Bremsen
Der Stich einer Bremse ist sofort zu spüren. Die Weibchen schneiden mit klingenartigen Mundwerkzeugen eine Wunde in die Haut, saugen das austretende Blut und hinterlassen eine Stelle, die noch minutenlang nachblutet. Bremsen sind die größten heimischen blutsaugenden Fliegen und an schwülen Sommertagen der lästigste Begleiter an Gewässern und auf Weiden.
Bremsen erkennen
Bremsen sind kräftig gebaute Fliegen mit auffallend großen, oft farbig schillernden Facettenaugen. Aus Deutschland sind über 50 Arten bekannt. Drei begegnen einem am häufigsten:
- Rinderbremse (Tabanus bovinus): 19 bis 24 mm lang, braungrau mit hellem Rückenmuster; nur die Pferdebremse (Tabanus sudeticus) wird noch größer
- Regenbremse (Haematopota pluvialis): rund 10 mm, graubraun, mit marmoriert gefleckten Flügeln, die in Ruhe dachartig zusammengelegt werden; sie nähert sich lautlos und heißt deshalb auch Blinde Fliege
- Goldaugenbremse (Chrysops relictus): etwa 10 mm, gelbschwarz gezeichnet, mit grüngolden schillernden Augen und dunkler Flügelbinde
Anders als Kriebelmücken, die man kaum bemerkt, landen Bremsen sichtbar und stechen fast sofort. Sie fliegen tagsüber und bei Sonne, nicht in der Dämmerung.
Lebensweise
Blut saugen nur die Weibchen, und auch sie nur zur Eireifung. Die Männchen besuchen Blüten und ernähren sich von Nektar und Pollen. Nach der Blutmahlzeit legen die Weibchen ihre Eier in Ufernähe an Pflanzen über feuchtem Boden ab.
Die Larven leben räuberisch in nassen Böden, an Grabenrändern, in Sumpfwiesen und Uferzonen. Sie durchlaufen zahlreiche Stadien, ihre Entwicklung zieht sich je nach Art über ein bis zwei Jahre, gelegentlich länger. In Mitteleuropa entsteht in der Regel eine Generation pro Jahr. Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Wochen; die Hauptflugzeit reicht von Mai bis in den August, mit Spitzen an windstillen, schwülen Tagen vor Gewittern.
Bremsen orientieren sich vor allem an Wärme, Kohlendioxid und Bewegung, dazu an dunklen, glänzenden Flächen. Deshalb werden verschwitzte Badegäste, dunkel gekleidete Radfahrer und Pferde auf der Koppel bevorzugt angeflogen.
Schäden und Risiken
Der Stich schmerzt, weil die Mundwerkzeuge Gewebe durchtrennen statt es zu durchstechen. Der gerinnungshemmende Speichel sorgt dafür, dass die Wunde nachblutet, und hinterlässt häufig eine derbe, heiße Quaddel, die mehrere Tage juckt.
Stärkere allergische Reaktionen mit großflächiger Schwellung sind nicht selten. Weil die Wunde offen bleibt, gehören bakterielle Entzündungen zu den häufigsten Folgen. Als Krankheitsüberträger spielen Bremsen für den Menschen in Deutschland nur eine geringe Rolle; diskutiert wird eine mechanische Übertragung des Tularämie-Erregers Francisella tularensis, die hierzulande jedoch selten bleibt. Erreger verschleppen sie außerdem mechanisch von Tier zu Tier, weshalb sie in der Nutztierhaltung ernst genommen werden. Rinder und Pferde verlieren durch die Dauerbelästigung Ruhe, Futteraufnahme und Leistung.
Wichtig: Kommt es nach einem Stich zu rasch wachsender Schwellung, Quaddeln am ganzen Körper, Atemnot oder Kreislaufproblemen, ist das ein Notfall – rufen Sie den Rettungsdienst. Auch eine Wunde, die nach Tagen wärmer, roter und schmerzhafter wird, gehört ärztlich angesehen; das ist keine normale Stichreaktion mehr.
Vorbeugen
- Helle, dicht gewebte, langärmelige Kleidung tragen; dunkle Flächen werden deutlich häufiger angeflogen
- Schweiß abduschen, bevor Sie sich länger an Ufern und Weiden aufhalten
- Bei Schwüle und vor Gewittern nicht am Wasser lagern, das sind die aktivsten Stunden
- Pferde mit heller oder zebragemusterter Fliegendecke und Kopfnetz schützen
Repellentien wirken gegen Bremsen schwächer als gegen die Gemeine Stechmücke, weil sich die Tiere weniger am Geruch orientieren. Mittel mit DEET oder Icaridin verringern die Anflüge, ersetzen die Kleidung aber nicht.
Bekämpfen
Bremsen lassen sich nicht im klassischen Sinn bekämpfen. Die Larven sitzen verstreut in feuchten Böden ganzer Landschaftsabschnitte; sie zu behandeln ist weder praktikabel noch zulässig. Sprays gegen fliegende Insekten wirken im Freien nicht, weil der Wirkstoff sofort verweht.
Wirksam ist allein die Reduktion vor Ort. Auf Weiden und in Reitbetrieben haben sich Bremsenfallen bewährt: eine dunkle Kugel, die sich in der Sonne aufheizt und von den Tieren als Wirt angeflogen wird; beim Abflug nach oben geraten sie in einen Sammelbehälter. Solche Fallen senken den Bremsendruck auf einer Koppel spürbar, brauchen aber einen sonnigen, freien Standort und regelmäßige Leerung. Im Stall halten Fliegengitter und Netze die Tiere aus dem Innenraum. Behandlungen am Tier gehören in tierärztliche Hand. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Bremsenfallen gehören an den Rand der Weide, nicht mitten zwischen die Tiere. Dort konkurriert die Falle mit dem echten Wirt und fängt deutlich schlechter.
Wann zum Profi?
Für die Bremse selbst ist der Schädlingsbekämpfer selten die richtige Adresse. Er hilft dort, wo die Zuordnung unklar ist: Wer im Haus gestochen wird, hat es fast nie mit Bremsen zu tun, sondern eher mit Wadenstechern aus einem nahen Stall oder mit Bettwanzen. Eine saubere Bestimmung des Tieres spart hier viel vergebliche Mühe und unnötige Mittel.
Betriebe mit Weidetieren lassen sich zu Fallenkonzept und Standortwahl beraten; die Behandlung der Tiere selbst übernimmt der Tierarzt. Bei starken Reaktionen auf Stiche führt der Weg zur Allergiediagnostik beim Arzt, nicht zur Bekämpfung im Gelände.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Warum blutet ein Bremsenstich so lange nach?
Bremsen stechen nicht fein, sondern schneiden mit klingenartigen Mundwerkzeugen eine offene Wunde. In diese geben sie Speichel ab, der die Blutgerinnung hemmt, damit das Blut weiter fließt. Deshalb blutet die Stelle auch nach dem Abflug des Tieres noch einige Minuten nach.
Helfen Mückensprays gegen Bremsen?
Nur begrenzt. Bremsen orientieren sich stärker an Wärme, Kohlendioxid und optischen Reizen als am Geruch, deshalb wirken Repellentien hier schwächer als gegen Stechmücken. Helle, dicht gewebte Kleidung und die richtige Tageszeit bringen mehr als jedes Spray.
Wann und wo stechen Bremsen am häufigsten?
Von Mai bis August, tagsüber bei Sonne und vor allem an schwülen, windstillen Tagen vor einem Gewitter. Bevorzugte Orte sind Gewässerufer, Badeseen, Feuchtwiesen und Weiden. Verschwitzte Haut und dunkle Kleidung machen Sie zusätzlich attraktiv.
Bringt eine Bremsenfalle auf der Weide etwas?
Ja, auf abgegrenzten Flächen senkt eine Kugelfalle den Bremsendruck spürbar. Sie braucht einen sonnigen, freien Standort am Weiderand und muss regelmäßig geleert werden. Steht sie mitten zwischen den Tieren, konkurriert sie mit dem echten Wirt und fängt schlechter.