Zum Inhalt springen
Gesundheitsschädling

Kopflaus

Der Anruf aus der Kita kommt meist am Nachmittag: In der Gruppe wurden Kopfläuse festgestellt. Sie sind lästig und hartnäckig, aber harmlos – in Mitteleuropa übertragen sie keine Krankheiten. Mit Hygiene haben sie nichts zu tun: Sie brauchen nur Kopfhaare und den Kopf-an-Kopf-Kontakt beim Spielen.

Kopfläuse erkennen

Erwachsene Kopfläuse sind 2 bis 3,5 Millimeter lang, grauweiß bis bräunlich und nach dem Blutsaugen rötlich. Ihre sechs Klammerkrallen passen exakt auf den Durchmesser menschlicher Kopfhaare, springen oder fliegen können sie nicht. Von den anderen Läusen am Menschen unterscheidet sie der Ort: Die Filzlaus sitzt in der Schambehaarung, die Kleiderlaus in Textilnähten.

Die Eier, Nissen genannt, sind rund 0,8 Millimeter groß und mit wasserunlöslichem Kitt am Haar verklebt. Frisch abgelegt sitzen sie weniger als einen Zentimeter von der Kopfhaut entfernt; weiße, weiter außen sitzende Nissen sind meist leere Hüllen.

  • Juckreiz am Hinterkopf, hinter den Ohren und im Nacken – oft erst Wochen nach dem Erstbefall, manchmal fehlt er ganz
  • Kratzspuren, gerötete Kopfhaut, kleine verkrustete Stellen
  • Nissen dicht an der Kopfhaut, die sich anders als Schuppen nicht abstreifen lassen

Tipp: Der sichere Nachweis ist das nasse Auskämmen: Haare anfeuchten, reichlich Pflegespülung einarbeiten, Strähne für Strähne mit einem Läusekamm (max. 0,2 mm Zinkenabstand) durchkämmen und den Kamm jeweils an weißem Küchentuch abstreifen.

Lebensweise

Kopfläuse leben ausschließlich von menschlichem Blut und stechen alle zwei bis vier Stunden; ihr Speichel löst den Juckreiz aus. Ein Weibchen legt täglich drei bis fünf Eier, über sein rund vierwöchiges Leben insgesamt etwa 90 bis 140.

Aus einer Nisse schlüpft nach sieben bis zehn Tagen eine Larve, die nach weiteren neun bis elf Tagen geschlechtsreif ist. Vom Ei bis zur eierlegenden Laus vergehen zwei bis drei Wochen – das bestimmt das Behandlungsschema.

Ohne Blut überlebt eine Kopflaus bei Zimmertemperatur nur ein bis zwei Tage. Kissen und Kuscheltiere sind deshalb praktisch keine Ansteckungsquelle; übertragen wird fast ausschließlich durch direkten Haarkontakt.

Schäden und Risiken

Kopfläuse übertragen in Deutschland keine Krankheiten. Anders als die Kleiderlaus, die historisch Fleckfieber übertragen hat, sind sie medizinisch harmlos.

Real sind zwei Probleme. Erstens der Juckreiz: Wird stark gekratzt, entzünden sich die offenen Stellen leicht bakteriell. Zweitens die Scham – deshalb kursieren Läuse in Gruppen oft monatelang, weil Kontaktpersonen nicht informiert werden.

Wichtig: Nach § 34 Infektionsschutzgesetz müssen Eltern die Kita oder Schule unverzüglich informieren; die Einrichtung meldet den Befall dem Gesundheitsamt. Nach fachgerechter Erstbehandlung darf das Kind sie in der Regel wieder besuchen, ein Attest ist nicht vorgeschrieben.

Vorbeugen

  • Bei Fällen in der Gruppe alle Familienmitglieder wöchentlich nass auskämmen
  • Lange Haare in Kita und Schule zusammenbinden oder flechten
  • Mützen, Bürsten, Kämme und Haargummis nicht gemeinsam benutzen
  • Kontaktpersonen offen informieren und gleichzeitig kontrollieren lassen

Bekämpfen

Wirksam ist nur die Kombination aus Läusemittel und konsequentem nassem Auskämmen. Kein Mittel tötet alle Eier ab, deshalb ist die zweite Behandlung Pflicht.

  1. Tag 1: Behandlung nach Packungsangabe, anschließend nass auskämmen
  2. Tag 5: auskämmen, um früh geschlüpfte Larven vor der Eiablage zu erwischen
  3. Tag 8 bis 10: zweite Behandlung, danach auskämmen
  4. Tag 13 und 17: Kontrollkämmen. Bleibt alles frei, ist der Befall beendet

Erste Wahl sind Präparate mit Dimeticon. Diese Silikonöle verschließen die Atemöffnungen rein physikalisch – dagegen entsteht keine Resistenz, und sie eignen sich auch für Schwangere und Kleinkinder. Bei Pyrethrum und Permethrin sind regional Resistenzen bekannt.

Umgebungsmaßnahmen dürfen Sie klein halten: Bettwäsche wechseln, Kämme reinigen. Wohnung desinfizieren oder Kuscheltiere einfrieren ist nicht nötig. Mayonnaise, Öl, Essig und Teebaumöl wirken nicht.

Wann zum Profi?

Ein Schädlingsbekämpfer ist hier der falsche Ansprechpartner – zuständig sind Apotheke, Kinderarzt oder Hausarzt. Ärztlichen Rat brauchen Sie, wenn der Befall trotz zweier korrekter Zyklen fortbesteht, wenn die Kopfhaut eitert oder wenn Kinder unter drei Jahren, Schwangere und Stillende behandelt werden.

Für Kinder unter zwölf Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten ärztlich verordneter Läusemittel. Bei wiederholten Fällen in einer Einrichtung hilft nur eine gemeinsame Aktion am selben Tag.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Sind Kopfläuse ein Zeichen für schlechte Hygiene?

Nein. Kopfläuse befallen saubere und ungewaschene Haare gleichermaßen. Sie brauchen nur Kopfhaare und direkten Kontakt zwischen zwei Köpfen. Häufungen in Kitas und Grundschulen entstehen, weil kleine Kinder beim Spielen ständig mit den Köpfen zusammenstecken.

Wie lange überleben Kopfläuse außerhalb des Kopfes?

Nur etwa einen, höchstens zwei Tage. Ohne regelmäßige Blutmahlzeit trocknen sie aus. Deshalb müssen Sie weder Matratzen absaugen noch Kuscheltiere einfrieren – ein Wechsel von Bettwäsche und Handtüchern und das Reinigen von Kämmen genügt.

Warum muss ich die Behandlung nach etwa neun Tagen wiederholen?

Kein Läusemittel tötet alle Eier zuverlässig ab. Aus überlebenden Nissen schlüpfen innerhalb einer Woche neue Larven. Die zweite Behandlung an Tag 8 bis 10 erwischt diese Tiere, bevor sie selbst Eier legen können. Ohne den zweiten Durchgang kehrt der Befall fast sicher zurück.

Darf mein Kind mit Kopfläusen in die Schule?

Nach § 34 IfSG muss die Einrichtung informiert werden, und das Kind bleibt zunächst zu Hause. Nach einer korrekt durchgeführten Erstbehandlung darf es die Einrichtung in der Regel wieder besuchen. Ein ärztliches Attest ist dafür meist nicht erforderlich, die Bestätigung der Eltern reicht.