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Gesundheitsschädling

Kriebelmücken

Kriebelmücken fallen meist erst auf, wenn die Haut schon blutet. Die zwei bis sechs Millimeter kleinen Tiere stechen nicht, sie raspeln mit sägeartigen Mundwerkzeugen eine winzige Wunde auf und saugen das austretende Blut. Bemerkt wird das oft erst Stunden später – dann aber deutlich, mit Schwellung, Nässen und hartnäckigem Juckreiz.

Kriebelmücken erkennen

Der Körper ist gedrungen und erinnert eher an eine sehr kleine Fliege als an eine Mücke. Kennzeichnend ist der stark aufgewölbte Brustabschnitt, der dem Tier einen deutlichen Buckel gibt. Beine und Fühler sind kurz, die Flügel breit und glasklar, die Färbung grauschwarz bis dunkelbraun. Aus Deutschland sind rund 50 Arten bekannt; als Blutsauger fallen vor allem Simulium ornatum, Simulium reptans, Simulium equinum und Simulium erythrocephalum auf.

  • Stiche sitzen fast immer an unbedeckter Haut: Knöchel, Waden, Unterarme, Nacken, Haaransatz und Ohren
  • Typisch ist ein zentraler Blutpunkt, um den herum die Haut anschwillt und nässt
  • Auftreten tagsüber in Gewässernähe, mit Spitzen am frühen Morgen und in den Abendstunden

Wichtig: Nicht jeder juckende Stich im Freien stammt von der Kriebelmücke. Gnitzen hinterlassen ähnlich winzige, stark juckende Punkte, Bremsen deutlich größere und sofort schmerzhafte Wunden. Die Unterscheidung entscheidet über den Schutz: Kriebelmücken sind tagaktiv, die Gemeine Stechmücke fliegt vor allem in der Dämmerung und nachts.

Lebensweise

Die Entwicklung findet ausschließlich in Fließgewässern statt. Die Weibchen legen ihre Eier an Steinen, Wasserpflanzen oder Wehren ab. Die Larven heften sich mit einem Haftorgan am Untergrund fest und filtern mit fächerartigen Kopfanhängen Schwebstoffe aus der Strömung. Voraussetzung ist sauberes, sauerstoffreiches Wasser – dass Kriebelmücken in den vergangenen Jahrzehnten häufiger geworden sind, hängt auch mit der verbesserten Gewässergüte zusammen.

Nach sechs bis neun Larvenstadien verpuppen sich die Tiere in einem pantoffelförmigen Kokon unter Wasser. Je nach Art und Wassertemperatur entstehen eine bis mehrere Generationen im Jahr; der Schwerpunkt der Flugzeit liegt zwischen April und Juni. Männchen ernähren sich von Nektar. Nur die Weibchen brauchen Blut für die Eireifung. Sie fliegen dafür mehrere Kilometer vom Gewässer weg, dringen aber kaum in Gebäude ein.

Schäden und Risiken

Kriebelmücken sind Poolsauger. Statt eines feinen Stechrüssels tragen sie kurze, gezähnte Mundwerkzeuge, mit denen sie die Haut aufreißen. In die Wunde gelangt Speichel, der die Blutgerinnung hemmt und das Gewebe reizt. Eine Blutmahlzeit dauert einige Minuten und bleibt zunächst häufig unbemerkt.

Die Reaktion fällt größer und langwieriger aus als bei einem Mückenstich: Schwellung, Rötung, Nässen, teils tagelanger Juckreiz. Weil viele Betroffene kratzen, sind bakterielle Sekundärinfektionen die häufigste ernstere Folge. Nach zahlreichen Stichen sind Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und geschwollene Lymphknoten beschrieben. Auf den Menschen übertragen die heimischen Arten nach derzeitigem Kenntnisstand keine bedeutenden Krankheitserreger.

Bei Weidetieren wiegt der Befall schwerer. Bei Pferden können die Stiche ein Sommerekzem unterhalten oder verstärken; als Hauptauslöser dieser Allergie gelten allerdings Gnitzen. Bei Rindern können massenhafte Stiche zu schweren Kreislaufreaktionen führen. Betroffen sind vor allem dünn behaarte Stellen: Euter, Bauch, Ohren und Augenumgebung.

Vorbeugen

  • Aufenthalt an Bächen und Flüssen in den Morgen- und Abendstunden einschränken, vor allem von April bis Juni
  • Lange, eng geschnittene und dicht gewebte Kleidung tragen; helle Farben werden weniger angeflogen
  • Repellentien mit DEET, Icaridin oder IR3535 auf unbedeckte Haut auftragen und nach Herstellerangabe erneuern
  • Weidetiere in den Aktivitätszeiten aufstallen, empfindliche Pferde mit Ekzemerdecke und Ohrennetz schützen

Bekämpfen

Eine Bekämpfung im eigentlichen Sinn gibt es für Privatpersonen nicht. Die Larven leben im Fließgewässer und sind dort Teil des Nahrungsnetzes. Eingriffe in Gewässer sind wasserrechtlich genehmigungspflichtig und bleiben den Behörden vorbehalten. Ein biologisches Larvizid auf Basis von Bacillus thuringiensis israelensis kommt in Deutschland nur in Einzelfällen und nur behördlich veranlasst zum Einsatz, etwa wenn Weidebetriebe massiv betroffen sind. Auf eigene Faust darf niemand etwas in einen Bach geben.

Im Wohnumfeld bleiben Abwehr und Schutz. Fliegengitter halten die wenigen Tiere ab, die sich in Räume verirren; wirksam sind vor allem Kleidung und Repellentien. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Nach einem Stich hilft frühes Kühlen mehr als jedes Hausmittel. Kratzen Sie nicht – die aufgeraspelte Wunde ist ohnehin offen, und genau darüber entstehen die Entzündungen, die den Stich wochenlang sichtbar lassen.

Wann zum Profi?

Ein einzelner Stich braucht keine Behandlung. Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn sich die Wunde entzündet, die Schwellung über die Umgebung des Stichs hinaus zunimmt, rote Streifen auftreten oder Fieber, Kreislaufbeschwerden und Atemnot hinzukommen. Das gilt besonders für kleine Kinder und für Menschen mit bekannter Insektengiftallergie.

Ein Schädlingsbekämpfer kann gegen die Kriebelmücke selbst wenig ausrichten, weil die Quelle außerhalb des Grundstücks liegt. Sinnvoll ist er bei der Frage, ob die Stiche überhaupt von Kriebelmücken stammen oder ob im Haus eine andere Ursache sitzt – etwa Wadenstecher aus einem nahe gelegenen Stall. Betriebe mit wiederkehrendem Massenbefall wenden sich an das Veterinäramt und die untere Wasserbehörde; nur dort werden Maßnahmen am Gewässer koordiniert.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Warum tut ein Kriebelmückenstich erst Stunden später weh?

Der Speichel enthält betäubende und gerinnungshemmende Bestandteile, deshalb bleibt das Aufraspeln der Haut zunächst unbemerkt. Die Reaktion setzt oft erst nach mehreren Stunden ein, dann aber mit Schwellung, Nässen und starkem Juckreiz. Genau deshalb fällt es im Nachhinein schwer, den Ort des Stichs zuzuordnen.

Kann ich Kriebelmücken im eigenen Garten bekämpfen?

Nein. Die Larven entwickeln sich ausschließlich in Fließgewässern, oft weit vom Grundstück entfernt, und Eingriffe dort sind genehmigungspflichtig und den Behörden vorbehalten. Im Garten bleibt Ihnen die Abwehr: passende Kleidung, Repellentien und die Wahl der Tageszeit.

Wann sind Kriebelmücken am aktivsten?

Der Schwerpunkt der Flugzeit liegt zwischen April und Juni. Die Tiere sind tagaktiv und fliegen besonders am frühen Morgen und in den Abendstunden bei mildem, windstillem Wetter. Bei kräftigem Wind und nachts lässt die Aktivität deutlich nach.

Übertragen Kriebelmücken in Deutschland Krankheiten?

Auf den Menschen nach derzeitigem Kenntnisstand keine bedeutenden Erreger. Das eigentliche Risiko sind bakterielle Entzündungen der aufgekratzten Wunde und allergische Reaktionen. Bei sehr vielen Stichen sind zudem Fieber, Kopfschmerzen und geschwollene Lymphknoten beschrieben.