Eichenprozessionsspinner
Ein graues Gespinstnest am Stamm einer Eiche und darunter eine Reihe behaarter Raupen: Der Eichenprozessionsspinner ist kein Vorratsschädling, sondern ein echtes Gesundheitsrisiko. Ab dem dritten Larvenstadium tragen die Raupen Brennhaare mit dem Eiweißgift Thaumetopoein, das Hautausschlag, Bindehautentzündung und Atembeschwerden auslöst. Die Haare fliegen mit dem Wind, halten sich jahrelang und wirken auch dann noch, wenn die Raupe längst weg ist.
Befall erkennen
Die Raupen werden bis zu 5 Zentimeter lang, sind grau bis bläulich mit dunklem Rückenstreifen und dicht mit langen weißen Haaren besetzt. Der Falter selbst ist unscheinbar grau, nachtaktiv und völlig harmlos.
- Weißgraue, filzige Gespinstnester in Astgabeln und an Stämmen, faustgroß bis über einen Meter lang
- Raupen, die nachts in langen Reihen hintereinander zur Krone ziehen
- Kahlgefressene Eichenkronen ab Mai, während Nachbarbäume grün bleiben
- Alte, bräunliche Nestreste, die im Winter am Stamm hängen bleiben – sie sind weiterhin gefährlich
Nicht verwechseln sollten Sie den Befall mit den Gespinsten der Gespinstmotten. Diese überziehen Pfaffenhütchen oder Traubenkirsche mit silbrigen Schleiern, betreffen also keine Eichen, und ihre Raupen haben keine Brennhaare.
Lebensweise
Die Eier überwintern in kleinen Spiegeln von 100 bis 200 Stück an dünnen Zweigen in der Krone. Die Räupchen schlüpfen im März oder April, genau zum Blattaustrieb der Eiche, und durchlaufen fünf bis sechs Stadien. Ab dem dritten Stadium, meist ab Mai, bilden sie die Brennhaare aus: rund 600.000 pro Raupe, jedes nur 0,1 bis 0,2 Millimeter lang und mit Widerhaken versehen.
Tagsüber sitzen die Tiere dicht gedrängt im Gespinstnest, nachts ziehen sie in der typischen Prozession zum Fraß. Ab Juni verpuppen sie sich im Nest, im Juli bis September fliegen die Falter, die nur wenige Tage leben. Befallen werden fast ausschließlich Eichen, bevorzugt freistehende, sonnenexponierte Bäume an Wegen, Spielplätzen und Waldrändern.
Schäden und Risiken
Der Fraßschaden am Baum ist meist verkraftbar; gesunde Eichen treiben nach Kahlfraß erneut aus, erst mehrjähriger Befall schwächt sie ernsthaft. Das eigentliche Problem sind die Haare. Sie brechen leicht ab, werden über hundert Meter verweht und dringen in Haut und Schleimhäute ein.
Typisch sind stark juckende Quaddeln und Rötungen an unbedeckten Hautstellen, die tagelang anhalten, dazu gerötete, tränende Augen, Reizhusten, Halskratzen und bei Vorerkrankungen asthmatische Beschwerden. Selten kommt es zu allergischen Schockreaktionen. Die Haare bleiben in Nestern, Rindenritzen und im Boden über Jahre wirksam – auch alte Nester sind also kein harmloses Souvenir.
Vorbeugen
- Befallene Bereiche weiträumig meiden, Absperrungen ernst nehmen und Kinder sowie Hunde fernhalten
- Kein Sport, kein Picknick und keine Gartenarbeit unter befallenen Eichen, auch nicht bei Wind
- Eigene Eichen im Frühjahr regelmäßig auf Nester kontrollieren – je früher, desto einfacher die Entfernung
- Befall an Straßen-, Park- und Schulbäumen dem Ordnungs- oder Grünflächenamt melden
- Bei Arbeiten im Unterholz an lange Kleidung denken, die auch gegen Zecken schützt
Nach Kontakt richtig reagieren
Wechseln Sie die Kleidung im Freien, ohne sie auszuschütteln, und waschen Sie alles bei 60 Grad. Duschen Sie gründlich mit Haarwäsche und tupfen Sie die Haut ab, statt zu reiben. Betroffene Hautstellen kühlen und nicht kratzen; juckreizstillende Mittel aus der Apotheke lindern. Suchen Sie ärztliche Hilfe bei Augenbeteiligung, Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder anhaltendem Ausschlag.
Wichtig: Entfernen Sie Nester niemals selbst. Abflammen, Abspritzen mit dem Gartenschlauch, Hochdruckreiniger oder Laubbläser wirbeln die Brennhaare massiv auf und gefährden die ganze Nachbarschaft. Auch ein Staubsauger ohne Feinstaubfilter verteilt sie nur.
Wann zum Profi?
Immer, sobald ein Nest erreichbar ist oder Menschen sich in der Nähe aufhalten. Fachbetriebe arbeiten mit Vollschutzanzug, Atemschutz und Industriesaugern mit Feinstaubfilter, sichern das Umfeld ab und entsorgen das Material fachgerecht. Rechnen Sie je nach Höhe und Zugänglichkeit mit 100 bis 400 Euro pro Baum, mit Hubarbeitsbühne mehr. Bei öffentlichen Bäumen ist die Kommune zuständig, auf dem eigenen Grundstück der Eigentümer. Eine vorbeugende Behandlung junger Raupen mit Präparaten auf Basis von Bacillus thuringiensis ist nur im April und Mai sinnvoll und bleibt Fachfirmen vorbehalten. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie lange bleiben die Brennhaare gefährlich?
Mehrere Jahre. Die Haare sind widerhakenbesetzt und zerfallen kaum. Sie sammeln sich in alten Nestern, in Rindenritzen und im Boden unter dem Baum an. Deshalb sind auch bräunliche Restnester im Winter noch riskant, und der Bereich unter einem früher befallenen Baum sollte erst nach fachgerechter Entfernung wieder genutzt werden.
Was tun, wenn ich mit Raupenhaaren in Kontakt kam?
Kleidung im Freien wechseln, nicht ausschütteln und bei 60 Grad waschen. Anschließend gründlich duschen und die Haare waschen. Betroffene Haut kühlen, nicht kratzen, bei Bedarf ein juckreizstillendes Präparat aus der Apotheke verwenden. Bei Augenreizung, Atemnot oder Schwellungen im Gesicht gehen Sie zum Arzt.
Darf ich ein Nest im eigenen Garten selbst entfernen?
Technisch dürfen Sie es, sinnvoll ist es nicht. Ohne Vollschutz, Atemschutz und Sauger mit Feinstaubfilter verteilen Sie die Haare großflächig und gefährden sich und Ihre Nachbarn. Abflammen und Abspritzen sind besonders riskant. Als Grundstückseigentümer beauftragen Sie einen Fachbetrieb, in vielen Kommunen gibt es dafür Listen zugelassener Firmen.
Sind Hunde und Katzen gefährdet?
Ja. Tiere schnüffeln am Boden und nehmen Haare an Nase, Maul und Pfoten auf. Typisch sind Schwellungen an der Schnauze, Speicheln und Entzündungen der Zunge. Führen Sie Hunde in Befallsgebieten an der Leine und suchen Sie bei Symptomen zügig eine Tierarztpraxis auf.