Malariamücke
Malariamücken sind in Deutschland heimisch – etwa ein halbes Dutzend Anopheles-Arten lebt hier dauerhaft. Malaria gibt es trotzdem nicht: Der Erreger zirkuliert seit Mitte der 1950er Jahre nicht mehr in der Bevölkerung. Praktisch bemerkbar macht sich vor allem eine Art, Anopheles plumbeus, die in Siedlungen als hartnäckiger Tagstecher auftreten kann.
Malariamücke erkennen
Anopheles-Mücken sind schlank, etwa 5 bis 7 mm lang und graubraun bis fast schwarz gefärbt. Sicher zu erkennen sind sie an zwei Merkmalen: Die Taster neben dem Stechrüssel sind beim Weibchen fast so lang wie der Rüssel selbst, und die Tiere sitzen schräg an der Wand – Kopf gesenkt, Hinterleib deutlich abgespreizt.
- Schräge Ruhehaltung; die Gemeine Stechmücke und ihre Verwandten sitzen dagegen flach auf der Unterlage
- Flügel je nach Art gefleckt (Maculipennis-Gruppe) oder einfarbig dunkel (Anopheles plumbeus, Anopheles claviger)
- Larven hängen waagerecht dicht unter der Wasseroberfläche, nicht schräg abgewinkelt wie bei anderen Stechmücken
Lebensweise
Die Arten der Maculipennis-Gruppe brüten in besonnten, bewachsenen Flachgewässern, in Altarmen, Gräben und an Teichrändern. Anopheles plumbeus geht einen anderen Weg: ursprünglich eine Baumhöhlenart, nutzt sie heute Regentonnen, Altreifen, Friedhofsvasen und vor allem stillgelegte Gülle- und Jauchegruben. Dort erreichen die Larven extreme Dichten, weshalb ein einzelner aufgegebener Hof eine ganze Nachbarschaft belasten kann. Anders als Sandmücken brauchen Anopheles-Larven immer offenes Wasser.
Die Weibchen überwintern in Kellern, Ställen und Höhlen; ab dem Frühjahr folgen mehrere Generationen. Anopheles plumbeus sticht hartnäckig, auch am helllichten Tag und im Schatten von Gehölzen. Die übrigen heimischen Arten sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs.
Schäden und Risiken
Der Stich juckt und schwillt an wie bei jeder Stechmücke, gefährlich ist er nicht. Die eigentliche Frage lautet, ob Malaria zurückkehren kann. Vektorkompetent sind die heimischen Arten durchaus – für Anopheles plumbeus wurde im Labor die vollständige Entwicklung von Plasmodium falciparum bis in die Speicheldrüsen nachgewiesen. Was fehlt, ist der Erreger: Malaria wird nur über den Umweg Mensch–Mücke–Mensch weitergegeben, und eingeschleppte Fälle werden in Deutschland in aller Regel rasch erkannt und behandelt.
Vereinzelt sind Übertragungen bei Personen ohne Reiseanamnese beschrieben worden, etwa in Flughafennähe oder im Umfeld von Kliniken, in denen Malariakranke behandelt wurden. Solche Einzelfälle bleiben Ausnahmen. Realistisch ist derzeit vor allem die Stichbelastung: Ein starker Anopheles-plumbeus-Herd kann Terrasse und Garten über Wochen unbenutzbar machen.
Wichtig: Fieber in den Wochen und Monaten nach einer Reise in ein Malariagebiet gehört umgehend ärztlich abgeklärt – unabhängig von Mücken in Deutschland. Nennen Sie beim Arztbesuch immer das Reiseziel und den Reisezeitraum.
Vorbeugen
- Regentonnen mit dichtem Deckel oder feinmaschigem Gewebe verschließen, Untersetzer und Gießkannen wöchentlich leeren
- Altreifen, Eimer und Planen so lagern, dass sich kein Wasser darin sammelt
- Stillgelegte Gülle-, Jauche- und Sickergruben abdecken oder verfüllen – sie sind die wichtigste Quelle in Siedlungsnähe
- Fliegengitter an Fenstern und Türen anbringen; Anopheles plumbeus dringt auch tagsüber in Räume ein
Tipp: Bei einer offenen Grube lohnt konsequentes Abdecken. Wird die Brutstätte dicht verschlossen, bevor die nächste Generation schlüpft, können keine erwachsenen Mücken mehr ausfliegen und der Herd erlischt.
Bekämpfen
Der wirksamste Hebel ist das Trockenlegen oder Verschließen der Brutstätten, nicht das Sprühen gegen erwachsene Tiere. Lässt sich ein Gewässer nicht beseitigen, kommen Larvizide mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis in Frage; sie wirken gezielt auf Mückenlarven und werden auch von den Bekämpfungsverbänden am Oberrhein eingesetzt. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Im Innenraum genügen mechanische Mittel: Fliegengitter, ein Moskitonetz über dem Bett, notfalls die Fliegenklatsche. Elektrische UV-Fallen bringen gegen Stechmücken wenig, weil diese auf Kohlendioxid und Körpergeruch reagieren und nicht auf Licht. Räucherspiralen und Verdampfer helfen allenfalls kurzfristig im Freien.
Wann zum Profi?
Liegt die verdächtige Grube auf einem Nachbargrundstück oder bleibt die Quelle trotz Suche unklar, hilft ein Schädlingsbekämpfer oder die kommunale Stechmückenberatung weiter: Beide können die Brutstätte eingrenzen und beurteilen, ob eine Larvizidbehandlung sinnvoll und zulässig ist. Bei größeren Gewässern und bei Gruben auf Betriebsgeländen ist Fachkunde ohnehin Voraussetzung.
Wer eine ungewöhnliche Mücke findet, kann sie einem der Monitoringprogramme melden; auf diesem Weg wurden auch die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke dokumentiert. Für gesundheitliche Fragen rund um Stiche und Fernreisen sind das Gesundheitsamt oder eine tropenmedizinische Ambulanz zuständig.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Kann man in Deutschland an Malaria erkranken?
Praktisch nicht. Der Erreger zirkuliert seit Mitte der 1950er Jahre nicht mehr in der Bevölkerung, und eingeschleppte Fälle werden in aller Regel rasch behandelt. Die heimischen Anopheles-Arten könnten den Parasiten zwar übertragen, es fehlt ihnen aber die Infektionsquelle. Alle in Deutschland registrierten Erkrankungen sind bis auf Einzelfälle Reiserückkehrer.
Woran erkenne ich eine Anopheles-Mücke?
An der Sitzhaltung: Anopheles stellt den Hinterleib schräg von der Unterlage ab und senkt den Kopf, andere Stechmücken sitzen flach. Beim Weibchen sind zusätzlich die beiden Taster neben dem Stechrüssel fast so lang wie dieser. Sicher bestimmen lassen sich die Arten allerdings nur unter der Lupe.
Warum sticht die Mücke bei mir auch tagsüber?
Dann handelt es sich häufig um Anopheles plumbeus. Diese Art sticht hartnäckig rund um die Uhr, besonders im Schatten von Bäumen und Hecken. Sie brütet in Baumhöhlen, Regentonnen und vor allem in stillgelegten Güllegruben – dort lohnt die Suche nach der Quelle zuerst.
Was tun gegen eine Mückenplage aus einer alten Güllegrube?
Die Grube abdecken oder verfüllen ist die wirksamste Maßnahme; ein dichter Verschluss vor dem Schlüpfen der nächsten Generation bringt den Herd zum Erliegen. Ist das nicht möglich, kann ein Fachbetrieb ein Larvizid mit Bacillus thuringiensis israelensis einsetzen. Gehört die Grube dem Nachbarn, hilft ein Gespräch oder die Vermittlung durch die Gemeinde.