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Gesundheitsschädling

Krätzmilbe

Die Krätzmilbe verursacht die Skabies, im Alltag Krätze genannt. Das Weibchen gräbt Gänge in die oberste Hautschicht und löst einen Juckreiz aus, der nachts in der Bettwärme kaum auszuhalten ist. Ausbrüche in Kitas, Pflegeheimen und Gemeinschaftsunterkünften sind seit Jahren häufig. Eines vorweg: Skabies ist eine ansteckende Hauterkrankung und gehört in ärztliche Behandlung. Ein Fall für Schädlingsbekämpfungsmittel ist sie nicht.

Skabies erkennen

Die Milbe selbst bekommen Sie praktisch nie zu Gesicht, Weibchen messen nur 0,3 bis 0,5 Millimeter. Erkannt wird die Skabies am Hautbild und am Verteilungsmuster.

  • Starker Juckreiz, der nachts und bei Bettwärme deutlich zunimmt
  • Feine, kommaförmig gewundene Milbengänge von wenigen Millimetern Länge, am Ende oft ein dunkles Pünktchen
  • Typisch betroffen: Fingerzwischenräume, Handgelenksbeugen, Ellenbogen, Achselfalten, Nabel, Gürtellinie, Brustwarzenhof und Genitale
  • Bei Säuglingen zusätzlich Kopf, Gesicht, Handflächen und Fußsohlen, die bei Erwachsenen frei bleiben
  • Mehrere Personen im Haushalt oder in derselben Gruppe jucken gleichzeitig

Verwechselt wird die Skabies mit Neurodermitis, Ekzemen und mit Stichen. Die der Bettwanze, der Roten Vogelmilbe oder der Tropischen Rattenmilbe hinterlassen einzelne Quaddeln ohne Gangsystem und werden nicht von Mensch zu Mensch weitergegeben. Gesichert wird die Diagnose mit Dermatoskop, Klebebandtest oder Hautgeschabsel.

Lebensweise

Die Krätzmilbe ist ein reiner Menschenparasit. Das begattete Weibchen bohrt sich in die Hornschicht, gräbt täglich 0,5 bis 5 Millimeter Gang und legt dabei zwei bis vier Eier; es lebt vier bis sechs Wochen. Die Larven schlüpfen nach zwei bis drei Tagen und sind nach zwei bis drei Wochen geschlechtsreif.

Bei gewöhnlicher Skabies trägt ein Betroffener meist nur zehn bis fünfzehn erwachsene Weibchen. Der heftige Juckreiz ist also keine Frage der Menge, sondern eine allergische Reaktion auf Milben, Kot und Eier. Deshalb setzt er bei einer Erstansteckung erst nach zwei bis fünf Wochen ein, bei erneuter Ansteckung schon nach ein bis zwei Tagen.

Übertragen wird die Milbe durch längeren, großflächigen Haut-zu-Haut-Kontakt von etwa fünf bis zehn Minuten. Händeschütteln genügt normalerweise nicht, gemeinsames Schlafen, Körperpflege und Kuscheln mit kleinen Kindern sehr wohl. Außerhalb des Menschen bleibt die Milbe bei Zimmertemperatur meist nur 24 bis 36 Stunden ansteckungsfähig.

Schäden und Risiken

Der Juckreiz raubt den Schlaf, aufgekratzte Haut entzündet sich bakteriell. Aus solchen Superinfektionen entstehen Abszesse, selten auch Folgeerkrankungen an Niere oder Herz.

Die kritische Sonderform ist die Scabies crustosa, früher Borkenkrätze. Sie tritt bei stark abwehrgeschwächten und pflegebedürftigen Menschen auf: Statt einiger Dutzend Milben sitzen hier Hunderttausende in dicken Krusten, der Juckreiz fehlt häufig. Diese Form ist hochansteckend, auch über kurzen Kontakt, Textilien und Hautschuppen im Raumstaub. Nahezu jeder größere Heimausbruch geht auf einen unerkannten Fall zurück.

Wichtig: Skabies ist in § 34 IfSG ausdrücklich genannt. Erkrankte dürfen Kitas, Schulen und vergleichbare Gemeinschaftseinrichtungen nicht betreten und dort nicht arbeiten, bis nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist. Betroffene oder Sorgeberechtigte müssen die Einrichtung informieren, die Leitung benachrichtigt das Gesundheitsamt. In Pflegeheimen ist ein Ausbruch mit zwei oder mehr zusammenhängenden Fällen zusätzlich nach § 6 IfSG meldepflichtig.

Vorbeugen

  • Bei bekannten Fällen im Umfeld engen Körperkontakt meiden, bis die Behandlung abgeschlossen ist
  • Bettwäsche, Handtücher und Kleidung nicht mit anderen teilen
  • In Pflege und Betreuung Einmalhandschuhe und langärmelige Schutzkittel tragen, solange ein Verdacht besteht
  • Bei Pflegebedürftigen die Haut regelmäßig anschauen, besonders auf schuppende Krusten
  • Jeden Verdachtsfall in der Einrichtung sofort melden, damit alle Kontaktpersonen zeitgleich behandelt werden

Behandeln statt bekämpfen

Skabies wird am Menschen behandelt, nicht in der Wohnung bekämpft. Mittel der ersten Wahl ist Permethrin 5 Prozent als Creme: einmal auf den ganzen Körper vom Kiefer abwärts auftragen, acht bis zwölf Stunden einwirken lassen, danach abduschen. Bei Scabies crustosa, bei Ausbrüchen in Einrichtungen und wenn eine lückenlose Einreibung nicht gelingt, verordnet die Ärztin Ivermectin als Tablette, meist mit zweiter Gabe nach ein bis zwei Wochen. Alle engen Kontaktpersonen werden am selben Tag mitbehandelt, auch beschwerdefreie. Die Wohnung braucht keine Chemie, sondern nur Routine:

  • Bettwäsche, Handtücher und getragene Kleidung der letzten vier Tage bei mindestens 60 Grad waschen
  • Nicht waschbare Textilien vier Tage in verschlossenen Säcken lagern oder bei minus 18 Grad einfrieren
  • Polster, Matratzen und Autositze absaugen und danach drei Tage nicht benutzen

Insektensprays, Vernebler und Raumakarizide sind hier ohne Nutzen und belasten nur die Wohnung. Rechnen Sie damit, dass der Juckreiz nach erfolgreicher Behandlung noch zwei bis vier Wochen nachhallt. Das ist ein postskabiöses Ekzem und kein Zeichen dafür, dass die Behandlung versagt hat.

Tipp: Tragen Sie die Creme lückenlos auf, einschließlich Finger- und Zehenzwischenräumen, Nabel, Gesäßfalte, Genitalbereich und unter den kurz geschnittenen Nägeln. Die meisten Rückfälle entstehen durch ausgelassene Hautstellen und durch Kontaktpersonen, die sich nicht mitbehandelt haben.

Wann zum Profi?

Der Profi ist hier die Hausärztin oder der Hautarzt, nicht der Schädlingsbekämpfer. Gehen Sie hin, sobald der Verdacht besteht, denn Skabies verschwindet nicht von allein. Rasch abklären lassen sollten Sie den Verdacht bei Säuglingen, in der Schwangerschaft, bei geschwächtem Immunsystem sowie bei krustigen Hautveränderungen von Pflegebedürftigen. Treten in einer Einrichtung mehrere Fälle auf, koordiniert das Gesundheitsamt das Vorgehen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Ist Krätze ein Zeichen von mangelnder Hygiene?

Nein. Die Krätzmilbe wird durch längeren Hautkontakt übertragen, unabhängig davon, wie oft jemand duscht. Betroffen sind Familien mit kleinen Kindern, Pflegebedürftige, Pflegekräfte und Menschen in Gemeinschaftsunterkünften, weil dort viel enger Körperkontakt stattfindet. Häufiges Waschen kann eine bestehende Skabies weder verhindern noch heilen.

Wie schnell ist man nach der Behandlung nicht mehr ansteckend?

Nach einer korrekt und lückenlos durchgeführten Behandlung mit Permethrin gilt man in der Regel ab dem Folgetag nicht mehr als ansteckend. Für die Rückkehr in eine Gemeinschaftseinrichtung verlangen viele Gesundheitsämter ein ärztliches Attest. Bei Scabies crustosa dauert es deutlich länger, hier entscheidet das Gesundheitsamt im Einzelfall.

Muss ich die Wohnung desinfizieren oder einen Kammerjäger holen?

Nein. Die Milbe überlebt außerhalb des Menschen meist nur 24 bis 36 Stunden. Es genügt, Bettwäsche, Handtücher und getragene Kleidung der letzten vier Tage bei mindestens 60 Grad zu waschen, nicht waschbare Textilien drei bis vier Tage in verschlossenen Säcken zu lagern und Polster gründlich abzusaugen. Insektizide oder Vernebler bringen nichts.

Warum juckt es nach der Behandlung immer noch?

Der Juckreiz ist eine allergische Reaktion auf Milbenbestandteile, die nach dem Abtöten noch in der Haut liegen. Er kann zwei bis vier Wochen anhalten und heißt postskabiöses Ekzem. Behandelt wird er mit rückfettender Pflege und gegebenenfalls einer Cortisoncreme. Neue Gänge, frische Papeln oder erneut betroffene Angehörige sprechen dagegen für eine erneute Ansteckung und gehören ärztlich beurteilt.

Wann darf mein Kind wieder in die Kita?

Nach § 34 IfSG erst, wenn ärztlich beurteilt ist, dass keine Weiterverbreitung mehr droht. Nach vollständiger Behandlung ist das üblicherweise am Tag danach der Fall, meist mit ärztlicher Bescheinigung. Die Einrichtung muss informiert werden und meldet den Fall dem Gesundheitsamt, damit die Gruppe im Blick behalten und gegebenenfalls mitbehandelt wird.