Kleidermotte
Die Kleidermotte frisst als Larve Wolle, Kaschmir, Pelz, Federn und Filz. Die Löcher im Lieblingspullover entstehen also nicht durch den Falter, der huschend aus dem Schrank fliegt, sondern durch dessen Nachwuchs. Wer nur die Falter erschlägt, hat den Befall nicht bekämpft: Ein Weibchen legt vorher bis zu 250 Eier, und die Larven fressen monatelang im Verborgenen.
Kleidermotte erkennen
Der Falter ist 6 bis 9 mm lang, glänzt strohgelb bis goldbraun und hat keine Zeichnung auf den Flügeln. Er meidet Licht, fliegt schlecht und läuft eher über den Stoff. Die Larve wird bis 10 mm lang, ist weißlich mit brauner Kopfkapsel und lebt in einer seidigen Röhre aus Gespinst, Kotkrümeln und Faserresten. Verwechseln lässt sie sich mit der Pelzmotte, deren Falter dunkle Punkte trägt, und mit der Lebensmittelmotte, die zweifarbige Flügel hat und aus der Küche kommt, nicht aus dem Schrank.
Anzeichen für einen Befall:
- unregelmäßige Löcher und ausgedünnte, kahle Stellen an Wolle, Pelz und Filz, oft in Falten, Kragen und unter Kanten
- seidige Gespinströhren und feiner, sandartiger Kot in der Farbe des befressenen Stoffes
- leere Puppenhüllen in Nähten, Taschen und Schrankecken
- Falter, die abends aus dem Schrank huschen oder an der Wand sitzen
- Fraßschäden an Wollteppichen unter Möbeln, an Klaviersaitenfilz und an Tierpräparaten
Lebensweise
Das Weibchen legt 100 bis 250 Eier einzeln zwischen Fasern, bevorzugt an ungestörten, dunklen Stellen. Nach vier bis zehn Tagen schlüpfen die Larven und beginnen sofort zu fressen. Sie verwerten Keratin, also Wolle, Haare, Federn und Pelz. Saubere Synthetik lassen sie liegen, verschmutzte Textilien mit Schweiß oder Speiseresten fressen sie bereitwillig an.
Bei 25 °C dauert die Entwicklung vom Ei zum Falter rund drei Monate, bei kühler Lagerung bis zu zwei Jahre. In beheizten Wohnungen entstehen zwei bis drei Generationen im Jahr, die Motte kennt dort keine Winterpause. Der Falter selbst frisst nichts mehr: Seine Mundwerkzeuge sind zurückgebildet, er lebt zwei bis vier Wochen und dient nur der Fortpflanzung.
Schäden und Risiken
Der Schaden ist rein materiell, dafür teuer. Betroffen sind Wollkleidung, Kaschmir, Pelze, Filz, Wollteppiche, Polster, Federbetten, Klavierfilz und Tierpräparate. Weil die Larven dunkle, wenig bewegte Stellen bevorzugen, sitzen die Schäden meist an selten getragener Kleidung und unter Möbeln; anders als beim Teppichkäfer finden Sie dabei immer Gespinströhren.
Für die Gesundheit ist die Kleidermotte harmlos: Sie sticht nicht, überträgt keine Krankheiten und verdirbt keine Lebensmittel. Bei Massenbefall geraten Kot und Gespinste in den Hausstaub und können die Atemwege reizen.
Vorbeugen
- Wollkleidung vor dem Einlagern immer waschen oder reinigen, Schweiß und Hautschuppen locken die Weibchen an
- Saisonkleidung luftdicht in Boxen, Vakuumbeuteln oder Kleidersäcken lagern, nicht in offenen Regalen
- Schränke zweimal im Jahr ausräumen, aussaugen und feucht auswischen, besonders Ecken und Fugen
- Wollteppiche und Flächen unter Schränken und Betten regelmäßig gründlich saugen
- gebrauchte Teppiche, Felle, Polstermöbel und Kleidung vor dem Einbringen prüfen und zwei Wochen bei −18 °C einfrieren
- Pheromonfallen im Schrank aufhängen, um Befall früh zu bemerken
Bekämpfen
Räumen Sie zuerst den gesamten Schrank aus und kontrollieren Sie jedes Stück, auch Taschen, Kragen und Säume. Befallene Textilien waschen Sie bei mindestens 60 °C. Was das nicht verträgt, kommt luftdicht verpackt für zwei Wochen bei −18 °C in die Gefriertruhe oder in die chemische Reinigung. Danach Schrank, Ritzen und Sockelleisten gründlich saugen und den Beutel sofort verschlossen entsorgen.
Bewährt haben sich Schlupfwespen der Gattung Trichogramma: Sie parasitieren die Motteneier und werden über mehrere Lieferungen ausgebracht, bis der Zyklus durchbrochen ist. Pheromonfallen fangen nur Männchen und dienen der Kontrolle, nicht der Bekämpfung. Lavendelsäckchen und Zedernholz halten allenfalls einzelne Falter fern; gegen fressende Larven sind sie wirkungslos. Mottenpapier und Sprays erreichen die Larven im Gewebeinneren oft nicht.
Tipp: Löcher allein sagen nichts über einen aktiven Befall. Prüfen Sie, ob frische Gespinströhren, lebende Larven oder sandiger Kot vorhanden sind. Alte Schäden ohne diese Spuren stammen aus einem längst erledigten Befall.
Wann zum Profi?
Ein Schädlingsbekämpfer lohnt sich, wenn der Befall mehrere Räume erfasst hat, wenn festverlegte Wollteppiche oder wertvolle Pelze und Teppiche betroffen sind oder wenn trotz Wäsche und Kälte nach Wochen wieder Falter erscheinen. Er findet versteckte Herde wie Vogelnester oder Filzreste unter Dielen und behandelt ganze Räume mit Wärmeentwesung bei 55 bis 60 °C, die alle Stadien erfasst.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Helfen Lavendel und Zedernholz gegen Kleidermotten?
Beide Duftstoffe halten einzelne Falter kurzzeitig fern, töten aber weder Eier noch Larven. Zedernholz verliert seine Wirkung nach wenigen Monaten, wenn die ätherischen Öle ausgedunstet sind. Einen bestehenden Befall lösen Sie damit nicht auf, dafür braucht es Hitze, Kälte oder Schlupfwespen.
Bei welcher Temperatur sterben Kleidermotten?
Alle Stadien sterben bei 60 °C innerhalb einer Stunde, deshalb ist eine 60-Grad-Wäsche das einfachste Mittel. In der Kälte dauert es länger: Zwei Wochen bei −18 °C in luftdichter Verpackung töten Eier und Larven zuverlässig. Kurzes Auslüften bei Frost reicht nicht aus.
Warum kommen die Motten immer wieder?
Meist ist ein Herd übersehen worden: ein Wollteppich unter dem Schrank, Filz in einem Instrument, ein Vogelnest im Rollladenkasten oder ein Kleidungsstück ganz hinten im Regal. Auch Eier in Schrankritzen überstehen eine Wäscheaktion. Erst wenn alle Textilien und die Ritzen behandelt sind, bricht der Kreislauf ab.