Vorratsschädlinge: Motten, Käfer und Milben im Vorratsschrank
Im Mehl hängen Fäden, im Reis krabbelt es — und Sie fragen sich, wie das in den geschlossenen Schrank gekommen ist.
Sie öffnen die Mehltüte, und über dem Mehl liegen feine Fäden. Oder abends sitzt ein kleiner Falter an der Küchendecke, obwohl alle Fenster zu waren. Vielleicht rieselt beim Abmessen des Reises etwas mit, das sich bewegt. Vorratsschädlinge fallen selten sofort auf — sie werden meist erst bemerkt, wenn schon eine zweite Generation unterwegs ist.
Was diese Arten verbindet
Biologisch haben die Arten dieser Gruppe wenig gemeinsam: Es sind Motten, Käfer, Milben und einzelne Fliegen. Verbunden sind sie durch ihre Nahrung — trockene, lange haltbare Vorräte. Mehl, Getreide, Reis, Nudeln, Müsli, Hülsenfrüchte, Nüsse, Trockenobst, Gewürze, Tee, Kakao, Tabak, Tier- und Vogelfutter. Jede Art hat dabei ihre Nische: Der Kornkäfer entwickelt sich im geschlossenen Korn, die Mehlmilbe im feinen Mehlstaub, die Lebensmittelmotte in offener, lockerer Ware, der Brotkäfer auch in Zwieback, Gewürzen und Hundefutter.
Das zweite gemeinsame Merkmal ist der Weg ins Haus: Der Erstbefall kommt fast immer mit dem Einkauf. Eier oder junge Larven stecken bereits in der Packung, aus Mühle, Lager oder Großhandel. Papier, Karton und dünne Folie sind kein Hindernis — viele Arten nagen sich durch, manche wandern auch aus einer Packung in die nächste. Und weil Wohnungen ganzjährig warm sind, läuft die Vermehrung ohne Winterpause weiter.
So erkennen Sie einen Befall
Die Gruppe hinterlässt drei typische Spuren, und alle drei zeigen Ihnen den Weg zum Herd. Erstens Gespinste: verklebte Klümpchen im Mehl, feine Fäden über der Oberfläche, zusammengesponnene Körner oder Müsliflocken — das Zeichen der Motten. Zweitens Bohrmehl: feiner heller Staub unter oder in einer Packung, dazu runde Ausbohrlöcher in einzelnen Körnern, Nüssen oder Hülsenfrüchten — das Zeichen der Käfer. Drittens Veränderung der Ware selbst: Mehl wirkt bräunlich bestäubt, riecht süßlich oder muffig, Trockenobst bekommt einen grauen Belag — so machen sich Milben bemerkbar, die man einzeln kaum sieht.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Fundort und Herd. Raupen und Larven verlassen die befallene Packung, um sich zu verpuppen, und legen dabei mehrere Meter zurück — an Wänden, unter Deckenleisten, in Schrankfugen. Wo Sie das Tier sehen, war es also selten zu Hause. Nehmen Sie deshalb jede Packung einzeln heraus und leuchten Sie hinein, auch in das, was seit Jahren steht: Backzutaten, Deko-Kastanien, Vogelfutter, Trockenfutter der Haustiere. In einer dieser vergessenen Ecken sitzt der Herd fast immer.
Was gegen die ganze Gruppe hilft
Der Herd wird entsorgt, verschlossen und im Restmüll, nicht im Bioabfall. Danach kommt der Schrank komplett leer, wird mit der Fugendüse ausgesaugt — Ritzen, Bohrlöcher, Kanten der Regalböden — und feucht gewischt; der Staubsaugerbeutel geht sofort aus dem Haus.
Ware, die Sie behalten wollen, lässt sich entwesen, und die Werte sind für alle Arten dieser Gruppe gleich: eine Woche bei minus 18 Grad im Gefrierschrank, bei dicht gepackter Ware sicherheitshalber zwei Wochen — oder eine Stunde bei 60 Grad im Backofen. Beides erfasst auch Eier und Larven im Inneren der Körner. Die Keimfähigkeit geht dabei verloren, Saatgut überlebt die Behandlung nicht.
Den dauerhaften Unterschied macht aber die Lagerung. Füllen Sie trockene Vorräte in dichte Behälter aus Glas, Metall oder festem Kunststoff mit Schraub- oder Dichtungsdeckel um, statt sie in der Originalverpackung zu lassen. Kaufen Sie kleinere Mengen, verbrauchen Sie Älteres zuerst, und sehen Sie Neuware kurz durch, bevor sie in den Schrank kommt — mehr Vorbeugung braucht es nicht. Pheromonfallen fangen nur Männchen und taugen zur Kontrolle, nicht zur Bekämpfung. Lavendel, Lorbeer, Nelken oder Zedernholz beenden keinen Befall; sie erreichen die Larven im Mehl nicht, wie der Ratgeber zu Hausmitteln gegen Schädlinge im Einzelnen zeigt. Sprühmittel haben im Lebensmittelschrank nichts zu suchen. Für Motten lohnt zusätzlich der ausführliche Weg im Ratgeber Lebensmittelmotten bekämpfen.
Wann es ernst wird
Meistens bleibt es harmlos. Die Käfer und Motten dieser Gruppe stechen nicht und übertragen keine Krankheiten; wer versehentlich eine Larve mitgegessen hat, nimmt davon keinen Schaden. Zwei Ausnahmen sollten Sie kennen. Milbenbefall ist ein Allergiethema — Ausscheidungen und Häutungsreste können Hautausschläge und Atemwegsbeschwerden auslösen, deshalb gilt hier entsorgen statt aussieben. Und die Larven der Käsefliege überstehen die Magensäure teilweise; befallene Stellen also nicht herausschneiden und den Rest essen. Bleiben nach dem Verzehr verdächtiger Ware Bauchschmerzen oder Durchfall, gehört das in ärztliche Hände.
Handeln müssen Sie, wenn nach zwei sauberen Durchgängen weiter Falter oder Käfer auftauchen. Dann steckt der Herd außerhalb des Schranks, etwa in einer Ritze, hinter einer Verkleidung oder in einer Zwischendecke. Ein Fachbetrieb ist sinnvoll, wenn der Befall baulich sitzt, wenn größere Lager oder ein Betrieb mit Lebensmittelrecht betroffen sind — und immer beim Khaprakäfer: Er gilt international als Quarantäneschädling, seine Funde verfolgen die amtlichen Pflanzenschutzdienste, und seine Larven überdauern in Ritzen viele Monate bis mehrere Jahre.
Anleitungen zu dieser Gruppe
Alle 37 Arten dieser Gruppe
Amerikanischer Reismehlkäfer
Backobstmilbe
Berlinkäfer
Brotkäfer
Dörrobstmotte
Erbsenkäfer
Erdnussplattkäfer
Gelbhalsmaus
Gemeiner Speckkäfer
Getreidekapuziner
Getreidemotte
Getreideplattkäfer
Glänzendschwarzer Getreideschimmelkäfer
Kabinettkäfer
Käfer
Kaffeebohnenkäfer
Käsefliege
Khaprakäfer
Kornkäfer
Kornmotte
Kräuterdieb
Lebensmittelmotte
Maiskäfer
Mehlkäfer
Mehlmilbe
Mehlmotte
Mehlzünsler
Messingkäfer
Modermilbe
Reiskäfer
Rotbrauner Leistenkopfplattkäfer
Rotbrauner Reismehlkäfer
Speichermotte
Speisebohnenkäfer
Tabakkäfer
Tropische Speichermotte
Vierfleckiger Bohnenkäfer
Gut zu wissen
Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.
Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?
Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.
Muss ich einen Schädlingsbefall melden?
Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten besteht in vielen Gemeinden eine Meldepflicht; in Mietwohnungen sollten Sie den Vermieter immer umgehend informieren. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.
Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?
Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.
Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?
Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.
Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?
Vieles davon ist wirkungslos. Unser Hausmittel-Check sortiert ehrlich: Was funktioniert, was ist Geldverschwendung?
Poltert es nachts über der Decke, sind es meist Steinmarder oder Siebenschläfer im Dachstuhl.
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