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Gesundheitsschädling

Ammen-Dornfinger

Der Ammen-Dornfinger gilt als die Spinne mit dem wirksamsten Gift in Deutschland. Sein Biss schmerzt deutlich, etwa wie ein Wespenstich, und kann Schwellung, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden auslösen. Lebensgefährlich ist er nach allem, was dokumentiert ist, nicht. Die Art lebt in hohem Gras, nicht im Haus, und sie beißt nur, wenn man sie festhält oder ihren Eikokon öffnet.

Ammen-Dornfinger erkennen

Cheiracanthium punctorium ist unverwechselbar, wenn man ihn einmal gesehen hat. Der Vorderkörper mit den Beinansätzen leuchtet orange bis rotbraun, der Hinterleib ist gelblich bis olivgrün. Die Kieferklauen sind kräftig, dunkel und im Verhältnis zum Körper auffällig groß. Weibchen erreichen 10 bis 15 mm Körperlänge und mit den Beinen gut 3 cm Spannweite, Männchen bleiben etwas kleiner und schlanker.

  • Orangeroter Vorderkörper, gelbgrüner Hinterleib, dunkle Kieferklauen
  • Kein Fangnetz, die Art jagt frei laufend in der Vegetation
  • Erwachsen von Juni bis Oktober, Höhepunkt im Juli und August
  • Auffällig im Gelände: ein walnuss- bis hühnereigroßer Gespinstsack an Halmen in 30 bis 100 cm Höhe

Wichtig: Fassen Sie geschlossene Gespinstsäcke an Gräsern und Hochstauden nicht an. Darin sitzt ab August ein Weibchen, das seine Eier bewacht und den Sack verteidigt. Nahezu alle dokumentierten Bisse gehen auf solche Situationen zurück oder darauf, dass jemand die Spinne in der Hand festgehalten hat.

Lebensweise

Die Art besiedelt sonnige, selten gemähte Offenflächen: Brachen, Böschungen, Wegränder, Bahndämme und Waldlichtungen mit hohem Gras und Hochstauden. Ein gepflegter Hausgarten ist kein typischer Lebensraum, ein Grundstücksrand mit stehen gelassener Wiese dagegen schon.

Der Ammen-Dornfinger baut kein Fangnetz. Er jagt nachts frei laufend Heuschrecken, Wanzen und andere Insekten und ruht tagsüber in einem lockeren Gespinst. Ab August spinnen die Weibchen den auffälligen Brutkokon, legen darin etwa achtzig bis knapp dreihundert Eier ab und bewachen sie. Das Weibchen bleibt nach dem Schlupf im Kokon und stirbt dort im Spätherbst; auf diese ausgeprägte Brutpflege spielt der Name an. Die Jungtiere überwintern und werden im folgenden Sommer erwachsen.

Ursprünglich war die Art auf wärmebegünstigte Gegenden beschränkt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie sich nach Norden und Nordosten ausgebreitet; Schwerpunkte liegen im Südwesten und im Nordosten Deutschlands. Anders als die Nosferatu-Spinne ist der Ammen-Dornfinger dabei kein Neubürger, sondern eine heimische Art, die von wärmeren Sommern profitiert.

Schäden und Risiken

Sachschäden verursacht der Ammen-Dornfinger nicht, relevant ist allein der Biss. Seine Kieferklauen sind kräftig genug, die menschliche Haut zu durchdringen, was auf die allermeisten heimischen Spinnen nicht zutrifft.

Typisch ist ein sofort einsetzender, brennender Schmerz, der innerhalb von Minuten in den betroffenen Arm oder das Bein ausstrahlen kann. Dazu kommen Rötung, Schwellung und gelegentlich geschwollene Lymphknoten. Seltener werden Übelkeit, Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche oder leichtes Fieber berichtet. In den meisten dokumentierten Fällen klingen die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen ab, vereinzelt bleiben Rötung und Druckschmerz einige Tage länger bestehen. Todesfälle oder bleibende Schäden sind aus Mitteleuropa nicht bekannt, und die Zahl gut belegter Bisse ist gering.

Wie bei jedem Tiergift sind allergische Reaktionen möglich. Wer schon einmal auf einen Wespenstich stark reagiert hat, sollte einen Biss ärztlich abklären lassen.

Vorbeugen

  • In hohem Gras und Hochstauden lange Hosen und geschlossene Schuhe tragen
  • Beim Mähen, Freischneiden und Pflücken Handschuhe verwenden
  • Gespinstsäcke an Halmen stehen lassen und nicht mit bloßer Hand öffnen
  • Wäsche und Handtücher, die im Sommer draußen lagen, vor dem Gebrauch ausschütteln

Im Haus ist die Art praktisch nie zu finden. Einzeltiere verirren sich höchstens im Spätsommer über eine offene Terrassentür. Fliegengitter und dichte Kellerfenster reichen vollkommen aus.

Bekämpfen

Es gibt keinen Grund, den Ammen-Dornfinger zu bekämpfen, und kein Verfahren, das im Freiland sinnvoll wäre. Insektizide auf Wiesenflächen treffen zuerst die Beutetiere und die vielen harmlosen Arten, die dort leben, und ändern nichts an der Besiedlung im Folgejahr. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz dürfen wild lebende Tiere ohnehin nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden; die bloße Anwesenheit einer Spinne ist kein solcher Grund.

Ein Einzeltier im Haus fangen Sie mit Glas und Karton und setzen es draußen aus. Wer eine Wiesenfläche direkt am Spielplatz oder an der Terrasse hat, kann dort im Frühsommer mähen, denn kurzes Gras bietet der Art keinen Lebensraum. Lassen Sie den Rest der Fläche stehen: Sie verlieren sonst den ökologischen Wert des Saums, ohne viel zu gewinnen.

Tipp: Nach einem Biss die Stelle kühlen, ruhig halten und beobachten. Ein Gegengift gibt es nicht und wird auch nicht gebraucht. Fangen Sie die Spinne wenn möglich in einem Gefäß und fotografieren Sie sie: Für die ärztliche Einschätzung ist die sichere Artbestimmung hilfreicher als jede Beschreibung aus dem Gedächtnis.

Wann zum Profi?

Ein Schädlingsbekämpfer wird beim Ammen-Dornfinger selten gebraucht. Eine Fachmeinung lohnt sich, wenn auf einem Betriebs-, Kita- oder Schulgelände regelmäßig Gespinstsäcke auftreten und geklärt werden muss, welche Flächen wie gepflegt werden. Dabei geht es um Grünflächenpflege, nicht um Gift.

Zur Ärztin oder zum Arzt gehören Sie, wenn die Schmerzen nach 24 Stunden nicht nachlassen, die Schwellung sich stark ausbreitet, wenn Fieber, Atemnot, Herzrasen oder Schwindel auftreten oder wenn Kinder und ältere Menschen gebissen wurden. Besteht der Verdacht auf eine mit Obst eingeschleppte Art wie die Bananenspinne, nehmen Sie das Tier zur Bestimmung mit. Für häufige Mitbewohner wie Weberknechte oder die Große Winkelspinne gilt das nicht, sie sind für Menschen ungefährlich.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie gefährlich ist der Biss des Ammen-Dornfingers wirklich?

Er schmerzt deutlich, etwa wie ein Wespenstich, und der Schmerz kann in den ganzen Arm oder das Bein ausstrahlen. Dazu kommen Rötung und Schwellung, seltener Übelkeit oder Kreislaufschwäche. In den meisten dokumentierten Fällen ist alles nach ein bis zwei Tagen vorbei. Todesfälle oder bleibende Schäden sind aus Mitteleuropa nicht bekannt.

Was tue ich sofort nach einem Biss?

Kühlen Sie die Stelle, halten Sie das Glied ruhig und beobachten Sie den Verlauf. Ein Gegengift gibt es nicht und wird auch nicht gebraucht. Fangen Sie die Spinne wenn möglich in einem Gefäß oder fotografieren Sie sie, das erleichtert die ärztliche Einschätzung erheblich.

Kommt der Ammen-Dornfinger auch ins Haus?

Praktisch nie. Sein Lebensraum ist hohes Gras auf Brachen, Böschungen und Wegrändern. Einzeltiere verirren sich höchstens im Spätsommer über eine offene Terrassentür. Fangen Sie ein solches Tier mit Glas und Karton und setzen Sie es im Freien wieder aus.

Was sind die weißen Gespinstsäcke an den Grashalmen?

Das sind Brutkokons, die die Weibchen ab August aus mehreren Halmen zusammenspinnen. Sie werden walnuss- bis hühnereigroß und enthalten etwa achtzig bis knapp dreihundert Eier. Das Weibchen sitzt darin und verteidigt das Gelege. Lassen Sie diese Säcke stehen und öffnen Sie sie nicht mit der bloßen Hand.