Rote Vogelmilbe
Kleine, stark juckende Punkte an Armen, Hals und Rumpf, im Bett aber kein Insekt zu finden: Sitzt über dem Fenster ein Rollladenkasten oder unter dem Dach ein Vogelnest, ist die Rote Vogelmilbe der wahrscheinlichste Verursacher. Der Parasit lebt an Vögeln und weicht auf den Menschen aus, sobald die Jungvögel ausgeflogen sind. Krankheiten überträgt er dabei nicht, der Juckreiz zieht sich aber über Wochen. In Hühnerställen ist er der bedeutendste Parasit überhaupt.
Rote Vogelmilbe erkennen
Erwachsene Milben messen 0,7 bis 1,1 Millimeter. Ungesogen grauweiß und kaum sichtbar, schwellen sie nach der Blutmahlzeit auf 1,5 Millimeter an und färben sich rot. Tagsüber sitzen sie in Fugen, unterwegs sind sie nachts.
- Stark juckende, stecknadelkopfgroße Papeln in Grüppchen an Armen, Schultern, Hals und Rumpf
- Rote oder graue Krümel an Fensterlaibung, Rollladenkasten und Bettkanten, die auf weißem Papier zerdrückt rot verschmieren
- Graue, aschartige Beläge in Ritzen aus Kot, Häutungsresten und Eiern
- Im Stall blasse Kämme und Hühner, die abends die Sitzstangen meiden
- Beginn meist Ende Mai bis Juli, kurz nach dem Ausfliegen der Jungvögel
Verwechselt wird sie mit der Tropischen Rattenmilbe aus Nagernestern. Die Bettwanze ist mit 4 bis 8 Millimetern deutlich größer, die Krätzmilbe gräbt Gänge in die Haut und wird von Mensch zu Mensch weitergegeben.
Lebensweise
Die Entwicklung läuft über fünf Stadien, Blut saugen alle außer der sechsbeinigen Larve. Bei 25 bis 30 Grad ist ein Zyklus in sieben Tagen durch, ein Weibchen legt nach jeder Blutmahlzeit vier bis acht Eier. Aus wenigen eingeschleppten Tieren wird binnen sechs bis acht Wochen eine Population von Zehntausenden.
Gesaugt wird nachts, 30 bis 60 Minuten lang, danach ziehen sich die Milben in Spalten zurück: in Rollladenkästen, hinter Verkleidungen, unter Dachziegeln, im Stall in die Auflager der Sitzstangen. Entscheidend ist ihre Hungerresistenz. Ohne Wirt überleben sie mehrere Monate, unter kühlen Bedingungen bis zu neun. Ein leerer Rollladenkasten ist deshalb keine Entwarnung.
Schäden und Risiken
Beim Menschen entsteht die Gamasidose: stark juckende Papeln, die tagelang bleiben und beim Kratzen leicht bakteriell infizieren. Als Krankheitsüberträger hat die Art beim Menschen keine belegte Bedeutung. Zermürbend sind der Schlafmangel und die oft monatelange Ursachensuche. Für Geflügel ist die Bilanz härter: Hennen werden anämisch, die Legeleistung bricht ein, Küken verenden. Zwischen Vögeln überträgt die Milbe unter anderem Salmonellen und den Erreger des Rotlaufs.
Wichtig: Alle heimischen Vogelarten sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt. Ein besetztes Nest dürfen Sie auch bei Milbenbefall nicht entfernen, warten Sie das Ausfliegen ab. Nester von Schwalben, Mauerseglern und Haussperlingen werden jährlich wiederverwendet und gelten ganzjährig als geschützte Fortpflanzungsstätte. Hier ist das Entfernen nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde zulässig.
Vorbeugen
- Rollladenkasten abdichten: Bürstendichtung am Gurtdurchlass, Revisionsdeckel und Spalten schließen
- Nistmöglichkeiten an Traufe, Ortgang und Lüftungsöffnungen außerhalb der Brutzeit dauerhaft zumachen
- Nach dem Ausfliegen Nistmaterial entfernen, absaugen und den Zugang schließen
- Im Stall fugenarme Oberflächen wählen, Sitzstangen abnehmbar montieren, Ritzen versiegeln
Bekämpfen
Die Reihenfolge entscheidet: erst die Quelle beseitigen, dann die Verstecke behandeln, dann abdichten. Wer nur im Schlafzimmer sprüht, steht zwei Wochen später wieder am Anfang.
- Nistmaterial im dicht verschlossenen Sack über den Restmüll entsorgen
- Kasten und Umgebung saugen, Beutel sofort verschließen und aus dem Haus bringen
- Ritzen mit Heißdampf behandeln, anhaltende Hitze über 55 Grad tötet alle Stadien
- Kieselgur in Fugen einbringen, sie wirkt physikalisch und bleibt lange aktiv; Staubmaske tragen
- Zugelassene Akarizide gezielt in Ritzen ausbringen statt flächig zu vernebeln
- Textilien bei 60 Grad waschen oder 72 Stunden bei minus 18 Grad einfrieren
Im Stall ist Kieselgur das Mittel der Wahl für Halter, gegen starken Befall verordnet der Tierarzt Fluralaner über das Tränkwasser. Wirkungslos bleiben Ultraschallgeräte, Teebaum- und Lavendelöl sowie Sprays gegen fliegende Insekten. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Legen Sie Streifen aus gefalteter Pappe an Rollladenkasten, Sitzstangen und Bettkanten aus und prüfen Sie sie morgens. In solchen Fugen sammeln sich die Milben, so sehen Sie, ob die Behandlung greift.
Wann zum Profi?
Holen Sie einen Schädlingsbekämpfer, sobald die Quelle nicht auffindbar ist oder in Zwischendecke, Dämmebene oder unter der Dacheindeckung sitzt. Dort kommen Sie ohne Bauteilöffnung nicht heran. Das Gleiche gilt bei mehreren betroffenen Wohnungen. Nisten Haustauben am Gebäude, gehören Vergrämung und Milbenbekämpfung in eine Hand.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Woran erkenne ich, ob es Vogelmilben oder Bettwanzen sind?
Vogelmilben sind mit 0,7 bis 1,5 Millimetern winzig und wandern als rote oder graue Punkte über helle Flächen. Bettwanzen werden 4 bis 8 Millimeter groß und hinterlassen schwarze Kotpünktchen an Matratzennähten und Bettgestell. Der stärkste Hinweis ist die Vorgeschichte: Vogelmilbenbefall beginnt fast immer im Frühsommer und steht im Zusammenhang mit einem Nest am Gebäude.
Wie lange überleben Rote Vogelmilben ohne Vögel?
Erwachsene Milben halten mehrere Monate ohne Blutmahlzeit durch, unter kühlen Bedingungen bis zu neun Monate. Abwarten ist deshalb keine Strategie. Nach dem Entfernen des Nests müssen die Verstecke abgesaugt, mit Heißdampf, Kieselgur oder einem zugelassenen Akarizid behandelt und anschließend verschlossen werden.
Darf ich ein Vogelnest im Rollladenkasten einfach entfernen?
Nicht solange es besetzt ist. Alle heimischen Vögel sind nach § 44 BNatSchG besonders geschützt. Nach dem Ausfliegen der Jungen dürfen Nester der meisten Arten entfernt werden. Bei Schwalben, Mauerseglern und Haussperlingen gilt der Nistplatz dagegen ganzjährig als geschützte Fortpflanzungsstätte, hier brauchen Sie die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.
Übertragen Rote Vogelmilben Krankheiten auf den Menschen?
Eine praktisch bedeutsame Krankheitsübertragung auf den Menschen ist nicht belegt. Das Problem sind die stark juckenden Papeln und die Kratzinfektionen, die daraus entstehen. Wenn Stichstellen sich entzünden, Fieber auftritt oder die Hautreaktion großflächig wird, gehören Sie in ärztliche Behandlung.
Was hilft im Hühnerstall am besten?
Zuerst konsequente Hygiene: Stall ausräumen, Kotbretter und Stangenauflagen reinigen, Ritzen schließen. Danach Kieselgur in alle Fugen und ins Sandbad. Bei starkem Befall verordnet der Tierarzt Fluralaner über das Tränkwasser. Behandeln Sie immer den gesamten Stall auf einmal, sonst überleben Milben in unbehandelten Ecken und die Population baut sich in wenigen Wochen wieder auf.