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Gesundheitsschädling

Bananenspinne

„Bananenspinne“ ist kein Artname, sondern ein Sammelbegriff für große Spinnen, die mit Obstlieferungen aus den Tropen nach Europa kommen. Gemeint ist meist die Brasilianische Wanderspinne der Gattung Phoneutria, deren Gift medizinisch tatsächlich relevant ist. In deutschen Obstkisten sitzen aber fast immer harmlose Verwandte. Wer eine handtellergroße Spinne im Karton findet, hat deshalb zuerst ein Bestimmungs- und kein Bekämpfungsproblem.

Bananenspinne erkennen

Die Brasilianische Wanderspinne erreicht 3 bis 5 cm Körperlänge und mit ausgestreckten Beinen 10 bis 15 cm. Der Körper ist graubraun bis dunkelbraun, die Beine sind kräftig und dicht behaart. Typisch ist die Drohhaltung: Das Tier stützt sich auf die hinteren Beine, reckt die vorderen Beinpaare steil nach oben und zeigt die rot behaarten Mundwerkzeuge.

  • Kein Netz: Wanderspinnen jagen laufend. Ein Radnetz oder wirres Gespinst spricht gegen eine Bananenspinne.
  • Fundort: Einzeltiere zwischen Bananenfingern, in Blattresten oder unter Kartonlaschen, dazu weißliche, linsenförmige Eikokons.
  • Verwechslung: Meist kommen Riesenkrabbenspinnen (Heteropoda venatoria, flacher Körper, Beine seitlich abgespreizt) und Kammspinnen der Gattung Cupiennius an. Rote Haare an den Mundwerkzeugen hat nur Cupiennius, Heteropoda einen hellen Stirnfleck – beide sind ungefährlich.
  • Einheimisch: Die Große Zitterspinne wirkt durch lange Beine groß, hat aber nur 8 bis 10 mm Körperlänge und hängt in einem lockeren Netz.

Lebensweise

Wanderspinnen sind nachtaktiv. Tagsüber stecken sie in Blattachseln von Bananenstauden, unter Rinde oder in Holzstapeln, in Südamerika auch in Schuhen und Bauschutt. Nachts laufen sie ihre Beute aktiv an: Insekten, Schaben, andere Spinnen.

Das Weibchen bewacht einen Eikokon mit mehreren hundert bis über tausend Eiern. Bis zur Geschlechtsreife vergeht rund ein Jahr, danach leben die Weibchen ein bis zwei Jahre. Zur Vermehrung braucht die Gattung dauerhaft über 20 °C und hohe Luftfeuchte – im mitteleuropäischen Freiland überlebt sie nicht.

Schäden und Risiken

Vorräte, Möbel oder Bausubstanz beschädigt die Bananenspinne nicht. Das Risiko ist allein der Biss. Das Gift von Phoneutria enthält Neurotoxine, die auf die Natriumkanäle der Nervenzellen wirken. Ein Biss brennt sofort stark, dazu kommen Schwellung, Schwitzen, Herzrasen, Blutdruckanstieg und Übelkeit.

Brasilianische Kliniken dokumentieren, dass die meisten Bisse leicht verlaufen, viele davon sind Trockenbisse ohne Giftinjektion. Schwere Verläufe betreffen fast nur Kinder und alte Menschen; in den Herkunftsländern steht dafür ein Antiserum bereit. In Deutschland ist kein Todesfall durch eine Importspinne bekannt. Gebissen wird, wer das Tier drückt oder in die Enge treibt.

Wichtig: Nach einem Biss durch eine unbekannte Importspinne die Wunde kühlen, die Gliedmaße ruhig halten und sofort 112 oder ein Giftinformationszentrum anrufen. Das Tier unversehrt in einem Glas sichern – die Artbestimmung entscheidet über die Behandlung.

Vorbeugen

  • Kartons mit Übersee-Obst im Hellen öffnen und vor dem Ausräumen durchsehen.
  • Bananen nicht ungeprüft in dunklen, warmen Vorratsräumen zwischenlagern.
  • In Reifereien und im Handel lose Ware nur mit Handschuhen auspacken, Personal auf typische Funde schulen.
  • Auf Tropenreisen Schuhe ausschütteln und Bettzeug prüfen – dort ist das Risiko real, nicht im deutschen Supermarkt.

Was beim Fund wirklich hilft

Sprühen Sie das Tier nicht an. Insektensprays wirken bei großen Webspinnen langsam, die Spinne flüchtet gereizt und ist danach unauffindbar. Auch der Staubsauger taugt nicht: Sie überlebt den Beutel oft, beim Herausnehmen steigt das Bissrisiko.

Tipp: Glas über das Tier stülpen, eine feste Karte darunterschieben, umdrehen, verschließen. Gelingt das nicht: Raum verlassen, Tür schließen, Spalt mit einem Handtuch stopfen.

Lavendelöl, Kastanien und Ultraschallgeräte halten Spinnen nicht fern. Zur Bestimmung genügt meist ein scharfes Foto von oben und von der Seite, beurteilt von einem Schädlingsbekämpfer, Zoo oder Naturkundemuseum. Kommt doch ein Präparat zum Einsatz: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

Holen Sie Fachleute, sobald das Tier im Raum verschwunden ist oder der Verdacht auf eine Phoneutria besteht. In Lebensmittelbetrieben und Lagern gehört jeder Fund dokumentiert, weil Arbeitsschutz und Hygienevorgaben betroffen sind. Ein Fachbetrieb prüft zudem, ob mit derselben Lieferung weitere Tiere oder ein Eikokon eingeschleppt wurden – wie es auch bei der Amerikanischen Schabe vorkommt.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Ist jede Spinne aus einer Bananenkiste giftig?

Nein. Die allermeisten mit Obst eingeschleppten Spinnen sind Riesenkrabbenspinnen oder Kammspinnen der Gattung Cupiennius. Ihr Biss ist etwa mit einem Wespenstich vergleichbar und für gesunde Menschen ungefährlich. Nur die südamerikanische Gattung Phoneutria ist medizinisch bedeutsam, und sie erreicht Europa sehr selten.

Kann sich eine Bananenspinne in meiner Wohnung vermehren?

Praktisch nicht. Die Arten brauchen dauerhaft über 20 °C, hohe Luftfeuchte und passende Beute. Einzelne eingeschleppte Tiere sterben in Wohnungen meist innerhalb weniger Wochen. Nur ein mitgereister Eikokon könnte kurzfristig Jungspinnen freisetzen, die sich aber nicht etablieren.

Was mache ich, wenn ich gebissen wurde?

Wunde kühlen, betroffene Gliedmaße ruhig halten und sofort 112 oder ein Giftinformationszentrum anrufen. Fangen Sie die Spinne wenn möglich unversehrt in einem Glas, damit die Art bestimmt werden kann. Zerquetschen Sie das Tier nicht, das erschwert die Bestimmung.