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Gesundheitsschädling

Europäischer Rattenfloh

Der Europäische Rattenfloh ist der Floh, den man in Mitteleuropa tatsächlich an Ratten findet. Solange seine Wirtstiere leben, bekommt ihn kaum jemand zu Gesicht. Sterben die Ratten oder verlassen sie ihr Nest, verteilen sich die Flöhe im Gebäude und stechen auch Menschen. Typisch ist deshalb der Anruf beim Schädlingsbekämpfer wenige Tage nach einer scheinbar erfolgreichen Rattenbekämpfung.

Europäischen Rattenfloh erkennen

Erwachsene Tiere messen 2 bis 4 Millimeter, sind rotbraun, flügellos und seitlich zusammengedrückt. Die Art trägt einen kräftigen Borstenkamm am Halsschild aus rund 18 bis 20 Zähnen, ein Kamm an der Kopfunterseite fehlt. Der Katzenfloh besitzt beide Kämme, dem Tropischen Rattenfloh fehlen beide. Sicher unterscheiden lässt sich das nur unter dem Mikroskop.

  • Stiche meist an Beinen, Knöcheln und unter der Gürtellinie, oft in Dreier- oder Vierergruppen
  • Springende, dunkle Punkte auf Boden, Sockelleisten und hellen Textilien
  • Schwarze Kotkrümel in Nagernestern und Ritzen, die auf feuchtem Papier rostrot verlaufen
  • Beschwerden setzen ein, kurz nachdem Ratten bekämpft wurden oder ein Nest verlassen wurde

Lebensweise

Hauptwirte sind Wander- und Hausratte, ersatzweise Mäuse. Blut saugen nur die erwachsenen Flöhe, die Larven leben im Nest und fressen organische Reste sowie den blutreichen Kot der Adulten. Ein Weibchen legt über Wochen mehrere hundert Eier. Bei 18 bis 25 Grad dauert die Entwicklung vom Ei über drei Larvenstadien und die Puppe zum Floh etwa drei bis fünf Wochen. Die Art verträgt kühlere Bedingungen deutlich besser als der Tropische Rattenfloh und ist deshalb in Europa etabliert.

Im Puppenkokon können die fertigen Flöhe monatelang ausharren und schlüpfen erst, wenn Erschütterung, Wärme und Kohlendioxid einen Wirt ankündigen. Erwachsene Tiere überstehen ohne Blutmahlzeit mehrere Wochen.

Schäden und Risiken

Die Stiche verursachen juckende, gerötete Quaddeln, die tagelang bestehen. Kratzen führt zu bakteriellen Sekundärinfektionen, empfindliche Personen entwickeln ausgedehnte allergische Reaktionen.

  • Murines Fleckfieber (Rickettsia typhi): Übertragung über Flohkot, der in die aufgekratzte Wunde gelangt. In Deutschland sehr selten.
  • Bandwürmer: Der Floh dient als Zwischenwirt für den Rattenbandwurm und den Zwergbandwurm; eine Infektion erfolgt durch versehentliches Verschlucken.
  • Pest: Der Europäische Rattenfloh kann Yersinia pestis grundsätzlich übertragen, gilt aber als deutlich weniger wirksamer Überträger als die tropische Art. In Deutschland spielt das keine Rolle.

Das größere Alltagsproblem ist fast immer der Rattenbefall selbst, der hinter dem Floh steht – siehe Ratten.

Vorbeugen

  • Zugänge für Nager schließen: Öffnungen ab 20 Millimetern verschließen, Lüftungsgitter und Kellerschächte vergittern
  • Kein Futter im Freien, Abfall in dichten Tonnen, Komposthaufen ohne Speisereste
  • Kellerräume und Ställe regelmäßig ausräumen, alte Einstreu und Kartonagen entfernen
  • Bei jeder Rattenbekämpfung Nestbereiche mitbehandeln, damit die Flöhe nicht auf Menschen ausweichen

Bekämpfen

Ein Flohbefall verschwindet nicht von allein, weil die Puppen wochenlang geschützt überdauern. Wirksam ist nur die Kombination aus Quellenbeseitigung und konsequenter Umgebungsbehandlung über mehrere Wochen.

  • Rattennester und Kadaver entfernen, Material in verschlossenen Beuteln entsorgen
  • Textilien bei 60 Grad waschen, Empfindliches mehrere Tage bei minus 18 Grad einfrieren
  • Täglich saugen: Die Vibration reizt die Puppen zum Schlüpfen, erst dann sind die Tiere angreifbar
  • Zugelassene Insektizide gezielt in Ritzen, Fugen und Nestbereiche einbringen, nach zwei bis drei Wochen wiederholen
  • Haustiere parallel vom Tierarzt behandeln lassen, sonst kommt der Befall zurück

Ultraschallgeräte und ätherische Öle bringen nichts. Kieselgur wirkt austrocknend, aber nur an trockenen Stellen und über Wochen.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Insektizide gehören nicht flächig auf Böden in Kinderzimmern und nicht in die Nähe von Aquarien.

Wann zum Profi?

Rufen Sie einen Fachbetrieb, sobald Flöhe zusammen mit Rattenspuren auftreten, mehrere Wohnungen betroffen sind oder der Befall nach drei bis vier Wochen Eigenbehandlung nicht abklingt. Der Profi legt die Reihenfolge von Floh- und Nagerbekämpfung fest und behandelt Nestbereiche, an die Sie nicht herankommen. Rattenbefall ist in vielen Kommunen anzeigepflichtig, und Antikoagulante Rodentizide dürfen Privatpersonen nur in Gebäuden und nur in verschlossenen Köderstationen einsetzen; die Anwendung im Freien ist sachkundigen Verwendern vorbehalten.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Warum treten Flohstiche nach einer Rattenbekämpfung auf?

Weil die Flöhe ihren toten Wirt verlassen und einen neuen Warmblüter suchen. Reagieren sie auf Erschütterung und Körperwärme, treffen sie im Keller oder Flur zuerst auf Menschen. Deshalb gehört zu jeder Rattenbekämpfung eine parallele Behandlung der Nestbereiche gegen Flöhe.

Kann der Europäische Rattenfloh die Pest übertragen?

Grundsätzlich ja, praktisch gilt er aber als deutlich schwächerer Überträger als der Tropische Rattenfloh. In Deutschland gab es seit über hundert Jahren keinen einheimischen Pestfall. Ein Risiko besteht hierzulande nicht.

Wie lange überleben Rattenflöhe ohne Wirt?

Erwachsene Flöhe halten mehrere Wochen ohne Blutmahlzeit durch. Deutlich länger überdauern die fertigen Tiere im Puppenkokon, teils viele Monate. Sie schlüpfen erst, wenn Erschütterung, Wärme und Kohlendioxid einen Wirt ankündigen. Genau deshalb kehrt ein Befall in leer stehenden Räumen zurück, sobald jemand sie wieder betritt.

Reicht Saugen und Waschen gegen einen Flohbefall?

Bei sehr frühem, kleinem Befall manchmal ja, wenn Sie täglich saugen und alle Textilien bei 60 Grad waschen. Sobald Puppen im Boden sitzen, brauchen Sie zusätzlich ein zugelassenes Insektizid in Ritzen und Fugen sowie eine Wiederholung nach zwei bis drei Wochen. Ohne Beseitigung des Rattennests bleibt jede Maßnahme wirkungslos.