Materialschädlinge: Wenn Wolle, Holz und Papier gefressen werden
Etwas frisst an meinen Sachen — am Pullover, am Dachbalken, an den Büchern. Was ist das, und wie schlimm ist es?
Ein Loch im Lieblingspullover, das beim Einräumen im Herbst plötzlich da ist. Ein Häufchen hellen Puders unter dem Dachbalken, das nach dem Wegwischen wiederkommt. Angefressene Buchrücken im Kellerregal. Materialschädlinge zeigen sich selten als Tier, sondern als Schaden an einer Sache — und meist erst, wenn die Larven schon Monate gearbeitet haben.
Was diese Arten verbindet
Diese Gruppe frisst keine Lebensmittel und überträgt keine Krankheiten. Sie lebt von dem, woraus unsere Sachen gemacht sind: Keratin in Wolle, Pelz, Federn und Leder, Zellulose in Holz, Papier und Baumwolle. Deshalb stehen hier so verschiedene Tiere zusammen — Käfer, Motten, Fischchen.
Gefressen wird fast immer von der Larve, nicht vom erwachsenen Tier. Die Kleidermotte kann als Falter praktisch nichts mehr aufnehmen, sie legt nur Eier. Der Wollkrautblütenkäfer sitzt im Frühjahr an der Fensterscheibe und will hinaus zu den Blüten — den Schaden hat seine borstige Larve angerichtet, die monatelang unter dem Teppichrand saß. Wer nur die fliegenden Tiere bekämpft, trifft die falsche Lebensphase.
Der zweite gemeinsame Nenner ist Zeit. Der Gemeine Nagekäfer braucht zwei bis vier Jahre bis zum fertigen Käfer, der Hausbock im Dachstuhl unter ungünstigen Bedingungen bis zu zehn. Was Sie heute sehen, ist die Bilanz mehrerer Jahre — nicht die Folge des letzten Sommers.
So erkennen Sie einen Befall
Achten Sie auf drei Arten von Spuren, die für die ganze Gruppe typisch sind.
Bohrmehl und Löcher bei Holz. Entscheidend ist nicht das Loch, sondern ob wieder Mehl nachrieselt: Frisches Bohrmehl ist hell, rieselfähig und kommt nach dem Absaugen zurück — dann lebt der Befall. Runde Löcher von ein bis zwei Millimetern deuten auf Nagekäfer, ovale von fünf bis zehn Millimetern auf den Hausbock, talkumfeines Puder auf den Braunen Splintholzkäfer. Alte, grau verstaubte Löcher ohne Nachschub sind Vergangenheit.
Fraßbilder und Gespinste bei Textilien. Motten hinterlassen Gespinströhren und Kotkrümel in Wollfarbe, Käferlarven fressen flächige Löcher und lassen leere, borstige Larvenhäute zurück. Diese Häute finden Sie unter Betten, hinter Sockelleisten und in Teppichkanten — dort, wo lange nicht gesaugt wird.
Oberflächenfraß bei Papier. Papierfischchen schaben Buchrücken, Tapetenkleister und Fotos flächig ab; es entstehen keine Löcher, sondern matte, ausgefranste Stellen. Sie brauchen dafür keine Feuchtigkeit — anders als Silberfischchen leben sie in trockenen Räumen und Archiven.
Was gegen die ganze Gruppe hilft
Vorbeugung wirkt hier besser als jede Bekämpfung, und sie ist für alle Arten fast dieselbe.
Trocken halten. Holz unter 12 Prozent Holzfeuchte wird vom Hausbock kaum noch angenommen, der Gescheckte Nagekäfer braucht sogar pilzgeschädigtes, feuchtes Holz. Undichte Dächer, tropfende Anschlüsse und ungelüftete Keller sind die eigentliche Ursache — nicht das Insekt.
Sauber einlagern. Wolle, Pelz und Seide vor dem Einlagern waschen oder reinigen: Schweiß- und Speisereste locken an. Danach luftdicht in Boxen oder Vakuumbeutel, nicht in offene Kartons. Kleinteile lassen sich in der Truhe bei minus 18 Grad über zwei Wochen zuverlässig entwesen.
Ritzen absaugen. Der wichtigste Handgriff überhaupt: Teppichkanten, Sockelleisten, unter Schränken und Betten. Dort sammeln sich Wollflusen, Haare und tote Insekten — die Kinderstube von Teppichkäfer und Pelzkäfer. Saugerbeutel danach draußen entsorgen.
Nester entfernen. Vogel- und Taubennester an Fassade und Dach sind das Reservoir, aus dem Speck- und Teppichkäfer jedes Jahr neu einwandern.
Ehrlich gesagt: Lavendelsäckchen, Zedernholz und Mottenkugeln vertreiben allenfalls einzelne Falter, sie töten keine Larven im Gewebe. Ultraschallgeräte wirken nicht. Und ein aufgepinseltes Holzschutzmittel erreicht nur wenige Millimeter Tiefe — die Larve sitzt tiefer.
Wann es ernst wird
Trennen Sie zwei Fälle sauber voneinander.
Kosmetisch. Motten im Kleiderschrank, Käferlarven im Teppich, Fischchen an Büchern: ärgerlich und teuer, aber ohne Gefahr für das Haus. Das bekommen Sie mit Reinigen, Frieren, Wegwerfen und Konsequenz selbst in den Griff — Schritt für Schritt beschreibt das der Ratgeber Kleidermotten bekämpfen.
Bausubstanz. Sobald tragende Bauteile betroffen sind — Dachstuhl, Sparren, Balkenköpfe, Deckenbalken —, hört Selbstbehandlung auf. Hier gilt: nicht selbst spritzen, sondern messen lassen. Ein Holzschutz-Sachverständiger prüft, ob der Befall aktiv ist und wie viel Restquerschnitt das Bauteil noch hat; erst danach entscheidet sich zwischen Heißluftverfahren, Begasung und Austausch. Der Ratgeber Holzwurm und Hausbock erkennen zeigt, wie Sie beide unterscheiden.
Sofort fachlich abklären lassen sollten Sie außerdem jeden Verdacht auf Termiten: Sie fressen Holz von innen aus, ohne Bohrmehl und ohne sichtbare Löcher — der Schaden fällt oft erst auf, wenn das Bauteil nachgibt.
Anleitungen zu dieser Gruppe
Alle 33 Arten dieser Gruppe
Australischer Diebkäfer
Australischer Teppichkäfer
Bisamratte
Blauvioletter Scheibenbock
Braune Wegameise
Brauner Pelzkäfer
Brauner Splintholzkäfer
Braunschwarze Rossameise
Braunwurz-Blütenkäfer
Buntspecht
Dornspeckkäfer
Eichhörnchen
Gemeiner Nagekäfer (Holzwurm)
Gemeiner oder Gefleckter Pelzkäfer
Gescheckter Nagekäfer
Glänzendschwarze Holzameise
Hausbock
Kammfischchen
Kleidermotte
Marder
Motten
Museumskäfer
Ofenfischchen
Papierfischchen
Pelzmotte
Riesenholzwespe
Siebenschläfer
Steinmarder
Tapetenmotte
Teppichkäfer
Termiten
Wollkrautblütenkäfer
Zweifarbig behaarter Speckkäfer
Gut zu wissen
Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.
Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?
Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.
Muss ich einen Schädlingsbefall melden?
Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten besteht in vielen Gemeinden eine Meldepflicht; in Mietwohnungen sollten Sie den Vermieter immer umgehend informieren. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.
Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?
Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.
Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?
Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.
Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?
Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?
Poltert es nachts über der Decke, sind es meist Steinmarder oder Siebenschläfer im Dachstuhl.
Zum SteinmarderStiche in Reihe am Morgen? Bettwanzen verstecken sich in Matratze, Bettgestell und Ritzen.
Bettwanzen-RatgeberIn Plüschtieren und Teppichen sammeln sich Hausstaubmilben — Waschen bei 60 Grad hilft.
Zur HausstaubmilbeAmeisenstraßen und Gespinste im Mehl: Küche und Vorratsschrank sind die Klassiker.
Ameisen-RatgeberFeucht und warm: Silberfischchen sitzen in Fugen und hinter Sockelleisten.
Silberfisch-RatgeberLöcher in Wolle und Seide stammen von den Larven der Kleidermotte im dunklen Schrank.
Kleidermotten-RatgeberAngenagte Verpackungen und Kot verraten Mäuse — Vorräte gehören in dichte Behälter.
Mäuse-RatgeberKellerasseln zeigen Feuchtigkeit an — lüften und abdichten wirkt besser als jedes Spray.
Zur Kellerassel