Rötelmaus
Die Rötelmaus fällt weniger durch Fraßschäden auf als durch das, was beim Aufräumen in der Luft liegt. Sie ist in Deutschland der wichtigste Wirt des Puumala-Hantavirus, und die typische Ansteckung passiert nicht im Wald, sondern beim Ausfegen eines lange verschlossenen Gartenhauses oder Dachbodens.
Rötelmaus erkennen
Die Rötelmaus ist eine Wühlmaus, wirkt aber schlanker als die übrigen Arten dieser Gruppe. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 8 bis 12 cm, der Schwanz misst 3,5 bis 6,5 cm und damit etwa die halbe Körperlänge. Das Gewicht liegt zwischen 15 und 35 g. Kennzeichnend ist der rostrote bis fuchsrote Rückensattel, der sich klar von den graubraunen Flanken absetzt; die Unterseite ist weißlich bis gelbgrau.
- Für eine Wühlmaus große Augen, die Ohren stehen sichtbar aus dem Fell
- Schwanz deutlich zweifarbig, oben dunkel, unten hell, mit kleinem Haarpinsel am Ende
- Nagespuren an Rinde, oft auch mehrere Meter über dem Boden an Buche, Ahorn und Lärche
- Nester aus Moos, Gras und zerfaserter Dämmung in Holzstapeln, Schuppen und Gartenmöbeln
Lebensweise
Ihr Schwerpunkt liegt in Buchen- und Mischwäldern, an Waldrändern, in Hecken, Gebüschen und feuchten Säumen; Gärten am Waldrand besiedelt sie regelmäßig. Sie klettert gut und ist sowohl tagsüber als auch in der Dämmerung und nachts unterwegs, in mehreren Aktivitäts- und Ruhephasen. Einen Winterschlaf hält sie nicht.
Von März bis Oktober bringt ein Weibchen drei bis vier Würfe mit je drei bis sieben Jungen zur Welt, die zum Teil noch im Jahr ihrer Geburt selbst Nachwuchs bekommen. Entscheidend für die Bestandsdichte ist die Buchenmast: Nach einem Jahr mit starkem Bucheckernbehang schnellt die Zahl der Tiere im Folgejahr nach oben. Im Herbst und bei anhaltender Nässe rücken sie in Gartenhäuser, Schuppen, Keller und Holzlager ein.
Schäden und Risiken
Im Garten und im Wald nagt die Rötelmaus Rinde. Anders als die bodengebundenen Wühlmäuse entrindet sie auch weiter oben am Stamm und an Ästen, was junge Bäume ringeln und absterben lassen kann. Dazu kommen Fraß an Keimlingen, Saatgut und eingelagerten Vorräten sowie zerlegtes Nistmaterial aus Polstern und Dämmstoffen.
Wichtiger ist der gesundheitliche Aspekt. Infizierte Tiere scheiden das Puumala-Hantavirus mit Urin, Kot und Speichel aus; das Virus bleibt auch in eingetrocknetem Material infektiös. Menschen stecken sich an, wenn sie kontaminierten Staub einatmen, etwa beim Fegen, Saugen oder beim Bewegen von Kartons und Brennholz. Die Erkrankung verläuft in Mitteleuropa meist als Nephropathia epidemica: Fieber, Kopf-, Rücken- und Flankenschmerzen, Übelkeit, häufig Sehstörungen und eine Störung der Nierenfunktion, die in schweren Fällen im Krankenhaus behandelt werden muss. Die meisten Fälle werden im Frühjahr und Sommer gemeldet. Schwerpunkte sind buchenreiche Mittelgebirgslagen, unter anderem Schwäbische Alb, Bayerischer Wald, Spessart, Odenwald, Oberschwaben, Nordosthessen und das Münsterland. Der Labornachweis einer akuten Infektion ist nach § 7 Infektionsschutzgesetz meldepflichtig; die Meldung übernimmt das Labor.
Wichtig: Räume mit Mäusekot niemals trocken auskehren oder mit dem Haushaltsstaubsauger aussaugen. Genau dabei entstehen die Aerosole, über die die Ansteckung läuft. Erst gründlich lüften, dann alles mit Wasser und Reinigungsmittel anfeuchten, feucht aufnehmen und die Tücher im verschlossenen Beutel entsorgen. Bei Staubentwicklung Handschuhe und eine partikelfiltrierende Maske tragen.
Vorbeugen
- Schuppen, Gartenhaus und Keller vor dem Winter abdichten: Spalten ab etwa 6 mm, Lüftungsgitter sowie Boden- und Wandanschlüsse
- Brennholz, Reisig und Kompost mit Abstand zur Gebäudewand und aufgeständert lagern
- Vogelfutter, Saatgut und Tierfutter in dicht schließenden Metallbehältern aufbewahren
- Wenig genutzte Räume regelmäßig kontrollieren und lüften, statt sie ein Jahr lang geschlossen zu lassen
- Junge Gehölze mit engmaschigem Draht schützen, der bis über den zu erwartenden Schneestand reicht
Bekämpfen
Die Rötelmaus ist in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung ausdrücklich von den besonders geschützten Säugetieren ausgenommen und darf bei berechtigtem Anlass bekämpft werden, anders als die ebenfalls hausnahe Gelbhalsmaus. In Gebäuden sind Schlagfallen in geschlossenen Fallenboxen das Mittel der Wahl. Sie wirken sofort und hinterlassen keine Kadaver an unzugänglichen Stellen. Leeren Sie die Fallen mit Handschuhen und reinigen Sie den Bereich anschließend feucht.
Antikoagulante Köder gehören in verschlossene Köderstationen und im Freiland in die Hand von Sachkundigen. Zinkphosphidköder für den Garten sind auf Wühlmäuse wie Feld- und Schermaus zugeschnitten; ob eine Anwendung hier zulässig ist, ergibt sich aus dem Etikett, und ausgebracht werden dürfen sie nur verdeckt in Gänge oder Köderstationen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Wichtiger als jedes Präparat bleibt das Abdichten: Solange Zugänge offen sind, rücken aus dem angrenzenden Gehölz laufend neue Tiere nach.
Tipp: Die Buchenmast ist Ihre Frühwarnung. Fallen im Herbst auffällig viele Bucheckern, ist im Folgejahr mit hohen Bestandsdichten und mehr Hantavirus-Fällen zu rechnen. Erledigen Sie Aufräum- und Reinigungsarbeiten in Dachboden, Schuppen und Gartenhaus dann früh im Jahr und konsequent feucht.
Wann zum Profi?
Rufen Sie einen Fachbetrieb, wenn ein länger ungenutzter Raum stark verkotet ist, wenn Sie in einem der Schwerpunktgebiete wohnen und größere Mengen Kot beseitigen müssen oder wenn der Befall trotz Fallen und Abdichtung anhält. Fachbetriebe reinigen mit Staubbindung und passender Schutzausrüstung. Unsicher bei der Art? Die Abgrenzung zu Feldmaus, Gemeiner Schermaus und Hausmaus entscheidet über die Wahl der Methode. Und wenn nach Aufräumarbeiten Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen auftreten, gehen Sie zum Arzt und erwähnen Sie den Mäusekontakt ausdrücklich.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie steckt man sich beim Aufräumen mit dem Hantavirus an?
Infizierte Rötelmäuse scheiden das Puumala-Virus mit Urin, Kot und Speichel aus, und das Virus bleibt auch im eingetrockneten Material infektiös. Die Ansteckung erfolgt fast immer über die Atemwege, wenn kontaminierter Staub aufgewirbelt wird. Typische Situationen sind das Ausfegen von Dachboden, Schuppen oder Gartenhaus und das Umschichten von Brennholz und Kartons.
Wie reinige ich einen Schuppen mit Mäusekot sicher?
Lüften Sie den Raum vor Beginn gründlich durch und verlassen Sie ihn dabei. Feuchten Sie Kot, Nester und Flächen anschließend mit Wasser und Reinigungsmittel an, nehmen Sie alles feucht auf und entsorgen Sie Tücher und Kadaver in einem verschlossenen Beutel. Tragen Sie Handschuhe und bei zu erwartender Staubentwicklung eine partikelfiltrierende Maske; trockenes Kehren und Staubsaugen sind tabu.
Woran erkenne ich die Rötelmaus im Unterschied zu anderen Wühlmäusen?
Der auffälligste Punkt ist der rostrote bis fuchsrote Rückensattel, der sich klar von den graubraunen Flanken abhebt. Der Schwanz ist mit etwa der halben Körperlänge deutlich länger als bei der Feldmaus und zweifarbig mit kleinem Haarpinsel am Ende. Außerdem sind Augen und Ohren größer, als man es von Wühlmäusen kennt.
Darf die Rötelmaus bekämpft werden?
Ja, sie ist in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung ausdrücklich von den besonders geschützten Säugetieren ausgenommen. Schlagfallen in geschlossenen Fallenboxen sind in Gebäuden die praktikabelste Lösung; Köder gehören in verschlossene Köderstationen, Zinkphosphid darf im Freiland nur verdeckt eingebracht werden. Achten Sie auf die Abgrenzung zur geschützten Gelbhalsmaus, bei der eine Bekämpfung unzulässig wäre.