Gemeiner Holzbock
Der Gemeine Holzbock ist keine Käferart, sondern die häufigste Zecke Mitteleuropas. Im Alltag heißt er meist Waldzecke – beide Namen bezeichnen dieselbe Art, Ixodes ricinus. Der Name Holzbock führt regelmäßig in die Irre: Der holzzerstörende Hausbock ist ein Käfer und hat mit diesem Tier nichts zu tun. Der Gemeine Holzbock ist ein blutsaugendes Spinnentier und in Deutschland der wichtigste Überträger von Borreliose und FSME.
Gemeinen Holzbock erkennen
Die Größe hängt vom Stadium ab: Larven messen etwa 0,5 Millimeter und haben sechs Beine, Nymphen rund 1,5 Millimeter, erwachsene Weibchen 3 bis 4 Millimeter. Vollgesogen schwillt ein Weibchen auf bis zu 13 Millimeter an und wirkt grau-blau. Typisch ist das dunkle Rückenschild, das beim Weibchen nur den vorderen Körperteil bedeckt, während das Männchen komplett beschildet und deutlich kleiner ist.
- Nymphen sind für die meisten Stiche verantwortlich, weil sie so klein sind, dass man sie leicht übersieht
- Der Stich tut nicht weh, die Zecke betäubt die Einstichstelle mit ihrem Speichel
- Bevorzugte Stellen: Kniekehlen, Leisten, Achseln, Bauchnabel, Haaransatz und hinter den Ohren, bei Kindern häufig am Kopf
Zu verwechseln ist die Art mit der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die ein auffällig marmoriertes Rückenschild trägt und vor allem Hunde befällt. Waldzecke und Auwaldzecke sind trotz der ähnlichen Namen zwei verschiedene Arten: Waldzecke meint immer den Gemeinen Holzbock.
Lebensweise
Der Gemeine Holzbock durchläuft drei Stadien: Larve, Nymphe und ausgewachsenes Tier. Jedes Stadium saugt genau einmal Blut und häutet sich danach. Der gesamte Zyklus dauert zwei bis drei Jahre. Ein vollgesogenes Weibchen legt bis zu 3.000 Eier und stirbt anschließend.
Zecken springen nicht und lassen sich nicht von Bäumen fallen. Sie sitzen an Grashalmen, Farnen und Zweigen meist unterhalb von einem Meter und warten mit ausgestreckten Vorderbeinen. Über das sogenannte Haller-Organ nehmen sie Kohlendioxid, Körperwärme, Erschütterung und Schweißgeruch wahr und lassen sich im Vorbeigehen abstreifen. Aktiv werden sie ab etwa 7 bis 8 Grad Bodentemperatur, weshalb Stiche inzwischen auch im Januar vorkommen.
Schäden und Risiken
Der Stich selbst ist harmlos, gefährlich sind die übertragenen Erreger.
- Borreliose: Je nach Region tragen 5 bis 35 Prozent der Zecken Borrelien. Die Übertragung erfolgt meist erst nach 12 bis 24 Stunden Saugzeit, deshalb hilft schnelles Entfernen. In etwa 1,5 bis 6 Prozent der Stiche kommt es zu einer Infektion (Serokonversion), zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung nur bei rund 0,3 bis 1,4 Prozent (RKI). Erstes Zeichen ist die Wanderröte, ein sich ausbreitender Ring 3 bis 30 Tage nach dem Stich. Eine Impfung gibt es nicht, behandelt wird mit Antibiotika.
- FSME: Das Virus sitzt in den Speicheldrüsen und wird sofort beim Stich übertragen, schnelles Entfernen schützt hier also nicht. Betroffen sind vor allem Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, Thüringen und Sachsen. In Risikogebieten sind je nach Ort 0,1 bis 5 Prozent der Zecken infiziert. Eine wirksame Impfung ist verfügbar.
- Weitere Erreger: Anaplasmen, Rickettsien und Babesien treten seltener auf.
Vorbeugen
- Geschlossene, helle Kleidung tragen, Socken über die Hosenbeine ziehen – auf hellem Stoff sind Zecken gut sichtbar
- Repellents mit DEET oder Icaridin auf Haut und Kleidung auftragen, Wirkdauer beachten und nachlegen
- Nach jedem Aufenthalt im Grünen den ganzen Körper absuchen, bei Kindern auch die Kopfhaut
- Hunde und Katzen mit tierärztlich empfohlenen Präparaten schützen und täglich absuchen
Zecke richtig entfernen
Entfernen Sie eine festgesaugte Zecke sofort, jede Stunde zählt. Fassen Sie das Tier mit einer spitzen Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange möglichst hautnah am Kopf und ziehen Sie langsam und gerade heraus. Anschließend desinfizieren, das Datum notieren und die Stelle vier bis sechs Wochen beobachten.
Was Sie unterlassen sollten: den vollgesogenen Körper quetschen, Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol auftragen. All das reizt die Zecke, sie gibt vermehrt Speichel und damit Erreger ab. Bleibt ein Rest der Mundwerkzeuge in der Haut, ist das kein Drama – er wird wie ein Splitter abgestoßen.
Wichtig: Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn sich um die Einstichstelle eine ringförmige Rötung bildet oder in den Wochen danach Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Lähmungserscheinungen auftreten. Nennen Sie dabei immer den Zeckenstich und das Datum.
Wann zum Profi?
Flächige Insektizide gegen Zecken im Garten sind weder zulässig noch sinnvoll. Ein Fachbetrieb kommt dort ins Spiel, wo Zecken über Wirtstiere gehalten werden: bei Nagerbefall auf dem Grundstück, in Tierhaltungen und in Betrieben mit Grünflächen. Dort sind Mäusebekämpfung und Vegetationspflege die wirksamen Hebel. Einen Überblick über die weiteren Arten finden Sie unter Zecken.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist der Gemeine Holzbock ein Käfer?
Nein. Trotz des Namens ist er ein Spinnentier und gehört zu den Schildzecken. Verwechselt wird er häufig mit dem Hausbock, einem holzzerstörenden Käfer, der Dachstühle und Bauholz befällt. Die beiden Tiere haben außer dem ähnlichen Namen nichts gemeinsam.
Wie schnell muss eine Zecke raus?
So schnell wie möglich. Borrelien werden meist erst nach 12 bis 24 Stunden Saugzeit übertragen, hier bringt schnelles Entfernen einen echten Schutz. Das FSME-Virus sitzt dagegen in den Speicheldrüsen und wird sofort übertragen, dagegen hilft nur die Impfung.
Soll ich die Zecke drehen oder gerade herausziehen?
Fassen Sie sie hautnah mit Pinzette oder Zeckenkarte und ziehen Sie langsam und gerade heraus. Entscheidend ist, den vollgesogenen Körper nicht zu quetschen. Öl, Klebstoff oder Nagellack gehören nicht auf die Zecke, sie reizen das Tier und erhöhen die Erregerabgabe.
Lassen sich Zecken von Bäumen fallen?
Nein, das ist ein Mythos. Zecken sitzen an Gräsern, Farnen und niedrigen Zweigen, meist unterhalb von einem Meter, und werden im Vorbeigehen abgestreift. Danach wandern sie bis zu zwei Stunden über den Körper, bevor sie eine dünne, warme Hautstelle zum Stechen finden.