Kleiderlaus
Die Kleiderlaus lebt nicht auf der Haut, sondern in der Kleidung ihres Wirtes und kommt nur zum Blutsaugen an den Körper. In Deutschland ist sie selten geworden und tritt fast nur dort auf, wo dieselben Textilien über Tage getragen werden. Harmlos ist sie deshalb nicht: Von den drei Menschenläusen überträgt einzig sie schwere Infektionskrankheiten.
Kleiderlaus erkennen
Erwachsene Tiere werden 2,5 bis 4,5 mm lang, sind flügellos und langgestreckt flach. Ungesogen wirken sie grauweiß, nach der Mahlzeit rotbraun. Die Eier (Nissen) sind rund 0,8 mm groß, gelblich-weiß und fest an Nähte, Bündchen und Falten geklebt. Suchen Sie deshalb nicht die Haut ab, sondern die auf links gedrehte Wäsche.
- Starker Juckreiz an Schultern, Rücken, Taille und Gesäß, vor allem nachts
- Rote Papeln mit zentralem Einstichpunkt, oft in Reihen, dazu Kratzspuren
- Weiße Nissen und dunkle Kotpünktchen in Nähten, Kragen und Gürtelbund
- Kleine Blutflecken auf Unterwäsche und Bettbezug
Verwechselt wird die Art vor allem mit der Kopflaus, die fast identisch aussieht, aber im Kopfhaar sitzt und ihre Nissen an Haaren festklebt. Die Filzlaus ist mit 1,5 mm kleiner und krabbenförmig breit. Stiche der Bettwanze ähneln denen der Laus, die Tiere sitzen aber im Bettgestell.
Lebensweise
Kleiderläuse sind reine Menschenparasiten und saugen etwa fünfmal täglich Blut, dazwischen ziehen sie sich in die Kleidung zurück. Ein Weibchen legt acht bis zehn Eier pro Tag und 200 bis 300 im Leben. Bei Körperwärme schlüpfen die Larven nach sieben bis zehn Tagen, durchlaufen drei Nymphenstadien und sind nach acht bis zwölf weiteren Tagen selbst fortpflanzungsfähig. Aus einem Weibchen werden so in wenigen Wochen hunderte Tiere.
Die Tiere brauchen konstant rund 30 Grad. Ohne Wirt sterben sie bei Zimmertemperatur nach ein bis drei Tagen, Nissen bleiben bis zu vier Wochen entwicklungsfähig. Übertragen werden Läuse durch engen Körperkontakt, geteilte Betten und weitergegebene Kleidung.
Schäden und Risiken
Der Speichel löst eine allergische Reaktion mit heftigem Juckreiz aus. Aufgekratzte Stellen entzünden sich leicht, bei jahrelangem Befall verdickt und dunkelt die Haut an Rumpf und Schultern. Schwerer wiegt die Rolle als Krankheitsüberträger: Die Erreger stecken im Läusekot und gelangen über Kratzwunden in den Körper.
- Fleckfieber (Rickettsia prowazekii): hohes Fieber, Ausschlag, unbehandelt lebensgefährlich
- Wolhynisches Fieber (Bartonella quintana): wiederkehrende Fieberschübe, Knochenschmerzen
- Läuserückfallfieber (Borrelia recurrentis): mehrere Fieberattacken im Abstand von Tagen
Wichtig: Fieber, Ausschlag oder starkes Krankheitsgefühl während eines Läusebefalls gehören sofort zum Arzt. Fleckfieber und Rückfallfieber sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig und werden mit Antibiotika behandelt.
Vorbeugen
- Unterwäsche täglich, Oberbekleidung mehrmals wöchentlich wechseln und bei 60 Grad waschen
- Gebrauchtkleidung vor dem ersten Tragen heiß waschen oder 30 Minuten in den Trockner geben
- Kleidung, Handtücher, Schlafsäcke und Bettwäsche nicht mit anderen teilen
- Bei einem bestätigten Fall im Umfeld auch Kontaktpersonen untersuchen lassen
Bekämpfen
Der Befall sitzt in den Textilien, dort setzt die Behandlung an. Waschen Sie Kleidung, Bettwäsche und Handtücher bei mindestens 60 Grad und 30 Minuten Waschdauer, das tötet Läuse und Nissen. Nicht waschbare Stücke kommen 30 Minuten heiß in den Trockner, 48 Stunden bei minus 18 Grad ins Gefrierfach oder vier Wochen luftdicht verpackt in den Keller. Kürzere Lagerzeiten reichen nicht, weil Nissen später noch schlüpfen.
Läusemittel auf der Haut sind bei dieser Art meist überflüssig, da die Tiere nicht dauerhaft am Körper bleiben. Nur bei sehr starkem Befall verordnet der Arzt Dimeticon oder Permethrin. Insektizidsprays auf Möbeln sowie Hausmittel wie Essig, Teebaumöl oder Haarspray bringen nichts, weil sie die Nissen tief in den Nähten nicht erreichen.
Tipp: Behandeln Sie alle Textilien am selben Tag und packen Sie gewaschene Sachen sofort in verschlossene Beutel. Bleibt ein Teil der Garderobe unbehandelt, wandern die Läuse zurück und der Befall beginnt von vorn.
Wann zum Profi?
Bei einer betroffenen Person im Privathaushalt genügen Heißwäsche und Hygiene. Einen Schädlingsbekämpfer brauchen Sie, wenn mehrere Personen betroffen sind, der Befall in einer Gemeinschafts- oder Pflegeeinrichtung auftritt oder nach zwei Wochen konsequenter Wäsche erneut Läuse auftauchen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich Kleiderläuse von Kopfläusen?
Beide Arten sehen fast gleich aus, unterscheiden sich aber im Aufenthaltsort. Kopfläuse leben im Kopfhaar und kleben ihre Nissen an einzelne Haare nahe der Kopfhaut. Kleiderläuse halten sich in Nähten und Falten der Kleidung auf und kommen nur zum Saugen auf die Haut. Finden Sie Nissen in Bündchen oder Gürtelbund, handelt es sich um Kleiderläuse.
Wie lange überleben Kleiderläuse ohne Menschen?
Erwachsene Tiere brauchen mehrmals täglich Blut und sterben bei Zimmertemperatur nach ein bis drei Tagen ohne Wirt. Nissen sind widerstandsfähiger und können bis zu vier Wochen später noch schlüpfen. Deshalb reicht es nicht, Kleidung nur wenige Tage beiseitezulegen.
Reicht Waschen bei 40 Grad gegen Kleiderläuse?
Nein. Erst ab 60 Grad und mindestens 30 Minuten Waschdauer sterben Läuse und Nissen sicher ab. Empfindliche Textilien behandeln Sie stattdessen 30 Minuten heiß im Trockner, frieren sie 48 Stunden bei minus 18 Grad ein oder lagern sie vier Wochen luftdicht verpackt.
Sind Kleiderläuse ein Zeichen von mangelnder Hygiene?
Ein Befall entsteht dort, wo Kleidung über längere Zeit nicht gewechselt oder gewaschen werden kann, etwa bei Obdachlosigkeit, in Notunterkünften oder nach Katastrophen. Das ist eine Frage der Lebensumstände, nicht der persönlichen Sauberkeit. Übertragen werden die Tiere durch engen Kontakt und geteilte Textilien.