Vogelfloh
Der Vogelfloh, auch Hühnerfloh genannt, lebt in Vogelnestern und ernährt sich vom Blut der Brut. Zum Problem für Menschen wird er im Frühsommer: Sind die Jungvögel ausgeflogen, verlassen hunderte hungrige Flöhe das Nest und wandern durch Dachboden, Rollladenkasten oder Deckenspalten in die Wohnräume. Dort stechen sie ersatzweise Menschen. Der Befall ist unangenehm, aber begrenzt, denn am Menschen kann sich der Vogelfloh nicht vermehren.
Vogelfloh erkennen
Vogelflöhe sind 2 bis 3,5 mm groß, dunkelbraun, flügellos und seitlich zusammengedrückt, sodass sie zwischen Federn hindurchgleiten. Sie springen mehrere Zentimeter weit und sind auf hellem Untergrund gut zu sehen. Sicher unterscheiden lassen sich die Floharten nur unter dem Mikroskop, für die Praxis zählt der Fundort.
- Stiche treten in Gruppen oder Reihen auf, meist an Knöcheln, Beinen und Rumpf, und jucken stark.
- Der Befall beginnt plötzlich, oft im Juni oder Juli, wenige Tage nach dem Ausfliegen einer Brut.
- Über der betroffenen Zimmerdecke, im Dachboden oder Rollladenkasten befindet sich ein Vogelnest.
- Ein weißes Blatt Papier oder helle Socken auf dem Boden machen springende Tiere sichtbar.
Verwechselt wird der Vogelfloh mit dem Katzenfloh, der aus dem Haustierumfeld stammt, und mit der Roten Vogelmilbe. Milben sind kleiner als 1 mm, springen nicht und kriechen nachts über die Haut.
Lebensweise
Die Entwicklung läuft über Ei, drei Larvenstadien, Puppe und erwachsenen Floh. Nur die erwachsenen Tiere saugen Blut, die Larven leben von organischen Resten und Kotkrümeln im Nestmaterial. Bei 20 bis 25 °C dauert der gesamte Zyklus drei bis vier Wochen, ein Weibchen legt in dieser Zeit mehrere hundert Eier.
Ein einziges Meisen- oder Starennest kann dadurch mehrere hundert bis mehrere tausend Flöhe beherbergen. Fertige Flöhe verharren im Kokon und schlüpfen erst, wenn Erschütterung, Wärme oder Kohlendioxid einen Wirt ankündigen. In diesem Zustand überstehen sie Monate ohne Nahrung, weshalb auch ein längst verlassenes Nest im Herbst noch aktiv werden kann. Am Menschen findet der Vogelfloh keine dauerhaften Lebensbedingungen; ohne Vogelwirt bricht die Population nach einigen Wochen zusammen.
Schäden und Risiken
Materialschäden entstehen nicht. Im Vordergrund stehen die Stiche: gerötete Quaddeln mit zentralem Einstichpunkt, starker Juckreiz und, bei empfindlichen Menschen, ausgedehnte allergische Hautreaktionen. Durch Aufkratzen können sich die Stellen entzünden. Krankheitserreger überträgt der Vogelfloh in Mitteleuropa praktisch nicht, das unterscheidet ihn von historischen Pestüberträgern wie dem Rattenfloh.
Für die Nestlinge selbst ist der Befall gravierender: Blutverlust und Unruhe senken die Überlebensrate der Brut.
Vorbeugen
- Nistkästen jedes Jahr im Spätherbst leeren und mit heißem Wasser ausbürsten, dabei Handschuhe tragen.
- Einschlupfstellen unter Dachziegeln, an Traufen und in Rollladenkästen nach der Brutsaison dauerhaft verschließen.
- Nistkästen nicht direkt an Fenstern, Balkonen oder Terrassen aufhängen.
- Verwilderte Taubennester an der Fassade entfernen lassen.
Bekämpfen
Der erste Schritt ist immer die Quelle: Solange das Nest liegt, kommen neue Flöhe nach. Entfernen Sie es erst, wenn die Brut ausgeflogen ist, und packen Sie das Material sofort in einen dichten Müllsack. Anschließend die Umgebung gründlich absaugen, Ritzen und Fugen inbegriffen, den Beutel verschließen und außerhalb der Wohnung entsorgen. Textilien wandern bei 60 °C in die Wäsche.
Gegen zurückgebliebene Tiere hilft Kieselgur in Fugen und Spalten oder ein zugelassenes Insektizid für Flöhe. Duftöle, Ultraschall und Zitronenschalen wirken nicht. Rechnen Sie mit zwei bis drei Wochen, weil aus verbliebenen Kokons noch Flöhe nachschlüpfen; eine zweite Behandlung nach zehn bis vierzehn Tagen ist üblich.
Wichtig: Alle heimischen Vogelarten sind als europäische Vogelarten besonders geschützt (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG). Besetzte Nester dürfen nach § 44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG weder entnommen noch beschädigt werden; bei Schwalben und Mauerseglern, die dasselbe Nest jährlich wieder beziehen, gilt das auch für das leere Nest. Ausnahmen erteilt allein die untere Naturschutzbehörde. Warten Sie das Ausfliegen ab und klären Sie den Einzelfall mit der unteren Naturschutzbehörde. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Holen Sie einen Fachbetrieb, wenn das Nest unzugänglich in Dachkonstruktion, Zwischendecke oder Rollladenkasten liegt, wenn die Stiche trotz Reinigung nach zwei Wochen nicht aufhören oder wenn mehrere Wohnungen betroffen sind. Auch bei Taubenschlägen gehört die Sanierung in Fachhände, wegen Milben und Kotbelastung. Allgemeine Hinweise finden Sie unter Flöhe.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Können Vogelflöhe dauerhaft im Menschen leben?
Nein. Der Vogelfloh braucht Vögel als Wirte und kann sich am Menschen nicht fortpflanzen. Er sticht ersatzweise, wenn sein eigentlicher Wirt fehlt. Ohne Vogelnest in der Nähe bricht die Population nach einigen Wochen zusammen, sofern noch vorhandene Kokons und Nestmaterial beseitigt werden.
Warum treten die Stiche plötzlich im Sommer auf?
Weil die Jungvögel ausgeflogen sind. Die zurückgebliebenen Flöhe verlieren ihre Nahrungsquelle und wandern vom Nest aus in benachbarte Räume. Deshalb häufen sich Fälle im Juni und Juli, meist in Zimmern unter dem Dach oder direkt neben einem Rollladenkasten.
Darf ich das Vogelnest einfach herausnehmen?
Erst nach dem Ausfliegen der Jungen. Besetzte Nester sind nach § 39 BNatSchG geschützt, Schwalbennester genießen über § 44 BNatSchG ganzjährigen Schutz und dürfen ohne Genehmigung nicht entfernt werden. Sprechen Sie im Zweifel mit der unteren Naturschutzbehörde, bevor Sie Nistmaterial anfassen.