Kleine Stubenfliege
Die Fliege, die abends unter der Deckenlampe ihre Runden dreht und nie landet, ist meist nicht die Große Stubenfliege, sondern die Kleine Stubenfliege. In Wohnungen ist sie die häufigere der beiden Arten. Sie sticht nicht und beißt nicht, verschleppt aber Keime, und ihr Auftreten verrät, wo im oder am Haus etwas fault.
Kleine Stubenfliege erkennen
Fannia canicularis ist mit 4 bis 6 mm deutlich kleiner und schlanker als die Große Stubenfliege. Der Brustabschnitt ist braungrau und trägt drei dunkle Längsstreifen, der Hinterleib ist an der Basis durchscheinend gelblich und zum Ende hin dunkelbraun. In Ruhe liegen die Flügel flach übereinander, ihre Vorderkanten verlaufen fast parallel.
- Ruheloser Zickzackflug unter Lampen, Leuchten und Deckenhaken, oft stundenlang ohne Landung; das sind die Männchen bei ihrem Revierflug
- Sie geht kaum auf Speisen, Haut oder Tischflächen, anders als die Große Stubenfliege
- Die Larven sind flach, graubraun und tragen an jedem Segment dornartige Fortsätze; sie wirken bestachelt und nicht wie glatte, spitze Maden
Wichtig: Fliegen, die im Winter oder plötzlich in großer Zahl aus einer Decke, einem Hohlraum oder Schacht kommen, deuten auf einen Kadaver hin, etwa auf eine tote Maus oder einen Vogel. Dann hilft kein Spray, sondern nur das Auffinden und Entfernen der Quelle.
Lebensweise
Die Larven entwickeln sich in feuchten, faulenden Substraten mit hohem Wassergehalt: Geflügel- und Kleintierkot, Kompost, Küchenabfälle, Bioabfallbehälter, verstopfte Dachrinnen, Vogelnester an der Fassade und Kadaver. Die dornigen Fortsätze der Larven wirken wie Schwimmhilfen und erlauben ihnen, sich auch in halbflüssigem Material zu bewegen. Ein Weibchen legt seine Eier in Paketen ab und kommt im Lauf seines Lebens auf mehrere hundert, ausnahmsweise bis zu 2.000 Eier.
Vom Ei bis zur fertigen Fliege vergehen unter normalen Bedingungen etwa 24 bis 30 Tage, bei rund 30 °C nur eine gute Woche. In Mitteleuropa sind bis zu sieben Generationen im Jahr möglich; überwintert wird als Larve oder Puppe. Anders als die Große Stubenfliege bevorzugt Fannia canicularis mäßige Temperaturen. Deshalb fällt sie vor allem im Frühjahr und im Herbst auf, während sie im Hochsommer zurücktritt. Die erwachsenen Tiere leben zwei bis drei Wochen.
Schäden und Risiken
Die Kleine Stubenfliege gilt als Hygiene- und Gesundheitsschädling. Sie pendelt zwischen Kot, faulendem Material und Lebensmitteln und trägt Bakterien an Beinen und Mundwerkzeugen mit. Beim Fressen gibt sie Speichel ab und setzt Kottröpfchen auf Flächen ab, wodurch Keime auf Nahrung und Arbeitsflächen gelangen können. Da sie sich in Wohnungen seltener auf Essen setzt als die Große Stubenfliege, ist ihr hygienisches Gewicht dort geringer, in Küchen, Ställen und Lebensmittelbetrieben dagegen durchaus relevant.
Vereinzelt sind Fannia-Larven beim Menschen als Auslöser einer sogenannten Scheinmyiasis beschrieben worden, nachdem befallene Lebensmittel verschluckt wurden. Solche Fälle sind ausgesprochen selten. Material zerstört die Art nicht, und stechen kann sie mangels stechender Mundwerkzeuge nicht; wer nachts gestochen wird, sollte eher an Wadenstecher, Mücken oder Flöhe denken. Hauptbeschwerde bleibt die Belästigung durch die kreisenden Tiere.
Vorbeugen
- Bioabfall und Restmüll in dicht schließenden Behältern sammeln, häufig leeren und die Tonne nicht direkt neben Fenster oder Tür stellen
- Kompost, Kleintierställe, Katzentoiletten und Mistlager weiter vom Haus entfernt anlegen und feucht-faulige Ecken auflösen
- Dachrinnen, Lichtschächte, Blumenuntersetzer und Kellerabläufe kontrollieren; Fliegengitter an Küchen- und Schlafzimmerfenstern anbringen
Alte Vogelnester an Fassade und Dachüberstand sind eine typische Quelle. Sie dürfen erst nach dem Ausfliegen der Jungvögel entfernt werden, da alle heimischen Vogelarten und ihre genutzten Nester nach § 44 BNatSchG geschützt sind.
Bekämpfen
Solange die Brutstätte besteht, fliegen ständig neue Tiere zu; jede Bekämpfung im Raum ist dann nur Symptomlinderung. Der erste Schritt ist deshalb die Suche nach dem feuchten, faulenden Material, meist im Umkreis weniger Meter um das Fenster, durch das die Fliegen hereinkommen. Ist die Quelle entfernt, bricht der Befall innerhalb weniger Wochen von selbst zusammen.
Im Raum wirken UV-Lichtfallen mit Klebefolie gut, weil die Männchen ohnehin um Lichtquellen kreisen; sie eignen sich auch für Küchen und Gastronomie. Klebestreifen und Fliegenklatsche reichen für einzelne Tiere. Sprühmittel wirken nur kurz und sind in Wohnräumen meist überflüssig. Wenn doch chemisch gearbeitet wird, gilt: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Hängen Sie eine Lichtfalle nicht neben ein Fenster, sondern innen im Raum, etwa in Türhöhe. Dort konkurriert sie nicht mit dem Tageslicht und zieht die Männchen aus ihrem Revierflug unter der Lampe heraus.
Wann zum Profi?
Ein Fachbetrieb ist sinnvoll, wenn die Fliegen jedes Jahr wiederkehren und Sie die Brutstätte nicht finden, wenn sie in großer Zahl aus Hohlräumen, Zwischendecken oder Schächten kommen oder wenn ein toter Tierkörper im Bauteil vermutet wird. In Lebensmittelbetrieben, Küchen, Bäckereien und Tierhaltungen gehört die Fliegenkontrolle ohnehin zum Hygienekonzept; dort werden Monitoringfallen ausgewertet, um die Art zu bestimmen und die Quelle einzugrenzen. Wenn sich herausstellt, dass es sich um Buckelfliegen oder um Schmetterlingsmücken aus einem defekten Abfluss handelt, ändert das die Suchrichtung grundlegend.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Warum fliegen die Fliegen ständig unter der Lampe und setzen sich nie hin?
Das sind die Männchen der Kleinen Stubenfliege bei ihrem Revierflug. Sie besetzen einen Luftraum unter Lampen, Deckenhaken oder Leuchten, patrouillieren dort im Zickzack und vertreiben Rivalen. Genau dieses Verhalten unterscheidet die Art von der Großen Stubenfliege, die sich häufig absetzt.
Woher kommen die kleinen Fliegen in meiner Wohnung?
Die Larven brauchen feuchtes, faulendes Material. Typische Quellen sind Bioabfall, Kompost, Kleintierkot, verstopfte Dachrinnen, alte Vogelnester an der Fassade und tote Tiere in Hohlräumen. Meist liegt die Brutstätte nur wenige Meter vom Fenster entfernt, durch das die Fliegen hereinkommen.
Sind Kleine Stubenfliegen gefährlich?
Sie stechen und beißen nicht und richten keinen Materialschaden an. Als Hygieneschädling können sie jedoch Bakterien von Kot und faulendem Material auf Lebensmittel und Arbeitsflächen verschleppen. In der Wohnung ist die Belästigung das Hauptproblem, in Küchen und Lebensmittelbetrieben zählt der Hygieneaspekt.
Was hilft am besten gegen Kleine Stubenfliegen?
Die Brutstätte zu finden und zu beseitigen, alles andere wirkt nur kurz. Ergänzend helfen Fliegengitter, um Zuflug zu verhindern, und UV-Lichtfallen mit Klebefolie im Raum, weil die Männchen ohnehin Lichtquellen anfliegen. Sprays sind in Wohnräumen meist überflüssig.