Goldafter
Der Goldafter ist neben dem Eichenprozessionsspinner die zweite große Brennhaarraupe Mitteleuropas. Seine Raupen tragen unzählige feine Widerhakenhaare, die Haut, Augen und Atemwege reizen. Weil die Haare in den Gespinstnestern jahrelang wirksam bleiben, sperren Kommunen befallene Wege, Spielplätze und Dünenabschnitte regelmäßig ab.
Goldafter erkennen
Auffällig ist vor allem die Raupe: ausgewachsen 3,5 bis 4 cm lang, dunkel graubraun, mit zwei roten Punktreihen über dem Rücken und je einem unterbrochenen weißen Längsstreifen an den Seiten. Der ganze Körper ist mit rotbraunen Haarbüscheln besetzt. Der Falter ist reinweiß, misst 30 bis 35 mm Flügelspannweite und trägt am Hinterleibsende ein rostbraunes Haarbüschel – daher der Name.
- Winternester: faustgroße, teils größere graubraune Gespinste, fest an Zweigspitzen verankert und den ganzen Winter über sichtbar
- Fraßbild im Frühjahr: erst ausgeschabte Knospen, später kahle Zweige mit stehen gebliebenen Blattrippen
- Bevorzugte Gehölze: Weißdorn, Schlehe, Obstbäume, Eiche und Hainbuche, an der Nordseeküste auch Sanddorn
Wichtig: Auch alte, leere Nester und die mit Afterhaaren abgedeckten Eigelege reizen noch – das Gift bleibt über Jahre wirksam. Fassen Sie Nester nie ohne Schutzausrüstung an, auch dann nicht, wenn keine Raupen mehr zu sehen sind.
Lebensweise
Der Goldafter bildet eine Generation im Jahr. Die Falter fliegen von Ende Juni bis Anfang August, nachts und stark vom Licht angezogen. Jedes Weibchen legt rund 200 Eier in einem länglichen Gelege an die Blattunterseite und deckt sie mit goldbraunen Haaren aus dem Afterbüschel ab, was dem Gelege ein filziges Aussehen gibt.
Die Raupen schlüpfen nach etwa zwei Wochen, fressen gesellig und spinnen im Spätsommer ein dichtes Winternest, in dem sie im zweiten oder dritten Stadium überwintern. Ab März verlassen sie das Nest, fressen zunächst an den Knospen und verteilen sich später über den ganzen Baum. Verpuppt wird im Juni in lockeren Kokons zwischen Blättern und Zweigen. Massenvermehrungen treten in warmen, trockenen Jahren auf und brechen nach einigen Jahren durch Krankheiten, Schlupfwespen und Vögel wieder zusammen.
Schäden und Risiken
Die Brennhaare sind mit bloßem Auge kaum zu sehen, mit Widerhaken besetzt und enthalten ein eiweißartiges Gift. Sie brechen leicht ab und werden vom Wind verweht – ein direkter Kontakt mit der Raupe ist für Beschwerden also nicht nötig. Typisch sind stark juckende, gerötete Quaddeln an Hals, Unterarmen und in Beugefalten, dazu Bindehautentzündungen, bei stärkerer Belastung auch Halskratzen, Husten und Atemwegsreizungen. Die Beschwerden klingen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Am Gehölz kann eine starke Population Weißdornhecken, Schlehen und Obstbäume vollständig entlauben. Gesunde Laubbäume treiben in der Regel wieder aus, wiederholter Kahlfraß schwächt sie jedoch spürbar. Für Obstanlagen ist der Goldafter deshalb ein ernstzunehmender Schädling, vergleichbar mit dem Apfelwickler oder dem Großen Kohlweißling im Gemüsebau.
Vorbeugen
- Hecken und Obstgehölze im Winter auf Gespinstnester an den Zweigspitzen kontrollieren – ohne Laub sind sie gut zu sehen
- Einzelne Nester im Winter mit Schutzkleidung, dicht schließender Brille und FFP-Maske abschneiden und verpackt entsorgen
- Nistkästen aufhängen und Hecken erhalten: Meisen, Kuckuck und Pirol fressen behaarte Raupen und dämpfen den Befall
- Nach Aufenthalt in befallenen Gebieten Kleidung getrennt waschen und nicht im Freien ausschütteln
Tipp: Nach Hautkontakt zuerst die Kleidung wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen, dann duschen und die Haare mitwaschen. Nicht kratzen – dadurch dringen die Widerhaken tiefer ein. Kühlen und ein juckreizstillendes Gel lindern zuverlässig.
Bekämpfen
Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Herbst und Februar: Solange die Raupen im Winternest sitzen, lässt sich der gesamte Bestand mit dem Nest entfernen. Geschnittene Nester gehören dicht verpackt in den Restmüll oder zur fachgerechten Entsorgung. Offenes Verbrennen im Garten ist in den meisten Kommunen nicht erlaubt und verteilt die Haare zusätzlich.
Im Frühjahr wirken Präparate mit Bacillus thuringiensis gegen die jungen Raupen, solange diese klein sind und aktiv fressen; später lässt die Wirkung deutlich nach. Häutungshemmer und Pyrethroide sind Fachfirmen vorbehalten. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. An Straßen und in Parks ist das Absaugen mit Industriesaugern samt Feinstaubfilter die Methode der Wahl – Haushaltsstaubsauger blasen die Haare wieder in die Raumluft.
Wann zum Profi?
Sobald Nester außerhalb der Reichweite sitzen oder an stark begangenen Wegen, Spielplätzen, Schulhöfen und Freibädern stehen, gehört die Entfernung in die Hände einer Fachfirma mit Absauggerät und Vollschutz. Das gilt ebenso für ganze Heckenzüge und für Bäume in Kindergartennähe, wo einzelne Nester schnell übersehen werden.
Befall auf öffentlichem Grund melden Sie dem Grünflächen- oder Ordnungsamt Ihrer Gemeinde. Bei anhaltenden Hautbeschwerden, geschwollenen Augenlidern oder Atemnot nach Kontakt suchen Sie ärztliche Hilfe und erwähnen den Raupenkontakt ausdrücklich – das erspart Fehldiagnosen. Für die Abgrenzung gegenüber harmlosen Gartenraupen hilft der Vergleich mit dem Buchsbaumzünsler, der zwar Buchs kahl frisst, für die Haut aber völlig unbedenklich ist.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich Goldafter und Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner sitzt fast nur an Eichen und legt seine flachen, dichten Nester an Stamm und Astgabeln an; seine Raupen wandern in langen Reihen. Der Goldafter befällt vor allem Weißdorn, Schlehe und Obstbäume, seine kugeligen Nester hängen an den Zweigspitzen und überdauern den Winter. Die Goldafter-Raupe zeigt außerdem zwei rote Punktreihen auf dem Rücken. Für die Gesundheitsgefahr spielt der Unterschied allerdings keine Rolle: Beide Arten haben Brennhaare.
Was hilft gegen den Juckreiz nach Kontakt?
Wechseln Sie zuerst die Kleidung und waschen Sie sie bei mindestens 60 Grad, danach duschen und die Haare mitwaschen. Kratzen verschlimmert die Sache, weil die Widerhaken dabei tiefer eindringen. Kühlen und ein juckreizstillendes Gel lindern; bei geschwollenen Augenlidern, Atemnot oder anhaltenden Beschwerden gehen Sie zum Arzt und erwähnen den Raupenkontakt.
Darf ich die Nester selbst abschneiden?
Der Goldafter gehört nicht zu den besonders geschützten Arten, einzelne Nester im eigenen Garten dürfen Sie also entfernen. Machen Sie das im Winter, mit Schutzanzug, dicht schließender Brille und FFP-Maske, und entsorgen Sie die Nester dicht verpackt im Restmüll. Sitzen die Nester höher oder handelt es sich um viele, sollte eine Fachfirma mit Absaugtechnik ran.
Sind alte Nester im Winter noch gefährlich?
Ja. Die Brennhaare bleiben über Jahre wirksam, auch in längst verlassenen Nestern und in den mit Afterhaaren abgedeckten Eigelegen. Ein leeres Gespinst ist deshalb kein Zeichen von Entwarnung, sondern ein Grund, es fachgerecht entfernen zu lassen.