Braune Hundezecke
Zecken, die an der Zimmerwand hochkrabbeln oder hinter dem Bilderrahmen sitzen: Dahinter steckt fast immer die Braune Hundezecke. Sie ist die einzige Schildzecke (Ixodidae), die sich in Wohnräumen dauerhaft vermehren kann, und wird meist mit einem Hund aus dem Mittelmeerurlaub eingeschleppt. Mit dem Absuchen des Hundes allein ist ein Befall nicht beendet.
Braune Hundezecke erkennen
Nüchterne Tiere sind 2,5 bis 4,5 Millimeter lang, flach und einfarbig rotbraun. Vollgesogene Weibchen schwellen auf bis zu 12 Millimeter an. Der Körper ist länger und schmaler als bei heimischen Arten, die Basis der Mundwerkzeuge ist sechseckig.
Vom Gemeinen Holzbock unterscheidet sie die einfarbig braune Färbung und die schlankere Form, die Auwaldzecke trägt ein marmoriertes Rückenschild. Übersicht aller Arten unter Zecken.
Unter den Lederzecken lebt und vermehrt sich auch die Taubenzecke (Argas reflexus) dauerhaft in Gebäuden. Sie sitzt allerdings in Taubennestern auf Dachböden und in Zwischendecken, ist rundlich-flach und hat kein Rückenschild.
- Zecken, die an Wänden und Decken nach oben laufen – heimische Schildzecken tun das nicht
- Tiere hinter Bilderrahmen, Sockelleisten, unter Tapetenkanten und in Dielenritzen
- Bräunliche Häutungsreste und Eigelege in Fugen
- Wiederholt Zecken am Hund, obwohl er nicht im Wald war – bevorzugt an Ohren, zwischen den Zehen und am Bauch
Lebensweise
Die Art stammt aus dem Mittelmeerraum. Sie ist wärmeliebend und verträgt trockene Luft, die anderen Zecken zusetzt. Im Freien überlebt sie mitteleuropäische Winter nicht, in beheizten Wohnungen und Zwingern dagegen dauerhaft.
Sie ist eine Dreiwirtzecke: Larve, Nymphe und erwachsenes Tier saugen jeweils einmal Blut, lassen sich vom Hund fallen und häuten sich in einer Ritze. Danach legt ein Weibchen 1.000 bis 4.000 Eier in Fugen, hinter Leisten oder unter Tapeten ab. Charakteristisch ist der Drang nach oben.
Bei 25 bis 30 Grad läuft ein Zyklus in zwei bis drei Monaten durch. Ohne Wirt halten erwachsene Zecken bis zu eineinhalb Jahre aus – deshalb bricht ein Befall auch nach längerer Abwesenheit des Hundes wieder aus.
Schäden und Risiken
Für Hunde ist die Braune Hundezecke der wichtigste Überträger der Mittelmeerkrankheiten: Ehrlichiose, canine Babesiose und Anaplasmose. Die Symptome reichen von Fieber und Mattigkeit über blasse Schleimhäute und Nasenbluten bis zu Blutarmut und Organschäden. Unbehandelt verlaufen die Infektionen teils tödlich, die Krankheitszeichen treten oft erst Wochen nach dem Urlaub auf.
Menschen werden nur ausnahmsweise gestochen. Relevant ist dann das Mittelmeer-Fleckfieber mit Fieber, Hautausschlag und einer dunklen Kruste an der Stichstelle. FSME überträgt diese Art nicht.
Wichtig: Zeigt Ihr Hund nach einem Aufenthalt im Mittelmeerraum Fieber, Fressunlust oder Nasenbluten, gehen Sie zum Tierarzt und erwähnen Sie die Reise ausdrücklich – Mittelmeerkrankheiten werden sonst leicht übersehen.
Vorbeugen
- Vor Reisen in den Mittelmeerraum tierärztlichen Zeckenschutz mit abschreckender Wirkung anwenden
- Hund im Urlaub und danach täglich absuchen, besonders Ohren, Zehen und Bauch
- Zecken sofort vollständig entfernen und im verschlossenen Gefäß entsorgen, nicht in der Wohnung zerdrücken
- Bei Hunden aus dem Auslandstierschutz Transportbox und Decken vor dem Einzug entsorgen
- Zwinger und Hundebetten heiß waschen, Ritzen verschließen
Bekämpfen
Die Behandlung des Hundes allein reicht nicht: Über 90 Prozent der Population sitzen als Ei, Larve, Nymphe oder hungernde Zecke in der Wohnung.
- Alle Hunde im Haushalt tierärztlich behandeln lassen – Präparat und Wiederholungsintervall bestimmt der Tierarzt
- Zecken mit Zeckenhaken oder -zange dicht an der Haut fassen und gerade herausziehen
- Decken und Hundebetten bei 60 Grad waschen oder entsorgen
- Wohnung gründlich saugen: Fugen, Sockelleisten, Polsterritzen und Deckenbereiche
- Ritzen und Leistenfugen verschließen
- Mindestens sechs Monate kontrollieren, weil hungernde Zecken lange überdauern
Ehrlich bewertet: Kein Hausmittel bekämpft einen Wohnungsbefall. Öl, Klebstoff oder Nagellack auf saugenden Zecken sind sogar schädlich, weil das Tier dann erbricht und mehr Erreger abgibt.
Tipp: Kleben Sie doppelseitiges Klebeband an Wand-Decken-Kanten und hinter Bilder. Solange dort Zecken hängen bleiben, ist der Befall aktiv.
Wann zum Profi?
Sobald Sie Zecken an Wänden, Decken oder in Möbelfugen finden, gehört ein IHK-geprüfter Schädlingsbekämpfer hinzugezogen. Fachbetriebe behandeln die Verstecke mit zugelassenen Akariziden und wiederholen die Anwendung nach einigen Wochen, weil frisch geschlüpfte Tiere nachkommen.
Parallel muss der Tierarzt den Hund behandeln und auf Mittelmeerkrankheiten testen. In Tierpensionen und Tierheimen wandert der Befall sonst von Box zu Box.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Warum krabbeln Zecken bei mir an der Wand hoch?
Das ist typisches Verhalten der Braunen Hundezecke. Nach der Blutmahlzeit sucht sie erhöhte, trockene Verstecke zum Häuten und für die Eiablage, etwa hinter Bilderrahmen, Sockelleisten und Tapetenkanten. Heimische Schildzecken wie der Gemeine Holzbock zeigen dieses Verhalten nicht. Kommen die Tiere dagegen aus Dachboden oder Zwischendecke und nisten Tauben am Haus, kann es sich auch um die Taubenzecke handeln.
Ist die Braune Hundezecke für Menschen gefährlich?
Sie befällt Menschen nur ausnahmsweise, wenn kein Hund verfügbar ist. Übertragen kann sie dann das Mittelmeer-Fleckfieber, das mit Fieber, Ausschlag und einer dunklen Kruste an der Stichstelle einhergeht. FSME überträgt sie nicht. Das Hauptrisiko besteht für Hunde.
Wie lange überlebt eine Braune Hundezecke ohne Wirt?
Erwachsene Tiere halten bis zu eineinhalb Jahre ohne Blutmahlzeit durch. Deshalb kann ein Befall wieder aufflammen, obwohl der Hund monatelang nicht in der Wohnung war. Planen Sie bei der Bekämpfung mindestens ein halbes Jahr Kontrolle ein.
Wie entferne ich eine Zecke beim Hund richtig?
Mit Zeckenhaken, Zeckenkarte oder feiner Zange möglichst dicht an der Haut ansetzen und das Tier gerade herausziehen, ohne den Körper zu quetschen. Verzichten Sie auf Öl, Klebstoff oder Alkohol – dadurch gibt die Zecke vermehrt Speichel und Erreger ab. Die Stichstelle danach beobachten und bei Entzündung den Tierarzt aufsuchen.