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Gesundheitsschädling

Fledermauswanze

Nachts juckende Stiche, morgens keine Spur im Bett: Wer in einem Haus mit Fledermausquartier unter dem Dach wohnt, hat es in solchen Fällen häufiger mit der Fledermauswanze zu tun als mit der Bettwanze. Beide Arten sehen sich zum Verwechseln ähnlich, verlangen aber ein völlig anderes Vorgehen, weil die Wirte der Fledermauswanze unter strengem Schutz stehen.

Fledermauswanze erkennen

Cimex pipistrelli wird 4 bis 6,5 mm lang, Weibchen etwas größer als Männchen. Der Körper ist rotbraun, stark abgeflacht und rundlich, nach einer Blutmahlzeit prall und dunkler. Flügel fehlen, vorhanden sind nur kurze Stummel. Das sichere Merkmal ist die Behaarung: Die Fransenhaare am Rand des Halsschilds sind bei der Fledermauswanze mindestens so lang, wie das Auge breit ist, bei der Bettwanze deutlich kürzer. Beurteilen lässt sich das nur unter Lupe oder Mikroskop.

  • Insgesamt dichter und länger behaart als die Bettwanze, mit bloßem Auge aber kaum zu trennen
  • Verstecke in Fugen, Ritzen, hinter Fußleisten, Bilderrahmen und Verkleidungen, meist mit dunklen, linsenförmigen Kotpünktchen
  • Der Befall zieht fast immer von oben ein: aus dem Dachraum, dem Rollladenkasten oder hinter der Fassadenverkleidung

Wichtig: Von der Bestimmung hängt das gesamte weitere Vorgehen ab. Fangen Sie ein Tier unzerdrückt in einem verschlossenen Gefäß und lassen Sie es bestimmen, bevor irgendetwas behandelt wird. Eine Bettwanzensanierung der Wohnung löst das Problem nicht, wenn die Quelle ein Fledermausquartier im Dach ist.

Lebensweise

Die Fledermauswanze lebt in und an Fledermausquartieren, in Mitteleuropa vor allem bei Zwergfledermaus, Großem Mausohr und Abendsegler. Sie sitzt nicht dauerhaft am Wirt, sondern versteckt sich tagsüber in Spalten des Quartiers und sucht die Tiere nur zur Blutmahlzeit auf. Wie alle Plattwanzen lebt sie gesellig: Man findet Ansammlungen aus Tieren aller Altersstufen, dazu leere Häutungshüllen und Kotspuren.

Kritisch wird es, wenn die Fledermäuse das Quartier verlassen, etwa beim Wechsel ins Winterquartier, nach dem Ausfliegen der Jungtiere oder wenn ein Quartier ganz aufgegeben wird. Die zurückbleibenden Wanzen hungern, wandern und folgen Wärme und Kohlendioxid nach unten. Über Rollladenkästen, Kabelschächte, Deckendurchbrüche und offene Fugen erreichen sie Schlaf- und Wohnräume. Da die Tiere mehrere Monate ohne Nahrung überstehen, können zwischen dem Auszug der Fledermäuse und den ersten Stichen einige Wochen liegen.

Schäden und Risiken

An Bausubstanz, Textilien oder Vorräten richtet die Art keinen Schaden an. Sie sticht Menschen und saugt Blut, wenn kein Fledermauswirt mehr erreichbar ist. Die Stiche sind von Bettwanzenstichen nicht zu unterscheiden: kleine, stark juckende Quaddeln, oft in Reihen, die erst Stunden später auftreten. Wie stark jemand reagiert, ist sehr unterschiedlich.

Eine Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen ist für Fledermauswanzen nicht belegt. Das eigentliche Problem sind Juckreiz, gestörter Schlaf und die Verunsicherung durch die vermeintliche Bettwanze. Dauerhaft halten kann sich die Art am Menschen nicht: Ohne Fledermäuse als Wirte stirbt eine Population aus, ein sich selbst tragender Befall wie bei der Bettwanze entsteht nicht, genauso wenig wie bei der Schwalbenwanze aus Vogelnestern. Bei Stichen ohne Fundstück kommen außerdem die Rote Vogelmilbe und die Taubenzecke aus Nestern am Gebäude infrage.

Vorbeugen

  • Wissen, ob ein Quartier im Haus ist: Kotkrümel auf dem Dachboden, dunkle Verfärbungen an Einflugstellen und abendliches Ausfliegen sind die Hinweise
  • Wohnebene und Quartier voneinander trennen: Deckendurchbrüche, Kabel- und Rohrdurchführungen, Rollladenkästen sowie Fugen an Fußleisten dauerhaft schließen
  • Solche Arbeiten außerhalb von Wochenstubenzeit und Winterschlaf ausführen und die Ein- und Ausflugöffnungen der Fledermäuse dabei niemals verschließen

Die Reihenfolge entscheidet: Erst klären, ob und welche Fledermäuse im Gebäude leben, dann Quartier und Wohnraum voneinander trennen.

Bekämpfen

Die Fledermauswanze selbst darf bekämpft werden, ihre Wirte nicht. Alle heimischen Fledermausarten sind besonders und streng geschützt; nach § 44 BNatSchG dürfen die Tiere nicht getötet, gefangen oder erheblich gestört und ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten nicht beschädigt oder zerstört werden. Das gilt auch für ein gerade leeres Quartier, weil es regelmäßig wieder bezogen wird. Wer im Dachraum eingreifen will, klärt das vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde von Kreis oder Stadt ab; sie vermittelt auch die Fledermausberatung vor Ort.

In der Wohnung entspricht das Vorgehen einer Bettwanzensanierung: gezielte Behandlung der Verstecke, Hitze- oder Kälteverfahren, gründliches Absaugen und sofortiges Entsorgen des Beutels. Der eigentliche Hebel liegt aber in der Bauphysik, denn solange der Weg vom Quartier in die Wohnung offen ist, wandern immer wieder Tiere nach. Eine Behandlung des Quartiers selbst kommt nur außerhalb der Belegungszeit und nur in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde infrage. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Sammeln Sie Tiere mit einem Glas oder Klebeband ein und heben Sie sie auf, statt sie zu zerdrücken. Ein unversehrtes Exemplar klärt die Frage Bettwanze oder Fledermauswanze in wenigen Minuten und erspart Ihnen unter Umständen eine überflüssige Komplettsanierung der Wohnung.

Wann zum Profi?

Sobald Stiche auftreten und ein Fledermausquartier im Gebäude möglich ist, lohnt sich Fachhilfe, schon wegen der Artbestimmung. Sinnvoll arbeiten hier ein Schädlingsbekämpfer mit Wanzenerfahrung, eine Fledermaussachverständige und die Untere Naturschutzbehörde zusammen. Holen Sie außerdem Fachleute, wenn nach dem Abdichten erneut Tiere auftauchen, wenn im Mehrfamilienhaus mehrere Wohnungen betroffen sind oder wenn offenbleibt, ob nicht doch andere Wanzen im Spiel sind. Vermieter und Hausverwaltung gehören früh eingebunden, weil Dachraum und Fassade Gemeinschaftsbereich sind.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Woran erkenne ich, ob es Bettwanzen oder Fledermauswanzen sind?

Mit bloßem Auge ist das nicht zu entscheiden, beide Arten sind rotbraun, flach und flügellos. Unter der Lupe zeigt sich der Unterschied an den Fransenhaaren am Rand des Halsschilds: Bei der Fledermauswanze sind sie mindestens so lang wie die Augenbreite, bei der Bettwanze deutlich kürzer. Fangen Sie ein unzerdrücktes Tier und lassen Sie es bestimmen, bevor Sie behandeln.

Darf ich die Fledermäuse aus dem Dachstuhl entfernen lassen?

Nein. Alle heimischen Fledermausarten sind besonders und streng geschützt: Nach § 44 BNatSchG dürfen die Tiere nicht getötet, gefangen oder erheblich gestört und ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten, also auch die Quartiere im Dach, nicht beschädigt oder zerstört werden. Das gilt ebenso für ein vorübergehend leeres Quartier. Sprechen Sie geplante Arbeiten am Dach vorher mit der Unteren Naturschutzbehörde ab.

Übertragen Fledermauswanzen Krankheiten?

Eine Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen ist für Fledermauswanzen nicht belegt. Die Stiche jucken stark und stören den Schlaf, mehr ist bislang nicht bekannt. Bei starken oder entzündeten Hautreaktionen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Verschwinden die Wanzen von selbst, wenn die Fledermäuse ausgezogen sind?

Auf Dauer ja, denn ohne Fledermäuse als Wirte kann sich die Art nicht halten. Bis dahin vergehen aber Monate, weil hungernde Wanzen sehr lange durchhalten und in dieser Zeit Menschen stechen. Entscheidend ist deshalb, den Weg vom Quartier in die Wohnung baulich zu schließen.