreten oder wenn der Befall in Betrieben mit Lebensmitteln, in Kliniken oder Gemeinschaftseinrichtungen sitzt. Bei Verdacht auf eingeschleppte Tiere aus Übersee informieren Sie zusätzlich das Gesundheitsamt. Mehr zum Wirtstier lesen Sie unter Ratten.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Kommt der Tropische Rattenfloh in Deutschland vor?

Etabliert ist er hier nicht. Ihm fehlen dauerhaft warme, feuchte Bedingungen und eine ausreichend hohe Rattendichte. Vereinzelt kann er über Fracht und Schiffsverkehr in Häfen eingeschleppt werden. Flohstiche in deutschen Wohnungen stammen fast immer vom Katzenfloh.

Wie unterscheidet er sich vom Europäischen Rattenfloh?

Am Borstenkamm. Der Tropische Rattenfloh hat weder am Kopf noch am Halsschild einen Kamm, der Europäische Rattenfloh trägt einen deutlichen Nackenkamm. Mit bloßem Auge ist das nicht zu sehen, die Bestimmung erfolgt unter dem Mikroskop.

Wie hoch ist das Pestrisiko heute?

In Deutschland praktisch null, autochthone Fälle gab es seit über hundert Jahren nicht. Weltweit werden jährlich noch einige hundert bis über tausend Fälle gemeldet, vor allem aus Madagaskar, der DR Kongo und Peru. Behandelt wird die Pest heute mit Antibiotika, entscheidend ist der frühe Therapiebeginn.

Warum treten Flohstiche oft direkt nach einer Rattenbekämpfung auf?

Weil die Flöhe ihren toten Wirt verlassen und einen neuen Warmblüter suchen. Deshalb gehört zu jeder Rattenbekämpfung eine parallele Behandlung der Nestbereiche gegen Ektoparasiten. Wer nur die Nager bekämpft, verlagert das Problem auf sich selbst.