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Gesundheitsschädling

Herbstgrasmilbe

Ende August juckt es plötzlich an Knöcheln, Kniekehlen und entlang des Hosenbunds, im Schlafzimmer findet sich aber nichts. Dahinter steckt fast immer die Larve der Herbstgrasmilbe, die im Rasen auf die Haut gelangt. Die Stichgruppen brennen tagelang und werden oft für Floh- oder Bettwanzenstiche gehalten. Krankheiten überträgt die Art hierzulande nicht.

Herbstgrasmilbe erkennen

Parasitisch ist nur das Larvenstadium: 0,2 bis 0,3 Millimeter, orangerot, sechsbeinig, vollgesogen rund 0,5 Millimeter. Mit bloßem Auge bleibt davon ein wandernder roter Punkt. Die erwachsene Milbe wird 1 bis 2 Millimeter groß, lebt im Boden und geht nie an den Menschen.

  • Stichgruppen an Fußgelenken, Kniekehlen, Leiste und Gürtellinie, wo Kleidung eng anliegt
  • 1 bis 3 Millimeter große gerötete Papeln, oft mit winzigem Bläschen in der Mitte
  • Juckreiz erst 3 bis 24 Stunden nach dem Gartenaufenthalt, und das nur im Spätsommer
  • Orangerote Pünktchen auf hellen Socken oder in Hautfalten

Zur Abgrenzung: Flohstiche treten ganzjährig auf und hängen meist an einem Haustier. Stiche der Bettwanze entstehen nachts im Bett, dazu kommen Kotpünktchen an Matratzennähten. Die Krätzmilbe gräbt Gänge in die Haut und ist ansteckend, die Tropische Rattenmilbe stammt aus Nagernestern im Gebäude.

Lebensweise

In Mitteleuropa entwickelt sich meist eine Generation pro Jahr. Die Weibchen legen ihre Eier in den obersten Bodenzentimetern ab, ab Juli schlüpfen die Larven. Sie klettern auf Grashalme bis in etwa 20 Zentimeter Höhe und warten auf einen Wirt, aktiv bei trockenem Wetter ab rund 16 Grad. Bei Regen und Kälte bleiben sie im Boden.

Auf der Haut saugt die Larve kein Blut. Sie ritzt die Hornschicht an und gibt Speichel mit eiweißspaltenden Enzymen ab; über den entstehenden Saugkanal, das Stylostom, nimmt sie verflüssigtes Gewebe auf. Nach einigen Stunden bis drei Tagen lässt sie sich fallen. Nymphen und adulte Milben leben räuberisch im Boden und überwintern frostfrei.

Schäden und Risiken

Die Hautreaktion heißt Trombidiose, umgangssprachlich Erntekrätze; Auslöser ist der enzymhaltige Speichel. Der Juckreiz erreicht nach 24 bis 72 Stunden sein Maximum und klingt meist in ein bis zwei Wochen ab. Wer jedes Jahr Kontakt hat, reagiert oft heftiger. Aufgekratzte Papeln entzünden sich bakteriell.

Krankheitserreger überträgt die Art in Mitteleuropa nach heutigem Kenntnisstand nicht; das Tsutsugamushi-Fieber geht auf verwandte Milben in Asien zurück. Von Mensch zu Mensch ist ein Befall nicht übertragbar. Hunde und Katzen zeigen orangefarbene Krusten zwischen den Zehen und an den Ohrrändern.

Tipp: Legen Sie an einem trockenen Nachmittag einen weißen Teller auf den Rasen. Sammeln sich nach 20 bis 30 Minuten orangerote Pünktchen am Rand, ist die Fläche besetzt.

Vorbeugen

  • Rasen kurz halten, Schnittgut abfahren und trockene Flächen abends wässern
  • Von Juli bis Oktober nicht barfuß über den Rasen
  • Geschlossene Schuhe, Hosenbeine in die Socken, helle Kleidung macht die Larven sichtbar
  • Repellents mit DEET oder Icaridin auf Fußgelenke und Sockenränder, Wirkung nur wenige Stunden
  • Gartenkleidung wechseln und bei 60 Grad waschen; im hohen Gras auch an Zecken denken

Bekämpfen

Am wirksamsten ist das mechanische Entfernen, bevor die Larve zusticht. Duschen Sie innerhalb von ein bis zwei Stunden nach der Gartenarbeit und reiben Sie Beine und Gürtellinie mit einem Waschlappen kräftig ab; kurzes Abbrausen genügt nicht.

Gegen den Juckreiz helfen Kühlen und Gele mit Polidocanol oder Antihistaminikum; bei starker Reaktion verschreibt die Arztpraxis eine kortisonhaltige Creme.

Die Fläche selbst bekommen Sie nur begrenzt in den Griff. Für Rasen zugelassene Akarizide wirken einige Wochen, müssen eingewässert werden und treffen auch nützliche Bodentiere; sinnvoll ist das nur auf stark genutzten Flächen und zusammen mit Mähen und Wässern. Für Kalken, Teebaumöl oder Ultraschallgeräte gibt es keinen Wirkungsnachweis.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Behandelte Rasenflächen erst nach der angegebenen Wartezeit wieder für Kinder und Haustiere freigeben.

Wann zum Profi?

Für die Haut ist die Arztpraxis zuständig, nicht der Schädlingsbekämpfer: bei großflächiger Reaktion, entzündeten Stichstellen, Fieber oder Juckreiz über zwei Wochen hinaus. Betroffene Hunde und Katzen gehören zum Tierarzt. Einen Fachbetrieb lohnt es, wenn dieselbe Fläche Jahr für Jahr viele Menschen trifft, etwa auf Kita- oder Sportflächen; er legt die Behandlung passend zur Larvenaktivität.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich Herbstgrasmilbenstiche von Floh- oder Bettwanzenstichen?

Achten Sie auf Ort und Zeitpunkt. Herbstgrasmilben stechen dort zu, wo Kleidung die Wanderung stoppt: Sockenrand, Kniekehle, Leiste, Gürtellinie. Der Juckreiz beginnt erst Stunden nach einem Aufenthalt auf Rasen oder Wiese und tritt nur von Juli bis Oktober auf. Flohstiche kommen ganzjährig vor und meist mit Haustier im Haushalt, Bettwanzenstiche entstehen nachts im Bett an freier Haut.

Wie lange juckt ein Stich der Herbstgrasmilbe?

Der Juckreiz setzt 3 bis 24 Stunden nach dem Kontakt ein, erreicht nach 24 bis 72 Stunden sein Maximum und lässt danach langsam nach. Meist ist die Sache nach ein bis zwei Wochen ausgestanden. Kühlen und juckreizstillende Gele verkürzen die Phase nicht, machen sie aber erträglich. Kratzen Sie nicht auf, sonst kommt eine bakterielle Entzündung dazu.

Übertragen Herbstgrasmilben Borreliose oder andere Krankheiten?

Für Mitteleuropa ist keine Krankheitsübertragung durch Neotrombicula autumnalis belegt. Borrelien überträgt hierzulande die Zecke, nicht die Grasmilbe. Das in Asien verbreitete Tsutsugamushi-Fieber geht auf verwandte Milbenarten zurück, die bei uns nicht vorkommen. Problematisch ist allein die Hautreaktion samt möglicher Kratzinfektion.

Kann ich Herbstgrasmilben dauerhaft aus dem Rasen entfernen?

Vollständig nicht. Die Milben leben im Boden angrenzender Flächen und wandern nach, deshalb wirkt jede Behandlung nur eine Saison. Sie können den Besatz aber spürbar drücken: kurz mähen, Schnittgut abfahren, vertikutieren und regelmäßig wässern. Ein zugelassenes Rasenakarizid ergänzt das auf stark genutzten Flächen, ersetzt die Pflege aber nicht.