Nützlinge: die Tiere, die Sie einfach in Ruhe lassen sollten
In der Ecke sitzt eine Spinne, am Rollladenkasten summt es — und Sie fragen sich, ob Sie eingreifen müssen.
Der kleine Achtbeiner im Bücherregal, das schlampige Netz hinter dem Heizkörper, das Summen am Rollladenkasten: Die meisten Tiere, die im Haus für einen Schreckmoment sorgen, richten überhaupt keinen Schaden an. Sie fressen die Tiere, die Schaden anrichten — oder bestäuben, was im Garten wächst. Wer hier zur Sprühdose greift, bekämpft die falsche Seite und macht sich die Arbeit selbst schwerer.
Was diese Arten verbindet
Sie leben von anderen Tieren oder von Blüten, nicht von Ihren Vorräten, Textilien oder Bauteilen. Der Bücherskorpion — kaum vier Millimeter, zwei Scheren, aber kein Stachel — jagt Staubläuse, Milben und Bettwanzenlarven in Buchrücken, Bettkästen und alten Schränken. Die Große Zitterspinne fängt in ihrem unordentlichen Netz Mücken, Silberfischchen und sogar andere Spinnen. Der Spinnenläufer, das schnellste und meistgefürchtete Tier dieser Gruppe, macht nachts Jagd auf Schaben, Silberfischchen und Fliegen. Weberknechte — keine echten Spinnen, ohne Giftdrüsen und ohne Spinnwarzen — räumen im Keller Kleingetier weg. Draußen übernehmen Marienkäfer die Blattläuse: Eine einzige Larve frisst bis zur Verpuppung mehrere hundert Stück. Wildbienen, über 500 Arten allein in Deutschland und die meisten davon Einzelgänger ohne jedes Interesse am Menschen, bestäuben Obst, Beeren und Wildpflanzen. Fledermäuse fangen pro Nacht bis zu 2.000 Insekten, und der Maulwurf frisst Engerlinge, Schnecken und Drahtwürmer, während er nebenbei den Boden lockert.
So erkennen Sie Nützlinge im Haus
Die Spuren unterscheiden sich deutlich von einem Befall — vor allem dadurch, dass der Fraßschaden fehlt: keine Löcher in Wolle, keine ausgehöhlten Körner, kein Bohrmehl, keine angenagten Verpackungen, kein Kot in Schubladen. Stattdessen sehen Sie einzelne Tiere statt Massen, Netze in ruhigen Ecken, ein Nest an einem festen Ort — im Rollladenkasten, unter der Dachtraufe, in einer Mauerfuge — oder trockene Kotkrümel unter einem Dachbalken, die beim Zerreiben glitzern: Das sind Insektenreste und damit Fledermauskot, kein Mäusekot. Auffällig ist auch, dass die Tiere Sie meiden, statt Ihnen zu folgen. Im Rasen stehen runde, hohe Hügel aus lockerer Erde ohne Pflanzenreste für den Maulwurf; die Wühlmaus wirft flacher und schiebt Wurzelstücke mit heraus.
Was der ganzen Gruppe hilft
Für alle Arten dieser Gruppe wirkt dasselbe, und es kostet nichts. Verzichten Sie im Wohnraum auf Insektensprays, Verdampfer und Klebefallen — sie treffen die Jäger zuverlässiger als die Beute, weil Nützlinge langsamer nachwachsen als das, was sie fressen. Einzelne Tiere setzen Sie mit der Glas-und-Papier-Methode um: ein Glas über das Tier stülpen, eine Postkarte darunterschieben, draußen an einer geschützten Stelle absetzen. Im Winter gehören Spinnen und Käfer nicht ins Freie, sondern in Keller, Garage oder Treppenhaus — dort überleben sie. Netze in wenig genutzten Ecken lassen Sie am besten stehen. Draußen helfen offene Bodenstellen, Totholz, blühende Pflanzen bis in den Herbst und der Verzicht auf Insektizide. Und wenn Blattläuse an Zimmerpflanzen sitzen, schauen Sie erst nach, ob nicht bereits Marienkäfer oder Florfliegenlarven dabei sind, bevor Sie sprühen.
Wann es ernst wird
Geschützt sind mehr dieser Arten, als die meisten annehmen. Alle Fledermäuse, alle Wildbienen und Hummeln, Hornissen und auch der Maulwurf stehen unter besonderem oder strengem Schutz: Fangen, Töten und das Entfernen der Nester und Quartiere sind ohne Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde verboten und können vier- bis fünfstellige Bußgelder kosten — bei Fledermäusen sogar dann, wenn das Quartier gerade leer steht. Für alle übrigen Tiere gilt der allgemeine Schutz: Ohne vernünftigen Grund darf man sie nicht töten, und Ekel ist kein vernünftiger Grund. Selbst erledigen können Sie fast alles — umsetzen, Abstand halten, Zugänge zu Wohnräumen abdichten, Fliegengitter anbringen. Um einen Hornissen- oder Feldwespenbau reichen drei bis vier Meter Abstand; beide sind viel friedlicher als ihr Ruf, und Hornissengift ist nicht giftiger als Wespengift. Fachlich klären lassen sollten Sie es, wenn ein Nest direkt am Hauseingang, am Kinderzimmerfenster oder über einer Sitzecke hängt, wenn eine Insektengiftallergie im Haushalt bekannt ist oder wenn sich ein Bienenschwarm niederlässt — Letzteren holt ein Imker kostenlos ab. Nester werden dann umgesiedelt, nicht vernichtet; was erlaubt ist und wer zuständig ist, steht im Ratgeber Wespennest entfernen. Was dagegen nichts bringt: Kastanien, Lavendelsäckchen, Ultraschallstecker, Essigwasser und Duftkerzen vertreiben weder Spinnen noch Maulwürfe — sie kosten nur Geld und ein paar Tiere, die Ihnen sonst geholfen hätten.
Anleitungen zu dieser Gruppe
Alle 12 Arten dieser Gruppe
Gut zu wissen
Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.
Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?
Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.
Muss ich einen Schädlingsbefall melden?
Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten besteht in vielen Gemeinden eine Meldepflicht; in Mietwohnungen sollten Sie den Vermieter immer umgehend informieren. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.
Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?
Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.
Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?
Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.
Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?
Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?
Poltert es nachts über der Decke, sind es meist Steinmarder oder Siebenschläfer im Dachstuhl.
Zum SteinmarderStiche in Reihe am Morgen? Bettwanzen verstecken sich in Matratze, Bettgestell und Ritzen.
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