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Gesundheitsschädling

Hyalomma-Zecke (Riesenzecke)

Die Hyalomma-Zecke fällt auf: Sie ist doppelt bis dreifach so groß wie der heimische Holzbock, hat auffällig geringelte Beine und wartet nicht passiv im Gras. Sie nimmt ihren Wirt über mehrere Meter wahr und läuft ihm hinterher. In Deutschland wird sie seit 2015 immer wieder gefunden, eingeschleppt mit Zugvögeln, insgesamt aber in kleiner Zahl.

Hyalomma-Zecke erkennen

Nachgewiesen sind in Deutschland bisher zwei Arten: Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Erwachsene Tiere messen ungesogen etwa 5 bis 7 mm, vollgesogene Weibchen können auf rund zwei Zentimeter anschwellen. Der Körper ist rotbraun bis dunkelbraun, das Rückenschild wirkt gemustert. Das sicherste Merkmal sind die Beine: Sie tragen deutliche helle und dunkle Ringe, die auch ohne Lupe zu sehen sind. Die Augen sitzen seitlich am Rückenschild und sind, anders als beim Gemeinen Holzbock, gut erkennbar.

  • Zwei- bis dreifache Größe eines ausgewachsenen Holzbocks
  • Beine auffällig hell-dunkel geringelt
  • Läuft aktiv und zügig auf Wärmequellen zu, statt am Halm zu warten
  • Funde fast nur zwischen Mai und September, oft auf Pferdeweiden

Wichtig: Auch die Auwaldzecke hat ein deutlich gemustertes Rückenschild und wird oft für eine Hyalomma-Zecke gehalten. Entscheidend sind Größe und geringelte Beine. Eine Zecke, die aus einem Meter Entfernung sichtbar auf Sie zuläuft, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit keine heimische Art.

Lebensweise

Hyalomma-Zecken sind in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas zu Hause. Nach Deutschland gelangen sie im Frühjahr als Larven oder Nymphen im Gefieder von Zugvögeln. Sie saugen dort mehrere Tage bis Wochen, lassen sich in Mitteleuropa fallen und häuten sich bei ausreichender Wärme im Sommer zur erwachsenen Zecke. Gefunden werden praktisch nur diese erwachsenen Tiere, weshalb Meldungen erst ab Mai eingehen und nach heißen Sommern zunehmen.

Die Art ist ein aktiver Jäger. Sie nimmt Kohlendioxid, Wärme und Bewegung wahr und verfolgt Warmblüter über mehrere Meter zügig. Bevorzugte Wirte sind große Säugetiere, in Deutschland vor allem Pferde und Rinder; ein großer Teil der Funde stammt von Pferdehöfen und Weiden. Der Mensch ist ein Nebenwirt, wird aber angenommen. Ob sich hierzulande dauerhafte Populationen bilden, ist offen: Nach dem Hitzesommer 2018 legten Funde im Frühsommer 2019 nahe, dass einzelne Tiere hier überwintert haben. Eine flächige Etablierung wie bei den heimischen Zecken ist nicht belegt, die bundesweiten Fundzahlen bleiben niedrig.

Schäden und Risiken

Der Stich ist schmerzhafter als bei heimischen Arten, weil das Tier größer ist und tiefer sticht; die Einstichstelle entzündet sich häufiger und heilt langsamer. Entscheidend ist aber, was übertragen werden kann.

In deutschen Funden wurde Rickettsia aeschlimannii nachgewiesen, ein Erreger des Zeckenfleckfiebers. 2019 wurde im Raum Siegen erstmals eine Übertragung auf einen Menschen in Deutschland dokumentiert. Die Krankheit zeigt sich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einer dunklen Kruste an der Einstichstelle und ist mit Antibiotika gut behandelbar. In ihren Ursprungsgebieten überträgt die Gattung außerdem das Virus des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers; in den bisher in Deutschland untersuchten Tieren wurde es nicht gefunden. FSME und Borreliose übertragen Hyalomma-Zecken nach heutigem Kenntnisstand nicht, dafür bleiben Holzbock und Verwandte zuständig.

Vorbeugen

  • Auf Weiden und in offenem Gelände geschlossene Schuhe und lange Hosen tragen, Hosenbeine in die Socken stecken
  • Helle Kleidung wählen, auf dunklem Stoff ist ein laufendes Tier kaum zu sehen
  • Hautmittel mit Icaridin oder DEET verwenden und nach wenigen Stunden auffrischen
  • Nach dem Aufenthalt im Freien Körper, Kleidung und Haustiere absuchen, besonders Kniekehlen, Leisten und Haaransatz
  • Pferde und Rinder im Sommer regelmäßig kontrollieren, vor allem Bauch, Euter und Schweifansatz

Tipp: Entfernen Sie eine festgesogene Zecke mit Pinzette oder Zeckenkarte dicht über der Haut, gerade und ohne zu drehen. Öl, Klebstoff und Nagellack haben an der Einstichstelle nichts verloren, sie verlängern nur die Saugzeit. Notieren Sie das Datum: Treten in den folgenden zwei bis drei Wochen Fieber oder Hautveränderungen auf, gehört diese Information in die Arztpraxis.

Bekämpfen

Eine Bekämpfung im eigentlichen Sinn gibt es nicht, und sie wäre auch nicht sinnvoll. Die Tiere kommen jedes Frühjahr neu mit den Zugvögeln an, ein Grundstück lässt sich dagegen nicht abriegeln. Akarizide großflächig auf Weiden auszubringen, wäre unverhältnismäßig und träfe die Bodenfauna mit. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wirksam sind stattdessen Wirtsschutz und Vegetationspflege. Auf Pferde- und Rinderhöfen kommen für die jeweilige Tierart zugelassene Zeckenmittel in Betracht, etwa Aufgusspräparate oder imprägnierte Bänder; die Auswahl gehört in die Hand der Tierarztpraxis, weil Dosierung und Wartezeiten davon abhängen. Rund um Ställe und Koppeleingänge hilft es, das Gras kurz zu halten und Randstreifen zu mähen. Für den Hausgarten gilt dasselbe wie bei der Braunen Hundezecke: kurzer Rasen, wenig Laubstreu, freie Wege.

Wann zum Profi?

Ein Hyalomma-Fund im Garten ist kein Fall für einen Schädlingsbekämpfer. Setzen Sie das Tier in ein verschließbares Gefäß, fotografieren Sie es und heben Sie es auf. Universitäten und Forschungsinstitute sammeln solche Einsendungen und untersuchen sie auf Erreger. Eine Meldepflicht besteht nicht, für die Beobachtung der Ausbreitung sind die Funde aber wertvoll.

Ärztlich abklären lassen sollten Sie einen Stich, wenn sich die Stelle stark entzündet, sich eine dunkle Kruste bildet oder innerhalb von zwei bis drei Wochen Fieber, Kopfschmerzen oder ein Hautausschlag auftreten. Erwähnen Sie dabei ausdrücklich, dass es eine auffällig große Zecke mit geringelten Beinen war, sonst wird Zeckenfleckfieber leicht übersehen. Zeigen Pferde nach einem Zeckenbefall Fieber oder auffällige Hautstellen, ist die Tierarztpraxis die richtige Adresse.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie erkenne ich eine Hyalomma-Zecke sicher?

Zwei Merkmale zusammen sind eindeutig: die Größe von zwei- bis dreifacher Holzbockgröße und die deutlich hell-dunkel geringelten Beine, die man ohne Lupe sieht. Dazu kommt das Verhalten. Eine Zecke, die sichtbar auf Sie zuläuft, ist keine heimische Art. Die Auwaldzecke hat zwar auch ein gemustertes Rückenschild, aber keine geringelten Beine.

Ist ein Stich der Riesenzecke gefährlich?

In deutschen Funden wurde Rickettsia aeschlimannii nachgewiesen, ein Erreger des Zeckenfleckfiebers, das mit Antibiotika gut behandelbar ist. 2019 wurde im Raum Siegen erstmals eine Übertragung auf einen Menschen in Deutschland dokumentiert. Das Krim-Kongo-Virus wurde in den hier untersuchten Tieren nicht gefunden. Die meisten Stiche verlaufen ohne Folgen, sollten aber beobachtet werden.

Was mache ich mit einer gefundenen Hyalomma-Zecke?

Setzen Sie das Tier in ein verschließbares Gefäß und fotografieren Sie es. Universitäten und Forschungsinstitute nehmen Einsendungen entgegen und untersuchen sie auf Erreger. Eine Meldepflicht besteht nicht, die Funde sind für die Beobachtung der Ausbreitung aber wertvoll.

Kann sich die Art in Deutschland dauerhaft ansiedeln?

Das ist offen. Nach dem Hitzesommer 2018 legten Funde im Frühsommer 2019 nahe, dass einzelne Tiere hier überwintert haben; vereinzelt wurden mehrere Exemplare auf demselben Pferdehof gefunden. Eine flächige Etablierung wie beim Holzbock ist bislang nicht belegt, die bundesweiten Fundzahlen bleiben niedrig.