Taubenzecke
Die Taubenzecke lebt an Stadttauben und wird für Menschen erst zum Problem, wenn ihre Wirte verschwinden. Wird ein Taubennest geräumt oder ein Dachboden saniert, wandern die zurückgebliebenen Zecken durch Ritzen in angrenzende Wohnungen und stechen nachts. Typisch sind stark juckende Quaddeln ohne sichtbares Tier auf der Haut. Ein Befall gilt als hartnäckigstes Zeckenproblem in Gebäuden.
Befall erkennen
Die Taubenzecke ist eine Lederzecke und sieht anders aus als die bekannten Zecken aus dem Wald. Ihr Körper ist flach, oval, ledrig gerunzelt und läuft nach außen in einen scharfen Rand aus. Ein festes Rückenschild fehlt, die Mundwerkzeuge liegen an der Unterseite und sind von oben nicht zu sehen. Weibchen werden je nach Ernährungszustand etwa 5 bis 10 mm lang und wirken vollgesogen am größten, Männchen bleiben mit rund 4 bis 6 mm deutlich kleiner.
- Nachts auftretende Stiche, oft mehrere in einer Reihe, am Rumpf, an Armen oder Beinen
- Stark juckende Quaddeln, die tagelang bestehen bleiben
- Kleine, dunkle Tiere in Fußleistenritzen, Deckenspalten, hinter Bildern und in Rollladenkästen
- Taubennester, Federn und Kotkrusten auf dem Dachboden oder in Lichtschächten
- Stiche beginnen häufig kurz nachdem Tauben verjagt oder Nester entfernt wurden
Lebensweise
Die Art ist streng nachtaktiv und lichtscheu. Tagsüber sitzt sie tief in Mauerspalten, unter losem Putz und hinter Verkleidungen. Der Stich dauert nur 15 bis 60 Minuten, danach zieht sich das Tier sofort zurück. Deshalb findet man die Zecke fast nie am Körper, anders als bei einer festgesaugten Waldzecke.
Die Entwicklung führt vom Ei über eine Larve und zwei bis fünf Nymphenstadien zum erwachsenen Tier, jedes Stadium braucht eine Blutmahlzeit. Nach jeder Mahlzeit legt das Weibchen ein kleines Gelege von 20 bis 100 Eiern und wiederholt das mehrfach im Leben.
Entscheidend für die Bekämpfung ist die Hungerresistenz: Taubenzecken überstehen fünf bis zehn Jahre ohne Wirt. Ein einfaches Zumauern der Nistplätze löst das Problem daher nicht, die Tiere warten im Mauerwerk einfach ab.
Schäden und Risiken
Krankheiten überträgt Argas reflexus auf den Menschen nach heutigem Kenntnisstand nicht. Das Risiko liegt in der Stichreaktion. Der Speichel wirkt stark sensibilisierend: Nach wiederholten Stichen entwickeln manche Betroffene heftige örtliche Schwellungen, in seltenen Fällen Kreislaufreaktionen bis zum anaphylaktischen Schock.
Bei Haustauben führt starker Befall zu Blutarmut und aufgegebenen Gelegen. In Wohnungen belasten vor allem die über Wochen wiederkehrenden nächtlichen Stiche, deren Ursache oft lange unklar bleibt.
Wichtig: Treten nach nächtlichen Stichen Atemnot, Schwindel, Herzrasen oder Quaddeln am ganzen Körper auf, ist das ein Notfall. Rufen Sie 112. Wer bereits einmal stark reagiert hat, sollte die Sensibilisierung allergologisch abklären lassen.
Vorbeugen
- Tauben gar nicht erst ansiedeln lassen: Dachluken, Lüftungsöffnungen und Lichtschächte vernetzen
- Fensterbänke, Simse und Balkonbrüstungen mit Spanndraht oder Netzen sichern
- Nicht füttern, Futterreste und offene Abfälle entfernen
- Dachböden und Speicher regelmäßig kontrollieren, Nistansätze früh entfernen
- Risse im Putz, Fugen und Deckenspalten in Wohnungen unter Taubenschlägen verschließen
- Mehr zu Abwehrmaßnahmen im Ratgeber Tauben bekämpfen und vergrämen
Bekämpfen
Die Reihenfolge entscheidet. Werden nur die Tauben vertrieben, verlieren tausende Zecken ihren Wirt und drängen geschlossen in die Wohnräume. Sinnvoll ist es, Vergrämung, Nestentfernung und Zeckenbehandlung in einem Zug zu planen.
Selbsthilfe stößt schnell an Grenzen. Staubsaugen erwischt nur freilaufende Tiere, nicht die im Mauerwerk. Ätherische Öle und Ultraschall wirken nicht. Fachbetriebe behandeln Spalten und Hohlräume gezielt mit Akariziden, meist in zwei bis drei Durchgängen über mehrere Monate.
Tipp: Kleben Sie doppelseitiges Klebeband an Fußleisten und Bettbeine und kontrollieren Sie es morgens. Gefangene Tiere sind der Nachweis, den Fachbetrieb und Vermieter brauchen.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Bei begründetem Verdacht immer. Taubenzecken sitzen in Bauteilen, an die Bewohner nicht herankommen, und die lange Hungerresistenz macht halbe Sachen wertlos. Kommt der Befall aus einem gemeinschaftlichen Dachboden, ist der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft zuständig; ein Befall gilt mietrechtlich als Mangel. Beim Räumen von Taubennestern ist außerdem Schutzausrüstung nötig, weil Kot und Staub Krankheitserreger und Pilzsporen enthalten.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran erkenne ich Taubenzeckenstiche?
Die Stiche treten nachts auf, häufig mehrere nebeneinander, und bilden stark juckende Quaddeln, die tagelang bleiben. Anders als bei Waldzecken sitzt kein Tier in der Haut, weil die Taubenzecke nach höchstens einer Stunde wieder abfällt. Ein Zusammenhang mit Tauben am Haus ist der wichtigste Hinweis.
Überträgt die Taubenzecke Borreliose oder FSME?
Nein. Diese Erreger werden vom Gemeinen Holzbock übertragen, nicht von der Taubenzecke. Für Argas reflexus ist keine gesicherte Krankheitsübertragung auf den Menschen bekannt. Das Risiko besteht in der allergischen Reaktion auf den Speichel.
Reicht es, die Tauben zu vertreiben?
Nein, im Gegenteil. Verlieren die Zecken ihre Wirte, suchen sie sich Ersatz und wandern in Wohnungen. Vergrämung, Nestentfernung und Zeckenbehandlung müssen deshalb zusammen geplant werden, sonst verschärft der erste Schritt das Problem.
Wie lange dauert die Bekämpfung?
Rechnen Sie mit mehreren Monaten. Fachbetriebe behandeln Spalten und Hohlräume in der Regel zwei- bis dreimal im Abstand von Wochen, weil versteckte Tiere nach und nach hervorkommen. Kontrollen mit Klebefallen zeigen an, wann keine Aktivität mehr besteht.