Brasilianische Wanderspinne
Die Brasilianische Wanderspinne der Gattung Phoneutria zählt zu den Spinnen mit dem wirksamsten Gift weltweit. In Deutschland lebt sie nicht: Sie kommt allenfalls als blinder Passagier in Obstkisten an, und in fast allen gemeldeten Fällen entpuppt sich der Fund als harmlose Verwechslungsart. Wer eine große Spinne zwischen Bananen entdeckt, braucht deshalb zuerst eine nüchterne Bestimmung.
Brasilianische Wanderspinne erkennen
Phoneutria-Arten sind kräftig gebaut, braun bis graubraun gefärbt und dicht behaart. Der Körper misst 3 bis 5 cm, mit ausgestreckten Beinen kommen die Tiere auf 10 bis 15 cm. Typisch sind hell-dunkel geringelte Beinglieder und rötlich behaarte Kieferklauen. Sie bauen kein Fangnetz, Sie finden also weder Radnetz noch Trichter.
- Drohhaltung: Das Tier stellt sich auf die hinteren Beinpaare und hebt die beiden vorderen Beinpaare fast senkrecht an. Kaum eine andere Spinne zeigt dieses Verhalten.
- Riesenkrabbenspinne: flach gebaut, Beine seitlich abgespreizt wie bei einer Krabbe, läuft ruckartig seitwärts. Harmlos und der weitaus häufigste Fund in Importware.
- Cupiennius-Arten: ebenfalls als Bananenspinnen gehandelt, ähnlich groß und ebenfalls mit rot behaarten Mundwerkzeugen, aber mit deutlich schwächerem Gift.
Lebensweise
Wanderspinnen jagen nachts aktiv am Boden und in der Vegetation, statt auf Beute im Netz zu warten. Auf dem Speiseplan stehen große Insekten, gelegentlich kleine Frösche und Echsen. Tagsüber ruhen sie versteckt in Bromelientrichtern, unter Rinde, in Palmwedeln und Bananenstauden. Genau über diese Verstecke gelangen einzelne Tiere in Erntekisten.
Ein Weibchen bewacht mehrere Eikokons mit jeweils mehreren hundert bis über tausend Eiern. Die Jungspinnen brauchen etwa ein Jahr bis zur Geschlechtsreife, die Lebensdauer liegt bei ein bis zwei Jahren. Das Verbreitungsgebiet reicht von Costa Rica bis Nordargentinien, Schwerpunkt sind die feuchtwarmen Regionen Brasiliens. In Mitteleuropa können sich die Tiere nicht etablieren, dafür sind Temperatur und Luftfeuchte zu niedrig.
Schäden und Risiken
Materialschäden richtet die Art nicht an. Das Risiko geht allein vom Biss aus. Das Gift wirkt auf das Nervensystem und löst sofort starke, brennende Schmerzen aus, dazu Schwellung, Schweißausbrüche, Herzrasen, Blutdruckanstieg, Übelkeit und Zittern. Bei Männern kann eine schmerzhafte Dauererektion auftreten, ein für diese Gattung charakteristisches Zeichen.
Ehrlich eingeordnet: Etwa ein Drittel der Bisse erfolgt ohne Giftabgabe, und von den in Brasilien jährlich dokumentierten Fällen verlaufen nur rund ein bis zwei Prozent schwer. Betroffen sind dabei fast ausschließlich Kinder unter zehn Jahren und geschwächte ältere Menschen. Todesfälle sind sehr selten, in den Ursprungsländern steht ein wirksames Gegengift bereit.
Vorbeugen
- Bananenkisten und Obstlieferungen aus Übersee im Freien oder in einem kühlen Nebenraum öffnen, nicht in der Küche.
- Bananenhände vor dem Einräumen kurz auseinanderfalten und die Zwischenräume anschauen.
- Im Reiseland Schuhe vor dem Anziehen ausschütteln und Kleidung nicht auf dem Boden ablegen.
- Nachts mit Taschenlampe gehen, Betten mit Moskitonetz nutzen und beim Umschichten von Holz oder Pflanzenmaterial Handschuhe tragen.
Bekämpfen
Eine Bekämpfung im üblichen Sinn gibt es hier nicht, denn es geht immer um ein einzelnes Tier. Fangen Sie es nicht mit der Hand und schlagen Sie nicht danach, beides erhöht das Bissrisiko. Stülpen Sie stattdessen ein großes, festes Gefäß darüber und schieben Sie Karton unter, oder verschließen Sie die Obstkiste mit Klebeband und stellen Sie sie kühl. Kälte macht die Tiere träge. Im Zweifel verlassen Sie den Raum und schließen die Tür. Insektensprays wirken bei Spinnen schlecht und treiben das Tier nur ins Versteck.
Wichtig: Nach einem Biss durch eine unbekannte tropische Spinne rufen Sie den Notruf 112 und melden sich beim Giftinformationszentrum. Machen Sie ein Foto des Tieres, kühlen Sie die Bissstelle und halten Sie das Körperteil ruhig. Nicht abbinden, nicht aussaugen, nicht aufschneiden.
Wann zum Profi?
Rufen Sie bei jedem begründeten Phoneutria-Verdacht Fachleute: Feuerwehr, einen Schädlingsbekämpfer mit Erfahrung in exotischen Tierfunden oder das nächste Zoo- beziehungsweise Naturkundemuseum, das die Bestimmung übernimmt. Auch der Lebensmittelhändler sollte informiert werden, damit die restliche Charge geprüft wird. Bei einheimischen Spinnen wie der Großen Zitterspinne ist all das nicht nötig, sie sind für Menschen ungefährlich.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Kann die Brasilianische Wanderspinne in Deutschland überleben?
Dauerhaft nicht. Die Art benötigt feuchtwarmes Klima und kann sich in Mitteleuropa nicht fortpflanzen oder ansiedeln. Einzelne Tiere überstehen jedoch den Transport in Obstlieferungen und tauchen dann in Lagern, Supermärkten oder Privathaushalten auf.
Wie gefährlich ist ein Biss wirklich?
Er ist sehr schmerzhaft, verläuft aber selten dramatisch. Rund ein Drittel der Bisse erfolgt ohne Giftabgabe, und nur etwa ein bis zwei Prozent der dokumentierten Fälle nehmen einen schweren Verlauf, überwiegend bei Kindern unter zehn Jahren. Ärztliche Vorstellung ist trotzdem in jedem Fall Pflicht.
Was tue ich, wenn ich eine große Spinne in Bananen finde?
Kiste oder Tüte mit Klebeband verschließen und kühl stellen, das macht das Tier träge. Fangen Sie es nicht mit der Hand und schlagen Sie nicht danach. Machen Sie ein Foto zur Bestimmung und rufen Sie Feuerwehr, einen Fachbetrieb oder ein Naturkundemuseum an. Meist handelt es sich um eine harmlose Riesenkrabbenspinne.