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Gesundheitsschädling

Gnitzen

Wer an einem windstillen Sommerabend am Teich oder auf der Koppel steht und plötzlich brennende, stark juckende Quaddeln bekommt, ohne eine Mücke gesehen zu haben, hat es meist mit Gnitzen zu tun. Die Tiere sind so klein, dass sie durch handelsübliche Fliegengitter passen – und in der Tierhaltung sind sie als Virusüberträger von erheblicher Bedeutung.

Gnitzen erkennen

Gnitzen (Ceratopogonidae), regional auch Bartmücken genannt, sind winzige Mücken von 0,5 bis 3 mm Körperlänge. Sie wirken gedrungen, haben kurze Beine, einen buckelig gewölbten Brustabschnitt und eine dunkelgraue bis schwarze Färbung. Kennzeichnend sind die breiten, behaarten Flügel, die bei den blutsaugenden Arten der Gattung Culicoides deutlich gefleckt oder milchig getrübt sind und in Ruhe dachförmig über dem Hinterleib liegen.

  • Stiche fast immer an unbedeckter, dünner Haut: Haaransatz, Ohren, Hals, Handrücken, Knöchel
  • Rote, harte Quaddeln, die stärker jucken als Stechmückenstiche und tagelang bestehen bleiben
  • Hauptflugzeit in der Morgen- und Abenddämmerung, bevorzugt bei Windstille und feuchtwarmem Wetter
  • Anflug in Schwärmen, meist unbemerkt – die Stiche fallen erst auf, wenn die Tiere längst weg sind

Wichtig: Übliche Insektenschutzgitter mit rund 1,2 mm Maschenweite halten Gnitzen nicht auf. Wer sie aussperren will, braucht Gewebe mit Maschen unter 1 mm. Im Stall werden noch feinere Netze eingesetzt, meist in Kombination mit Ventilatoren.

Lebensweise

Nur die Weibchen saugen Blut; sie brauchen es zur Eireifung. Anders als Stechmücken stechen Gnitzen nicht mit einem feinen Rüssel, sondern schneiden mit klingenartigen Mundwerkzeugen ein kleines Wundfeld auf und nehmen den austretenden Blutstropfen auf. Deshalb fallen die Hautreaktionen so heftig aus: Das Speichelsekret verteilt sich großflächig im Gewebe.

Die Larven entwickeln sich nicht im offenen Wasser, sondern in feuchten Substraten – Uferschlamm, Moorböden, sumpfige Senken, vor allem aber Mist, Gülle und durchnässte Einstreu in der Nutztierhaltung. Bei sommerlichen Temperaturen dauert die Larvenzeit einige Wochen. Der Flugradius ist gering: Wer regelmäßig gestochen wird, hat die Brutstätte fast immer in unmittelbarer Nähe. Massenvorkommen sind aus Küsten- und Moorregionen bekannt; in warmen Ställen bleiben einzelne Arten auch im Winter aktiv.

Schäden und Risiken

Beim Menschen bleibt es in der Regel bei stark juckenden Quaddeln, die aufgekratzt werden und sich dann entzünden können. Krankheitserreger übertragen Gnitzen in Mitteleuropa nach heutigem Kenntnisstand nicht auf den Menschen. Empfindliche Personen entwickeln allerdings großflächige Schwellungen, die mehrere Tage anhalten.

Veterinärmedizinisch sieht die Bilanz anders aus. Beim Pferd lösen wiederholte Gnitzenstiche das Sommerekzem aus, eine Allergie gegen Speicheleiweiße mit Scheuern an Mähnenkamm und Schweifrübe bis hin zu offenen Stellen. Bei Wiederkäuern übertragen Culicoides-Arten das Blauzungenvirus und das Schmallenberg-Virus. Die Blauzungenkrankheit hat mit dem Serotyp BTV-3 seit 2023 wieder erhebliche Verluste in deutschen Rinder- und Schafbeständen verursacht; Schmallenberg-Infektionen führen bei tragenden Tieren zu Missbildungen und Aborten. Beide Erkrankungen sind Tierseuchen und gelten nach derzeitigem Kenntnisstand als nicht auf den Menschen übertragbar. Zum Schutz der Bestände stehen Impfstoffe zur Verfügung, über die der Bestandstierarzt berät.

Vorbeugen

  • Aufenthalt im Freien in den Dämmerungsstunden meiden, besonders an Gewässern, in Mooren und rund um Stallgebäude
  • Lange, dicht gewebte und locker sitzende Kleidung tragen; durch weite Maschen stechen Gnitzen hindurch
  • Insektenschutzgitter mit Maschenweite unter 1 mm einbauen, an Wohnfenstern ebenso wie an Stallöffnungen
  • Repellents mit geprüften Wirkstoffen auf alle freien Hautstellen auftragen und nach Herstellerangabe erneuern
  • Brutstätten trockenlegen: undichte Tränken reparieren, Pfützen und staunasse Senken beseitigen, Mist regelmäßig abfahren, Tiefstreu häufiger wechseln

Bekämpfen

Eine flächige Bekämpfung ist weder möglich noch sinnvoll. Die Brutsubstrate liegen zu weit verteilt, und die Familie umfasst zahlreiche Arten, die gar kein Blut saugen und als Bestäuber und Beutetiere ihren Platz im Ökosystem haben. Was hilft, setzt an den Brutstätten und am Schutz der Betroffenen an.

In der Tierhaltung kommen Aufstallung während der Dämmerung und äußerlich anzuwendende Präparate zum Einsatz; solche Mittel sind Tierarzneimittel und gehören in die Hand des Tierarztes. Raumbehandlungen mit Insektiziden bringen wegen des ständigen Zuflugs von außen kaum Dauerwirkung. Für den Wohnbereich genügen Fliegengitter, Ventilator und Hautschutz. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Gnitzen sind schwache Flieger. Ein Ventilator auf der Terrasse oder im Stall wirkt oft besser als jedes Spray – schon eine leichte, gleichmäßige Luftströmung reicht aus, um den Anflug zu unterbinden.

Wann zum Profi?

Bei Stichen im Wohnumfeld lohnt sich zuerst die Artbestimmung. Verwechselt werden Gnitzen häufig mit Kriebelmücken, die tagsüber an Fließgewässern stechen, mit Sandmücken und mit den harmlosen Schmetterlingsmücken aus dem Abfluss. Ein Fachbetrieb stellt Fanggeräte auf, bestimmt die Art und grenzt die Quelle im Umfeld ein, etwa einen staunassen Bereich hinter dem Haus oder einen alten Misthaufen beim Nachbarn. Halten Sie Pferde oder Wiederkäuer und häufen sich Hautprobleme, Fieber oder Aborte, ist der Tierarzt der richtige Ansprechpartner: Blauzungenkrankheit und Schmallenberg-Virus lassen sich nur im Labor sicher nachweisen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Warum sehe ich die Tiere gar nicht, die mich stechen?

Gnitzen sind mit 0,5 bis 3 mm kaum größer als ein Sandkorn und fliegen fast lautlos an. Der Stich wird häufig erst bemerkt, wenn nach Minuten der Juckreiz einsetzt und die Tiere längst weg sind. Wer bei Windstille in der Dämmerung draußen war und danach Quaddeln an Haaransatz, Ohren oder Knöcheln findet, kann ziemlich sicher von Gnitzen ausgehen.

Helfen normale Fliegengitter gegen Gnitzen?

Nein. Handelsübliche Insektenschutzgitter haben rund 1,2 mm Maschenweite, Gnitzen passen mühelos hindurch. Nötig ist Gewebe mit Maschen unter 1 mm, das etwas weniger Luft durchlässt und regelmäßig gereinigt werden sollte. In Ställen kombiniert man solche Netze mit Ventilatoren, weil Gnitzen schlechte Flieger sind.

Sind Gnitzenstiche für Menschen gefährlich?

In Mitteleuropa übertragen Gnitzen nach heutigem Kenntnisstand keine Krankheitserreger auf den Menschen. Die Stiche jucken allerdings deutlich stärker als Stechmückenstiche und können bei empfindlichen Personen großflächig anschwellen. Problematisch wird es erst, wenn aufgekratzte Stellen sich entzünden.

Was hat das Sommerekzem beim Pferd mit Gnitzen zu tun?

Das Sommerekzem ist eine Allergie gegen Eiweiße im Speichel der Gnitzenweibchen. Betroffene Pferde scheuern sich an Mähnenkamm und Schweifrübe bis zu offenen Stellen. Helfen können Ekzemerdecken, Aufstallung während der Dämmerung, feine Netze am Stall und die Trockenlegung von Brutstätten in der Umgebung; die Behandlung selbst gehört zum Tierarzt.