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Gesundheitsschädling

Schaben

Schaben gelten in Deutschland als Gesundheitsschädlinge und gehören zu den wenigen Befallsarten, bei denen Selbsthilfe fast immer scheitert. Sie verstecken sich tagsüber in engen Spalten, vermehren sich schnell und verschleppen Keime über Lebensmittel und Arbeitsflächen. Wer nachts beim Lichteinschalten flüchtende Tiere sieht, sollte zügig handeln – und zuerst klären, um welche Art es geht.

Schaben erkennen

Alle Arten haben einen flachen, ovalen Körper, lange Fühler und ein Halsschild, unter dem der Kopf verschwindet. Für die Bekämpfung entscheidend sind vier Arten:

  • Deutsche Schabe (12–16 mm): hellbraun mit zwei dunklen Längsstreifen am Halsschild, klettert glatte Flächen hoch, der mit Abstand häufigste Befall in Küchen.
  • Orientalische Schabe (20–30 mm): dunkelbraun bis schwarz, kann nicht an Glas klettern, sitzt in feuchten Kellern, Müllräumen und Leitungsschächten.
  • Amerikanische Schabe (28–44 mm): rotbraun mit hellem Rand am Halsschild, flugfähig, typisch in Kanalisation, Bädern und Zoos.
  • Braunbandschabe (10–14 mm): zwei helle Querbänder, liebt Wärme und Trockenheit, versteckt sich in Elektrogeräten und Möbelfugen.

Typische Befallszeichen sind feine Kotkrümel wie gemahlener Pfeffer und schwarze Schmierspuren in Schubladen, leere Häutungshüllen, walzenförmige Eipakete von 5 bis 10 mm sowie ein muffig-süßlicher Geruch. Tiere, die tagsüber offen laufen, bedeuten bereits einen starken Befall.

Tipp: Im Sommer fliegen einheimische Waldschaben durchs offene Fenster ans Licht. Sie sind schlank, hellbraun, gut flugfähig und völlig harmlos – in der Wohnung vermehren sie sich nicht. Setzen Sie diese Tiere einfach nach draußen.

Lebensweise

Schaben sind nachtaktiv, lichtscheu und wärmeliebend. Tagsüber sitzen sie dicht gedrängt in Spalten hinter Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, in Fußleisten, Elektrogeräten und Hohlräumen. Ein Spalt von zwei Millimetern genügt.

Das Weibchen der Deutschen Schabe trägt sein Eipaket mit 30 bis 40 Eiern bis kurz vor dem Schlupf am Hinterleib. Bei 30 °C dauert die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Tier rund drei Monate, ein Weibchen bringt in seinem Leben mehrere hundert Nachkommen hervor. Gefressen wird alles Organische: Lebensmittelreste, Fett, Papier, Klebstoff, Seife, sogar Artgenossen.

Schäden und Risiken

Schaben laufen zwischen Abfluss, Müll und Küchenarbeitsfläche hin und her. Sie können Salmonellen, coliforme Keime, Staphylokokken, Schimmelsporen und Wurmeier verschleppen. Befallene Lebensmittel sind nicht mehr verwendbar.

Der zweite, oft unterschätzte Punkt sind Allergien: Kotpartikel, Häutungsreste und Speichel gelten als starke Innenraumallergene und können Asthma auslösen oder verschlimmern, besonders bei Kindern. Dazu kommen Fraßschäden an Vorräten und Verpackungen.

Wichtig: Schaben zählen zu den Gesundheitsschädlingen nach § 17 Infektionsschutzgesetz. In Gemeinschaftseinrichtungen und Lebensmittelbetrieben besteht Bekämpfungspflicht, das Gesundheitsamt kann Maßnahmen anordnen. Mieter müssen den Befall dem Vermieter unverzüglich melden, er gilt als Mangel der Mietsache.

Vorbeugen

  • Lebensmittel und Tierfutter in dichten Behältern lagern, Krümel und Fettfilme täglich entfernen.
  • Müll geschlossen halten und abends hinausbringen, Spülbecken über Nacht trocken lassen.
  • Spalten hinter Fußleisten, an Rohrdurchführungen und Fliesenkanten dauerhaft verschließen.
  • Gebrauchte Elektrogeräte, Kartons und Möbel vor dem Einbringen kontrollieren.

Bekämpfen

Legen Sie zuerst Klebefallen aus, um Art, Ausmaß und Herd zu bestimmen. Die eigentliche Bekämpfung erfolgt mit Gelködern, die punktweise in Spalten und Ecken gesetzt werden. Die Tiere fressen das Gel und geben den Wirkstoff im Versteck über Kot und Kannibalismus weiter.

Sprays und Nebel richten mehr Schaden als Nutzen an: Sie treiben die Tiere in Nachbarwohnungen, entwerten ausgelegte Köder und fördern Resistenzen. Hausmittel wie Backpulver, Essig oder ätherische Öle beenden keinen Befall. In Mehrfamilienhäusern müssen angrenzende Wohnungen, Keller und Schächte immer einbezogen werden, sonst wandert der Befall zurück. Rechnen Sie mit mehreren Kontrollen über sechs bis zwölf Wochen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

Bei jedem bestätigten Schabenbefall. Ein einzelnes gefangenes Tier kann noch eingeschleppt sein, mehrere Funde oder Nachweise in Klebefallen bedeuten eine bestehende Population. Fachbetriebe bestimmen die Art, dokumentieren den Befall und stimmen die Bekämpfung im ganzen Haus ab.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Bedeutet eine einzelne Schabe schon einen Befall?

Nicht zwingend. Einzeltiere werden mit Kartons, Getränkekisten oder Gebrauchtgeräten eingeschleppt. Stellen Sie Klebefallen an mehreren Stellen auf und kontrollieren Sie zwei Wochen lang. Fangen Sie weitere Tiere oder finden Sie Kot und Häutungshüllen, besteht ein Befall.

Sind Schaben ein Zeichen von Unsauberkeit?

Nein. Schaben werden eingeschleppt oder wandern über Leitungsschächte aus Nachbarwohnungen ein, auch in blitzsaubere Haushalte. Schmutz und offene Lebensmittel beschleunigen die Vermehrung, sind aber nicht die Ursache.

Muss ich einen Schabenbefall melden?

Als Mieter müssen Sie den Vermieter unverzüglich informieren, der Befall ist ein Mangel der Mietsache. In Gemeinschaftseinrichtungen und Lebensmittelbetrieben gilt nach § 17 Infektionsschutzgesetz eine Bekämpfungspflicht, dort kann das Gesundheitsamt Maßnahmen anordnen.