Ratten
Ratten sind der klassische Gesundheitsschädling: Sie übertragen Krankheiten, verunreinigen Lebensmittel und nagen Kabel und Rohre an. In Deutschland treten zwei Arten auf, die Wanderratte und die deutlich seltenere Hausratte. Ein Befall ist kein Zeichen von Unsauberkeit, sondern von verfügbarem Futter und offenen Zugängen. Wichtig zu wissen: In vielen Kommunen müssen Sie Rattenbefall melden, und die Bekämpfung mit Gift ist rechtlich stark eingeschränkt.
Rattenbefall erkennen
Die Wanderratte wird 22 bis 29 Zentimeter lang, wiegt 200 bis 500 Gramm, hat kleine Ohren, eine stumpfe Schnauze und einen Schwanz, der kürzer ist als der Körper. Die Hausratte bleibt schlanker, hat große Ohren, eine spitze Schnauze und einen Schwanz, der länger ist als der Körper. Sie klettert hervorragend und sitzt eher im Dachgeschoss, während die Wanderratte Keller, Kanal und Erdbau bevorzugt.
- Kot: Wanderratte 17 bis 20 Millimeter, spindelförmig, stumpf endend, in Häufchen; Hausratte 8 bis 12 Millimeter, an beiden Enden spitz, verstreut
- Laufwege: dunkle Schmierspuren an Wänden und Rohren durch fettiges Fell, ausgetretene Pfade im Gras
- Baue: Löcher von 6 bis 9 Zentimetern Durchmesser an Mauersockeln, unter Terrassen und Komposthaufen
- Nagespuren an Kabeln, Holz, Kunststoffrohren und Verpackungen, oft mit ausgestreutem Inhalt
- Geräusche in Zwischendecke, Hohlwand und Abflussleitung, vor allem in der Dämmerung und nachts
Lebensweise
Ratten sind gesellige, überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Allesfresser. Eine Wanderratte frisst täglich 20 bis 30 Gramm und braucht 30 bis 60 Milliliter Wasser. Neuem Futter gegenüber sind sie extrem misstrauisch, sie testen zunächst kleine Mengen. Diese Neophobie ist der Hauptgrund, warum Laienbekämpfungen scheitern.
Die Vermehrung ist rasant: drei bis sieben Würfe pro Jahr, jeweils 6 bis 12 Junge, Tragzeit 21 bis 24 Tage. Nach 8 bis 12 Wochen sind die Jungtiere selbst geschlechtsreif. Aus einem Paar können unter guten Bedingungen binnen eines Jahres mehrere hundert Tiere werden. Die Nagezähne wachsen lebenslang nach und müssen ständig abgenutzt werden, deshalb nagen Ratten auch an Material ohne Nährwert.
Schäden und Risiken
Ratten übertragen unter anderem Leptospirose einschließlich der Weil-Krankheit, Salmonellosen, Campylobacter, Cryptosporidien, Rattenbissfieber und Hantaviren. Bei Ratten ist das Seoul-Virus der typische Hantavirus-Vertreter; das in Deutschland häufigere Puumala-Virus stammt dagegen von der Rötelmaus. Die Erreger gelangen über Urin, Kot und Speichel in Lebensmittel, auf Arbeitsflächen und in Pfützen. Leptospiren werden auch über die Haut aufgenommen, etwa bei Arbeiten in feuchten, kontaminierten Bereichen. Trichinellose ist nur über den Verzehr von rohem befallenem Fleisch möglich, nicht über Ausscheidungen.
Nicht auf diese Liste gehört die Toxoplasmose: Ratten sind lediglich Zwischenwirt von Toxoplasma gondii. Die infektiösen Oozysten scheidet allein die Katze mit dem Kot aus, über Rattenurin, -kot oder -speichel ist eine Ansteckung nicht möglich.
Materiell gehen Nageschäden an Stromkabeln, Datenleitungen, Dämmung und Kunststoffrohren ins Geld und verursachen Kurzschlüsse, Brände und Wasserschäden. In Betrieben kommt der Verlust verunreinigter Ware hinzu.
Wichtig: Werden Gesundheitsschädlinge festgestellt, kann die zuständige Behörde nach § 17 Abs. 2 IfSG die Bekämpfung anordnen. Unabhängig davon verpflichten viele Städte und Gemeinden Eigentümer und Mieter per Satzung, Rattenbefall dem Ordnungs- oder Gesundheitsamt zu melden. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Kommune nach.
Vorbeugen
- Öffnungen ab 20 Millimetern verschließen, Lüftungsgitter und Kellerschächte mit Edelstahlgewebe sichern
- Rückstauklappen in Abwasserleitungen einbauen lassen, Ratten kommen häufig über die Toilette
- Abfall in dichten Tonnen, keine Speisereste auf den Kompost, Vogelfutter nur in Silos und in kleinen Mengen
- Tierfutter nicht über Nacht im Freien stehen lassen, Futtersäcke in Metall- oder Hartplastiktonnen lagern
Bekämpfen
Bei einzelnen Tieren im Gebäude funktionieren Schlagfallen, wenn Sie sie richtig einsetzen: an Laufwegen entlang der Wand, mit dem Auslöser zur Wand, mehrere Tage unscharf vorgeködert, damit die Tiere Vertrauen fassen. Als Köder eignen sich Nuss-Nougat-Creme, Erdnussbutter oder Speck. Lebendfallen sind erlaubt, verlagern das Problem aber nur.
Rodentizide sind kein Hausmittel. Antikoagulante Rodentizide dürfen Privatpersonen nur in Gebäuden und nur in verschlossenen Köderstationen einsetzen; jede Anwendung im Freien, um Gebäude herum oder in der Kanalisation ist sachkundigen Verwendern vorbehalten. Maßgeblich ist dabei nicht die Wirkstoffgeneration, sondern das zugelassene Anwendungsgebiet des Produkts. Ultraschallvertreiber wirken nicht. Ratten mit Wasser aus dem Bau zu spülen oder Löcher einfach zuzuschütten, verlagert den Bau nur wenige Meter weiter.
Wann zum Profi?
Bei mehr als einzelnen Tieren, bei Befall in Mehrfamilienhäusern, Gastronomie, Landwirtschaft oder Lebensmittelbetrieben und immer dann, wenn der Bau außerhalb des Gebäudes liegt, gehört die Bekämpfung in Fachhände. Ein IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer bestimmt die Art, findet die Zuwanderungswege, setzt Köderstationen rechtssicher ein und dokumentiert den Einsatz.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Muss ich einen Rattenbefall melden?
In vielen Städten und Gemeinden ja. Zahlreiche Kommunen verpflichten Eigentümer und Mieter per Schädlingsbekämpfungssatzung, Rattenbefall dem Ordnungs- oder Gesundheitsamt anzuzeigen. Zusätzlich verlangt das Infektionsschutzgesetz die Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen. Fragen Sie bei Ihrer Kommune nach, die Regelungen unterscheiden sich.
Wie unterscheide ich Wanderratte und Hausratte?
Am Schwanz und an den Ohren. Bei der Wanderratte ist der Schwanz kürzer als der Körper, die Ohren sind klein, die Schnauze stumpf. Die Hausratte hat einen Schwanz, der länger ist als der Körper, große Ohren und eine spitze Schnauze. Auch der Aufenthaltsort hilft: Wanderratten sitzen unten in Keller und Kanal, Hausratten oben im Dachbereich.
Darf ich als Privatperson Rattengift auslegen?
Nur sehr eingeschränkt. Antikoagulanzien der zweiten Generation sind für die Anwendung im Freien Sachkundigen vorbehalten. Frei verkäufliche Produkte für Privatanwender dürfen ausschließlich in und an Gebäuden und nur in verschlossenen, gesicherten Köderstationen eingesetzt werden. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wie kommen Ratten in die Wohnung?
Häufig über defekte Abwasserleitungen und die Toilette, außerdem durch offene Kellerfenster, Lüftungsschächte, Leitungsdurchführungen und Türspalte. Ratten passen durch Öffnungen ab etwa 20 Millimetern und schwimmen und klettern sehr gut. Deshalb steht am Anfang jeder dauerhaften Lösung eine gründliche Suche nach den Zugängen.