Tauben
Die Stadttaube ist der häufigste Vogel in deutschen Innenstädten. Ärger macht dabei selten der Vogel, sondern sein Kot: Er greift Bausubstanz an, verstopft Dachrinnen und enthält Krankheitserreger. Dazu bringen Tauben Parasiten wie Taubenzecken und Vogelmilben ins Gebäude, die auch Menschen stechen. Verwilderte Haustauben dürfen Sie vergrämen und aussperren, töten dürfen Sie sie nicht.
Taubenbefall erkennen
Fast alle Tauben, die am Gebäude zum Problem werden, sind verwilderte Haustauben. Sie werden 30–35 cm lang, wiegen 250–400 g und zeigen jeden Farbschlag von blaugrau mit zwei schwarzen Flügelbinden bis fast weiß. Wildlebende Arten sehen anders aus: Die Ringeltaube ist mit 40–42 cm größer und trägt einen weißen Halsfleck. Der Unterschied zählt, weil für Wildtauben strengere Regeln gelten als für die Haustaube.
- Kotanhäufungen unter Simsen, auf Balkonen, in Lichtschächten und auf Dachböden
- Gurren, Trippeln und Flügelschlagen über abgehängten Decken, vor allem morgens
- Nester aus Zweigen, Federn und verbackenem Kot in Nischen und Abluftöffnungen
- verstopfte Dachrinnen und überlaufende Regenabläufe
- juckende Quaddeln bei Bewohnern: ein Hinweis auf Taubenzecken oder Vogelmilben aus einem Nest in der Nähe
Lebensweise
Stadttauben brüten bei guter Futterlage nahezu ganzjährig und ziehen vier bis sechs Bruten pro Jahr mit je zwei Eiern groß. Die Brutzeit beträgt 17–19 Tage, die Jungen verlassen das Nest nach rund vier Wochen. Ein Paar bleibt seinem Nistplatz jahrelang treu – deshalb wächst der Bestand auf einem geeigneten Dachboden schnell in den zweistelligen Bereich. Ursprünglich Körnerfresser, leben die Tiere in der Stadt von Backwaren, Imbissresten und gezielter Fütterung; sie werden im Schnitt nur zwei bis vier Jahre alt.
Schäden und Risiken
Eine einzelne Taube produziert jährlich rund 10–12 kg Kot. Der ist stark harnsäurehaltig: Er ätzt Kalk- und Sandstein an, korrodiert Zinkblech, greift Lack und Bitumenbahnen an. Nistmaterial verstopft Dachrinnen und Lüftungsgitter, was Feuchteschäden nach sich zieht.
Gesundheitlich zählen drei Punkte. Kot und Nester können Erreger wie Chlamydia psittaci (Ornithose), Salmonellen und den Hefepilz Cryptococcus neoformans enthalten – Infektionen sind selten, das Risiko steigt aber beim Einatmen aufgewirbelten Kotstaubs. Dauerkontakt mit Kot- und Federstaub kann die Taubenzüchterlunge auslösen, eine allergische Alveolitis. Und Nestparasiten suchen sich Ersatzwirte in der Wohnung: Taubenzecke, Rote Vogelmilbe und der Vogelfloh.
Wichtig: Größere Kotmengen nie trocken kehren. Kot anfeuchten, Schutzanzug, Handschuhe, Schutzbrille und Atemschutz FFP3 tragen, Material staubdicht verpacken, Fläche anschließend desinfizieren. Für Beschäftigte gilt die Biostoffverordnung.
Vorbeugen
- Nicht füttern: In vielen Städten ist das per Satzung verboten und mit Bußgeld belegt. Ohne Futter schrumpft ein Bestand von selbst.
- Essensreste beseitigen, Abfallbehälter geschlossen halten.
- Zugänge zu Dachböden und Lichtschächten mit UV-beständigen Netzen der Maschenweite 50 mm schließen.
- Fenster, Lüftungsöffnungen und Kaminabdeckungen vergittern.
- Simse, Fensterbänke und Geländer mit Spikes oder Spanndrähten unattraktiv machen.
- Beginnende Nester sofort entfernen, solange keine Eier darin liegen.
Tauben vergrämen
Wirksam ist nur Futterentzug plus konsequente bauliche Abwehr. Netze, Spikes und Spanndrahtsysteme halten dauerhaft, wenn sie lückenlos montiert sind; jede offene Ecke wird sofort wieder besiedelt. Vor dem Verschließen muss sicher sein, dass kein Vogel eingeschlossen wird und keine besetzten Nester vorhanden sind.
Nichts bringen Greifvogel-Attrappen, CDs und Flatterbänder – daran gewöhnen sich Tauben binnen Tagen. Für Ultraschallgeräte fehlt ein Wirknachweis. Klebepasten verkleben das Gefieder und sind tierschutzrechtlich problematisch. Gift gegen Tauben ist nicht zulässig. Große Kolonien reduziert man über betreute Taubenschläge mit Eiaustausch – das ist Sache der Kommune.
Tipp: Auf dem Balkon reicht meist ein straff gespanntes Netz an der offenen Seite plus Spikes auf der Brüstung. Wichtig ist die Reihenfolge: erst gründlich reinigen, dann verschließen.
Wann zum Profi?
Holen Sie einen Fachbetrieb, sobald Tauben einen Dachboden oder Lichtschacht besiedelt haben, größere Kotmengen zu entfernen sind oder Bewohner Stiche durch Nestparasiten haben. Auch Netze und Drahtsysteme an der Fassade gehören wegen Absturzgefahr in Fachhände. Die Verfahren erklärt Tauben bekämpfen und vergrämen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Sind Stadttauben gesetzlich geschützt?
Verwilderte Haustauben gelten rechtlich als verwilderte Haustiere und fallen nicht unter den besonderen Artenschutz. Sie unterliegen aber dem Tierschutzgesetz: Töten ohne vernünftigen Grund ist verboten, ebenso jede Methode, die vermeidbare Schmerzen oder Leiden verursacht. Vergrämen, Aussperren und das Entfernen unbesetzter Nester sind erlaubt. Anders bei Wildtauben – die Türkentaube ist besonders geschützt, die Ringeltaube unterliegt dem Jagdrecht.
Wie werde ich Tauben auf dem Balkon dauerhaft los?
Entfernen Sie zuerst alles, was als Futter oder Nistplatz dient, und reinigen Sie die Flächen gründlich. Danach den Balkon mechanisch sichern: Netz mit 50 mm Maschenweite an der offenen Seite, Spikes oder Spanndraht auf Brüstung, Geländer und Fensterbank. Halbherzige Lösungen scheitern, weil Tauben jede freie Kante nutzen. Sitzen bereits Eier oder Jungvögel im Nest, warten Sie das Ausfliegen ab.
Ist Taubenkot wirklich gefährlich?
Für gesunde Menschen ist gelegentlicher Kontakt kein großes Risiko, Infektionen wie die Ornithose sind selten. Kritisch wird es bei alten, eingetrockneten Kotschichten, wenn beim Kehren Staub mit Erregern und Pilzsporen eingeatmet wird. Reinigen Sie deshalb nur feucht und mit Handschuhen sowie FFP3-Maske. Größere Verkotungen auf Dachböden sollten Sie von einem Fachbetrieb sanieren lassen.