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Gesundheitsschädling

Wanzen

Wanzen sind Insekten mit Stechrüssel, und fast alle der über 1.000 heimischen Arten saugen an Pflanzen, nicht an Menschen. In der Wohnung werden nur wenige zum Problem: allen voran die Bettwanze, dazu Vogelnest-Parasiten und harmlose Herbstgäste wie die Amerikanische Kiefernwanze. Alles Weitere hängt davon ab, welche Art vor Ihnen sitzt.

Wanzen erkennen

Alle Wanzen haben denselben Bauplan: flacher, oft schildförmiger Körper, ein deutliches Dreieck zwischen den Flügelansätzen und Vorderflügel, die vorn ledrig und hinten durchsichtig sind. Bettwanzen sind der Sonderfall, sie bleiben flügellos und papierdünn.

  • Bettwanze: 4–6 mm, rostbraun, flach wie ein Apfelkern, nach der Blutmahlzeit prall und dunkelrot.
  • Amerikanische Kiefernwanze: 15–20 mm, braun gemustert, mit blattartig verbreiterten Hinterschienen. Harmlos.
  • Baumwanzen: 10–15 mm, breit schildförmig, grün oder grau, geben bei Störung ein scharf riechendes Sekret ab.
  • Schwalbenwanze und Fledermauswanze: 3,5–6,5 mm, bettwanzenähnlich, deutlich länger behaart; die Schwalbenwanze (Oeciacus hirundinis) lebt in Schwalbennestern, die Fledermauswanze (Cimex pipistrelli) in Fledermausquartieren.

Auf Bettwanzen deuten Blutflecken auf dem Laken, schwarze Kotpünktchen an Matratzennähten und Bettgestell, hellbraune Häutungshüllen und Stiche in Reihen auf unbedeckter Haut.

Lebensweise

Wanzen entwickeln sich ohne Puppenstadium: Aus dem Ei schlüpft eine Nymphe, die sich fünfmal häutet. Pflanzensaugende Arten bilden ein bis zwei Generationen pro Jahr und überwintern als erwachsene Tiere in Laub, Rindenspalten, Rollladenkästen oder auf Dachböden.

Die Bettwanze legt bei regelmäßiger Blutaufnahme täglich zwei bis fünf Eier, im Leben 200 bis 500 Stück. Bei 20 bis 26 °C dauert die Entwicklung zum erwachsenen Tier sechs bis acht Wochen, jedes Nymphenstadium braucht dafür eine Blutmahlzeit. Gesaugt wird nachts, tagsüber sitzen die Tiere in Ritzen wenige Meter vom Schlafplatz entfernt. Ohne Nahrung halten sie mehrere Monate durch, kühl gelagert bis zu einem Jahr.

Schäden und Risiken

Bettwanzenstiche lösen juckende Quaddeln aus, oft in Reihen von drei bis fünf Einstichen. Die Reaktion setzt erst Stunden bis Tage später ein, weshalb ein Befall lange unbemerkt bleibt. Krankheitserreger übertragen Bettwanzen nach heutigem Kenntnisstand nicht. Belastend sind aufgekratzte Sekundärinfektionen, gelegentlich starke allergische Reaktionen und vor allem der Schlafmangel.

Schwalben- und Fledermauswanzen stechen ersatzweise Menschen, wenn ihre Wirte das Nest oder Quartier verlassen haben. Die Amerikanische Kiefernwanze, die auch Amerikanische Zapfenwanze heißt (beides Namen für Leptoglossus occidentalis), sticht nicht und richtet in der Wohnung keinen Schaden an – dort frisst sie nichts und vermehrt sich nicht; im Freien saugt sie an Zapfen, Samen und jungen Trieben von Nadelbäumen und kann allenfalls in Samenplantagen die Samenausbeute senken. In Innenräumen hinterlässt sie nur Geruch, wenn man sie zerdrückt. Im Garten verursachen pflanzensaugende Arten harte, verkorkte Saugstellen an Tomaten, Bohnen und Obst.

Vorbeugen

  • Fliegengitter anbringen, Fensterdichtungen, Rollladenkästen und Fassadenritzen im Spätsommer schließen.
  • Auf Reisen den Koffer nie aufs Bett legen und Matratzennähte sowie Kopfteil im Hotel kontrollieren.
  • Reisewäsche nach der Rückkehr bei 60 °C waschen oder 30 Minuten in den Trockner geben.
  • Gebrauchte Möbel und Matratzen vor dem Hereintragen absuchen, besonders Ritzen und Schraubenlöcher.
  • Schwalben- und andere Vogelnester nicht entfernen – sie sind nach § 44 BNatSchG ganzjährig geschützt, auch das leere Nest im Winter; dichten Sie stattdessen Fugen, Fenster und Rollladenkästen unterhalb der Nester ab. Auch Fledermausquartiere unter Dachziegeln dürfen nicht eigenmächtig verschlossen werden; Arbeiten dort stimmen Sie mit der Unteren Naturschutzbehörde ab.

Bekämpfen

Harmlose Arten fangen Sie mit Glas und Papier ein und setzen sie draußen aus, ohne sie zu zerdrücken. Beim Absaugen den Beutel sofort verschließen und außerhalb der Wohnung entsorgen.

Bei Bettwanzen gilt: Duftöle, Lavendel, Essig und Ultraschallgeräte wirken nicht. Auch Sprays aus dem Baumarkt scheitern regelmäßig, weil sie die versteckten Eier nicht erreichen und viele Populationen gegen Pyrethroide unempfindlich sind. Zuverlässig wirkt Temperatur: 60 °C in der Waschmaschine, 30 Minuten im Trockner, mindestens 72 Stunden bei −18 °C oder Heißdampf direkt in die Ritzen. Kieselgur unterstützt als Barriere, ersetzt aber keine Behandlung.

Wichtig: Räumen Sie bei Bettwanzenverdacht keine Möbel, Matratzen oder Kartons in andere Zimmer oder zu Verwandten. Genau so wandert der Befall in weitere Wohnungen. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

Bei begründetem Bettwanzenverdacht gehört die Sache sofort in Fachhände, Details liefert der Ratgeber Bettwanzen im Schlafzimmer. Fachbetriebe orten den Befall mit Spürhunden und behandeln mit Wärmeentwesung, bei der die Räume mehrere Stunden auf 55 bis 60 °C gebracht werden. Im Mehrfamilienhaus gehört der Vermieter eingebunden, weil Nachbarwohnungen mitgeprüft werden müssen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Sind alle Wanzen gefährlich?

Nein. Die große Mehrheit der heimischen Wanzenarten saugt ausschließlich an Pflanzen und ist für den Menschen ungefährlich. Nur wenige Arten nehmen Blut auf, allen voran die Bettwanze sowie Nestparasiten wie Schwalbenwanze und Fledermauswanze. Herbstgäste wie die Amerikanische Kiefernwanze stechen nicht und richten keinen Schaden an.

Woran erkenne ich, ob es Bettwanzen sind?

Achten Sie auf kleine Blutflecken auf dem Laken, schwarze Kotpünktchen an Matratzennähten, Bettgestell und Sockelleisten sowie auf hellbraune Häutungshüllen. Die Stiche treten typischerweise in Reihen von drei bis fünf auf unbedeckter Haut auf. Bei starkem Befall liegt ein süßlich-muffiger Geruch im Raum.

Helfen Hausmittel gegen Wanzen im Bett?

Gegen Bettwanzen nicht. Teebaumöl, Lavendel, Essig und Ultraschallgeräte vertreiben die Tiere nicht, sie verzögern nur die wirksame Behandlung. Wirksam sind Hitze und Kälte: Textilien bei 60 °C waschen, 30 Minuten in den Trockner geben oder mindestens 72 Stunden bei −18 °C einfrieren. Die Wohnung selbst muss ein Fachbetrieb behandeln.