Bettwanze
Juckende Stiche in Reihe, kleine schwarze Pünktchen an der Matratzennaht und trotzdem nichts zu sehen: Bettwanzen sind zurück, und zwar in Hotels, Wohnungen und Ferienhäusern jeder Preisklasse. Mit Hygiene hat ein Befall nichts zu tun, die Tiere reisen im Gepäck mit. Krankheiten übertragen sie nach heutigem Kenntnisstand nicht, sie kosten aber Schlaf und Nerven – und ein kleiner Befall verdoppelt sich in wenigen Wochen.
Befall erkennen
Ausgewachsene Bettwanzen sind 4 bis 6 Millimeter lang, rotbraun und so flach wie ein Blatt Papier – nach dem Saugen sind sie prall und fast schwarzrot. Die Nymphen messen ab 1,3 Millimeter und sind hell und durchscheinend. Gesehen werden die Tiere selten, denn sie sitzen tagsüber tief in Ritzen.
- Drei bis fünf Stiche in einer Linie oder Gruppe, meist an Armen, Schultern, Nacken und Beinen, mit Juckreiz nach Stunden bis Tagen
- Schwarze Kotpünktchen an Matratzennähten, Lattenrost und Sockelleisten, die feucht verwischt rostbraun verlaufen
- Kleine Blutflecken auf dem Laken
- Durchsichtige Häutungshäute und millimetergroße weiße Eier in Ritzen
- Süßlich-muffiger Geruch im Schlafzimmer bei starkem Befall
Verwechseln lassen sich die Stiche mit Mückenstichen oder einer Reaktion auf Flöhe. Flohstiche sitzen meist an den Beinen und in Fußnähe, Bettwanzenstiche eher an unbedeckten Hautstellen im Bett.
Lebensweise
Bettwanzen leben ausschließlich von Blut. Sie kommen nachts aus ihrem Versteck, meist zwischen drei und sechs Uhr, saugen drei bis zehn Minuten und ziehen sich zurück. Danach vergehen drei bis sieben Tage bis zur nächsten Mahlzeit. Ein Weibchen legt 200 bis 500 Eier, aus denen fünf Nymphenstadien hervorgehen; jedes davon braucht eine Blutmahlzeit. Bei 25 bis 30 Grad ist eine Generation in fünf bis sieben Wochen fertig, bei 18 Grad dauert es Monate. Ohne Nahrung halten die Tiere je nach Temperatur bis zu einem Jahr durch – deshalb bringt es nichts, ein befallenes Zimmer einfach leer stehen zu lassen.
Die Verstecke liegen fast immer im Umkreis von fünf Metern um den Schlafplatz: Matratzennähte, Bettkasten, Kopfteil, Steckdosen, Bilderrahmen, Tapetenkanten.
Schäden und Risiken
Krankheitserreger geben Bettwanzen nach derzeitigem Stand nicht weiter. Belastend sind die Folgen: starker Juckreiz, aufgekratzte Haut mit Infektionsgefahr, Schlafmangel und oft eine erhebliche psychische Belastung. Rund ein Drittel der Menschen reagiert gar nicht auf die Stiche und bemerkt den Befall entsprechend spät. Bei Kindern und geschwächten Personen sind nach massivem Befall Blutarmut und allergische Reaktionen beschrieben. Materialschäden entstehen keine, wohl aber Kosten für entsorgte Matratzen und Polstermöbel.
Vorbeugen
- Auf Reisen den Koffer nie aufs Bett legen, sondern auf den Gepäckständer; Matratzennähte und Kopfteil im Hotel kurz kontrollieren
- Nach der Rückkehr Reisetextilien direkt bei 60 Grad waschen oder 30 Minuten heiß in den Trockner geben
- Gebrauchte Möbel, Matratzen und Bücher vor dem Einbringen gründlich absuchen
- Ritzen, Sockelleisten und Tapetenkanten im Schlafzimmer schließen
- Bei Verdacht im Haus: Encasement-Bezüge auf Matratze und Lattenrost ziehen und mindestens ein Jahr geschlossen lassen
Bekämpfen
Selbsthilfe allein reicht bei Bettwanzen praktisch nie aus, kann den Befall aber eindämmen. Wirksam sind Hitze und Kälte: Waschen bei 60 Grad, 30 Minuten im heißen Trockner, mindestens 72 Stunden bei minus 18 Grad, Dampfreiniger mit über 120 Grad an der Düse auf Nähten und Fugen. Beim Absaugen kommt der Beutel danach luftdicht verpackt sofort in die Restmülltonne.
Was nicht funktioniert: Teebaumöl, Backpulver, Ultraschallgeräte und der Umzug ins Nachbarzimmer, der den Befall nur verteilt. Frei verkäufliche Sprays scheitern häufig, weil viele Populationen gegen Pyrethroide resistent sind, und treiben die Tiere in neue Verstecke.
Wichtig: Werfen Sie Matratzen und Möbel nicht vorschnell auf den Sperrmüll, sonst verteilen Sie den Befall im Treppenhaus. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Bei jedem bestätigten Befall. Fachbetriebe arbeiten mit Wärmeentwesung, Spürhunden und zugelassenen Präparaten und brauchen meist zwei bis drei Termine über sechs bis acht Wochen. Was das kostet, hängt von Wohnungsgröße, Verfahren und Zahl der Termine ab und steht erst nach der Begutachtung vor Ort fest. Mieter melden den Befall sofort schriftlich dem Vermieter, der die Bekämpfung veranlassen muss; Bettwanzen gelten mangels Krankheitsübertragung nicht als Gesundheitsschädlinge nach § 2 Nr. 12 IfSG, das Gesundheitsamt ordnet die Bekämpfung deshalb nicht an. Weitere Details finden Sie im Ratgeber Bettwanzen im Schlafzimmer.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Sind Bettwanzen ein Zeichen von mangelnder Hygiene?
Nein. Bettwanzen leben von Blut, nicht von Schmutz, und finden sich in Fünf-Sterne-Hotels genauso wie in Wohnheimen. Eingeschleppt werden sie über Reisegepäck, Gebrauchtmöbel oder Nachbarwohnungen. Ordentliche Haushalte schützen nicht, erleichtern aber die Kontrolle, weil weniger Verstecke vorhanden sind.
Übertragen Bettwanzen Krankheiten?
Nach heutigem Kenntnisstand nicht. Erreger wurden in den Tieren zwar nachgewiesen, eine Übertragung auf den Menschen ist bislang nicht belegt. Die eigentlichen Probleme sind Juckreiz, aufgekratzte und dadurch infizierte Haut, Schlafmangel und die psychische Belastung durch den Befall.
Was kostet die professionelle Bekämpfung?
Der Preis richtet sich nach Fläche, Verfahren und Befallsstärke und steht verbindlich erst nach der Begutachtung vor Ort. Eine Wärmeentwesung mit Aufheizen des gesamten Raums liegt am oberen Ende, chemische Behandlungen mit zwei bis drei Terminen darunter. Bei Mietwohnungen trägt die Kosten in der Regel der Vermieter.
Kann ich Bettwanzen durch Ausziehen loswerden?
Nein, und es verschlimmert die Lage meist. Die Tiere überleben je nach Temperatur bis zu einem Jahr ohne Blutmahlzeit und wandern mit Möbeln und Textilien in die neue Wohnung. Behandeln Sie den Befall am Ort, und lassen Sie Möbel vor einem Umzug fachgerecht prüfen oder behandeln.