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Gesundheitsschädling

Schwalbenwanze

Die Schwalbenwanze ist eine nahe Verwandte der Bettwanze und lebt als blutsaugender Parasit in Schwalbennestern. Zum Problem wird sie, wenn die Schwalben abgezogen sind: Die hungrigen Wanzen verlassen das leere Nest, wandern über die Fassade in Dachböden und Schlafzimmer und stechen dort Menschen. Die Stiche werden oft mit einem Bettwanzenbefall verwechselt – mit dem Unterschied, dass Schwalbenwanzen sich am Menschen nicht dauerhaft halten können, das Nest selbst aber gesetzlich geschützt ist.

Schwalbenwanzen erkennen

Die Schwalbenwanze ist 3,5–5 mm lang, flach, rundoval und gelb- bis rotbraun; Flugflügel fehlen. Ihr auffälligstes Merkmal ist die Behaarung: Der ganze Körper trägt lange, abstehende Haare, während die Bettwanze kurz beborstet wirkt. Für eine sichere Bestimmung braucht es eine Lupe oder einen Fachmann, denn Taubenwanze und Fledermauswanze sehen ähnlich aus. Andere Wanzenarten im Haus sind harmlose Pflanzensauger.

Hinweise auf einen Befall:

  • Stiche und juckende Quaddeln bei Bewohnern der obersten Etage, häufig im August und September
  • Schwalbennester unter dem Dachüberstand, am Balkon oder im Stall in der Nähe
  • keine typischen Bettwanzenspuren am Bett: kaum Kotpünktchen an Matratzennaht und Lattenrost

Lebensweise

Schwalbenwanzen leben in den Nestern von Mehl- und Rauchschwalben, teils zu Hunderten, und saugen dort Vogelblut. Die Entwicklung verläuft ohne Puppenstadium: Aus dem Ei schlüpft eine Nymphe, die fünf Stadien durchläuft und für jede Häutung eine Blutmahlzeit braucht. Bei warmem Wetter entstehen zwei bis drei Generationen pro Sommer.

Ziehen die Schwalben im Spätsommer fort, bleiben die Wanzen zurück. Sie halten monatelang ohne Nahrung durch und überwintern in Ritzen und Nestresten. Verlässt ein Teil der Population das ausgehungerte Nest, wandern die Tiere entlang der Fassade durch Fugen, Rollladenkästen und Dachöffnungen ins Haus. Menschliches Blut nehmen sie an, für eine vollständige Entwicklung reicht es ihnen nicht.

Schäden und Risiken

Materielle Schäden entstehen nicht. Ihre Stiche sitzen meist an unbedeckten Hautstellen, oft in kleinen Gruppen, und lösen gerötete, stark juckende Quaddeln aus, die einige Tage anhalten. Eine Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen ist nicht belegt. Belastend ist die Verwechslungsgefahr: Wer nachts gestochen wird und Bettwanzen vermutet, gerät leicht in teure Fehlbehandlungen, obwohl die Ursache unter dem Dachvorsprung sitzt. Aus denselben Nestern kommen häufig auch Vogelflöhe und Vogelmilben.

Wichtig: Schwalben und ihre Nester sind nach §44 BNatSchG besonders geschützt, und zwar ganzjährig – auch das leere Nest im Winter, weil es im Folgejahr wieder genutzt wird. Nester abschlagen, verschließen oder den Anflug behindern ist ohne Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde verboten und kann Bußgelder bis zu 50.000 € nach sich ziehen (§69 Abs. 7 BNatSchG). Wird ein besetztes Nest in der Brutzeit zerstört, kommt zusätzlich eine Strafbarkeit nach §71a BNatSchG in Betracht.

Vorbeugen

  • Fugen, Risse und Kabeldurchführungen an der Fassade unterhalb und neben Schwalbennestern schließen.
  • Dachbodenfenster, Lüftungsöffnungen und Rollladenkästen abdichten oder mit engmaschigen Gittern versehen.
  • Fenster in Nestnähe mit Fliegengittern ausstatten.
  • Übergänge zwischen Dachboden und Wohnraum abdichten: Bodenluke, Installationsschächte, Deckenanschlüsse.
  • Wo Nester wiederholt Probleme machen, nach Absprache mit der Naturschutzbehörde Kunstnester mit Kotbrett anbringen.

Schwalbenwanzen bekämpfen

Im Innenraum funktioniert die Selbsthilfe gut, weil die Wanzen sich hier nicht vermehren. Saugen Sie die Tiere auf und entsorgen Sie den Beutel sofort verschlossen im Hausmüll. Kontrollieren Sie Fensterlaibungen, Rollladenkästen und Deckenanschlüsse und dichten Sie die Einwanderungswege ab – das beendet den Zustrom meist in wenigen Tagen bis Wochen.

Was nicht hilft: das Nest zu entfernen – das ist verboten und würde die Wanzen erst recht ins Haus treiben. Duftöle und Ultraschallgeräte wirken nicht. Eine großflächige Insektizidanwendung ist unnötig, solange die Zuwanderungswege offen bleiben.

Tipp: Fangen Sie ein Tier in einem Schraubglas und lassen Sie es bestimmen, bevor Sie etwas unternehmen. Schwalbenwanze und Bettwanze verlangen unterschiedliche Maßnahmen – eine Bettwanzenbehandlung kostet ein Vielfaches.

Wann zum Profi?

Holen Sie einen Schädlingsbekämpfer, wenn die Art unklar ist, trotz Abdichtung weiter Wanzen auftauchen oder mehrere Wohnungen betroffen sind. Ein Fachbetrieb bestimmt die Art, findet die Zuwanderungswege an der Fassade und stimmt Arbeiten im Nestbereich mit der Naturschutzbehörde ab.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich Schwalbenwanze und Bettwanze?

Beide sind flach, rundoval und rotbraun, die Schwalbenwanze ist aber deutlich länger und dichter behaart. Wichtiger als das Aussehen ist der Zusammenhang: Schwalbenwanzen treten meist im Spätsommer in oberen Geschossen auf, wenn Schwalbennester am Haus sitzen, und hinterlassen keine typischen Kotspuren an Matratze und Lattenrost. Lassen Sie ein gefangenes Tier im Zweifel bestimmen.

Darf ich das Schwalbennest entfernen, um die Wanzen loszuwerden?

Nein. Schwalbennester sind nach §44 BNatSchG ganzjährig geschützt, auch wenn sie leer stehen. Ohne Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde drohen empfindliche Bußgelder. Das Problem lösen Sie ohnehin nicht am Nest, sondern durch das Abdichten der Wege, über die die Wanzen ins Haus gelangen.

Vermehren sich Schwalbenwanzen in der Wohnung?

Dauerhaft nicht. Sie saugen zwar auch an Menschen, für eine vollständige Entwicklung über alle fünf Nymphenstadien reicht ihnen menschliches Blut jedoch nicht aus. Ein Befall im Wohnraum erlischt daher von selbst, sobald keine Tiere mehr aus dem Nestbereich nachwandern. Genau deshalb ist das Abdichten der Zuwege die wirksamste Maßnahme.