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Kleidermotten bekämpfen: So stoppen Sie die Löcher in der Kleidung

Eine goldgelb glänzende Kleidermotte mit schmalen Flügeln und rötlichem Kopfschopf sitzt seitlich auf hellem Untergrund.

Bild: Olaf Leillinger · CC BY-SA 2.5 · Wikimedia Commons

Runde Löcher im Wollpullover, kahle Stellen im Teppich, feine Gespinströhren in der Schrankritze: Das ist das Werk der Kleidermotte, genauer ihrer Larven. Die gute Nachricht: Mit einer gründlichen Schranksanierung, Hitze oder Kälte und bei Bedarf Schlupfwespen werden Sie den Befall ohne Gift wieder los. Hier steht Schritt für Schritt, wie Sie vorgehen und was Lavendel, Zedernholz und Mottenpapier wirklich taugen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur die Larven fressen Wolle, Pelz und Federn. Die erwachsenen Falter nehmen gar keine Nahrung auf.
  • Waschen ab 60 °C, eine Stunde bei 60 °C im Backofen oder eine Woche bei -18 °C im Gefrierschrank tötet alle Stadien.
  • Der Schrank muss komplett leer: Eier und Puppen sitzen in Ritzen, Bohrlöchern und an der Rückwand.
  • Schlupfwespen beseitigen einen Befall zuverlässig, brauchen aber 9 bis 12 Wochen.
  • Lavendel und Zedernholz schrecken höchstens ab. Einen bestehenden Befall stoppen sie nicht.

Kleidermotte erkennen und von anderen Tätern unterscheiden

Die Kleidermotte (Tineola bisselliella) ist ein unscheinbarer, strohgelb glänzender Falter von 6 bis 9 Millimetern Länge. Sie fliegt schlecht, flattert eher taumelnd und flüchtet vor Licht in dunkle Ritzen. Die eigentlichen Schädlinge sind ihre bis zu 10 Millimeter langen, weißlichen Larven. Sie fressen Keratin, das Faserprotein in Wolle, Haaren, Federn, Pelz und Filz, und hinterlassen unregelmäßige Löcher sowie röhrenförmige Gespinste.

Prüfen Sie vor der Behandlung, ob wirklich Kleidermotten am Werk sind:

  • Flattert es in der Küche? Dann handelt es sich meist um Lebensmittelmotten, die Vorräte statt Textilien befallen.
  • Löcher plus braune, behaarte Larven oder leere Larvenhäute? Dann kommen Teppichkäfer in Frage. Die Sanierung läuft ähnlich ab.
  • Fraß an Pelz und köcherartige Röhren, die mitwandern? Das spricht für die Pelzmotte, eine nahe Verwandte.

Klarheit bringt eine Pheromonfalle aus Drogerie oder Baumarkt (5 bis 10 Euro). Sie lockt die Männchen mit Sexuallockstoff auf eine Klebefläche. Zur Bekämpfung reicht das nicht, denn die begatteten Weibchen legen weiter Eier. Für Diagnose und Erfolgskontrolle ist die Falle aber das beste Werkzeug.

Warum immer neue Löcher entstehen

Ein Weibchen legt 100 bis 250 Eier direkt auf Wolle, Pelz oder verfilzte Staubflusen. Je nach Temperatur dauert die Entwicklung vom Ei zum Falter zwei Monate bis ein Jahr. In geheizten Wohnungen vermehren sich Kleidermotten deshalb ganzjährig. Die Larven sitzen bevorzugt dort, wo es dunkel und ungestört ist: in selten getragener Kleidung, auf Wollteppichen unter Schränken, in Polstermöbeln, Federkissen und Filzgleitern. Auch alte Vogelnester an der Fassade und eingeschleppte Secondhand-Textilien sind typische Quellen. Solange ein solcher Herd unentdeckt bleibt, tauchen im Schrank immer wieder frische Löcher auf, egal wie oft Sie einzelne Kleidungsstücke waschen.

Schritt für Schritt: den Kleiderschrank sanieren

  1. Ausräumen: Nehmen Sie alle Textilien heraus, auch die unbeschädigten. Die Eier sind nur etwa 0,5 Millimeter groß und kaum zu erkennen.
  2. Waschen: Alles, was das Pflegeetikett erlaubt, bei mindestens 60 °C waschen.
  3. Empfindliches behandeln: Wolle, Kaschmir und Seide vertragen keine Kochwäsche. Nutzen Sie Hitze oder Frost, wie im nächsten Abschnitt beschrieben.
  4. Aussaugen: Saugen Sie den leeren Schrank gründlich aus, besonders Ritzen, Bohrlöcher, Scharniere und die Kante zur Rückwand. Entsorgen Sie den Staubsaugerbeutel sofort in der Tonne draußen, sonst wandern die Larven zurück.
  5. Auswischen: Wischen Sie alle Flächen mit Essigwasser aus und lassen Sie den Schrank offen trocknen.
  6. Ritzen erhitzen: Föhnen Sie Ritzen und Ecken einige Minuten heiß ab oder nutzen Sie einen Dampfreiniger. Puppen überleben in Spalten sonst auch sorgfältiges Wischen.
  7. Kontrolliert einräumen: Lagern Sie Saisonware und selten getragene Wollsachen in dicht schließenden Kleidersäcken oder Boxen.
  8. Nachhalten: Stellen Sie eine Pheromonfalle auf und kontrollieren Sie sechs Wochen lang wöchentlich. Fängt sie weiter Falter, gibt es einen übersehenen Herd, häufig im Teppich unter einem Möbelstück.

Tipp: Kontrollieren Sie beim Ausräumen auch Filzgleiter unter Stühlen, Hutfilz und die Filzauskleidung von Schmuck- und Besteckkästen. Solche Kleinteile werden bei der Sanierung am häufigsten übersehen.

Hitze und Kälte gezielt einsetzen

Hitze

Ab etwa 55 °C sterben Eier, Larven und Puppen innerhalb einer Stunde. Praktikabel sind das Trocknerprogramm mit hoher Temperatur (mindestens 40 Minuten), der Backofen bei 60 °C Ober-/Unterhitze für eine Stunde (nur für hitzeunempfindliche Textilien, Tür einen Spalt offen lassen) und im Sommer das in der prallen Sonne geparkte Auto, in dem hinter Glas schnell über 60 °C erreicht werden. Auch ein Saunagang der Textilien funktioniert. Entscheidend ist, dass die Hitze das Gewebe vollständig durchdringt: dicke Stücke länger behandeln.

Kälte

Frost wirkt langsamer, weil vor allem die Eier unempfindlich sind. Verpacken Sie die Textilien in Plastikbeutel und legen Sie sie mindestens eine Woche bei -18 °C in den Gefrierschrank. Danach in der Verpackung auftauen lassen, damit sich kein Kondenswasser im Gewebe bildet. Bei besonders wertvollen Stücken wiederholen Sie den Zyklus nach zwei Tagen Pause.

Schlupfwespen: die wirksamste biologische Methode

Trichogramma-Schlupfwespen sind mit 0,3 bis 0,4 Millimetern kaum sichtbar, stechen nicht und interessieren sich ausschließlich für Motteneier, in die sie ihre eigenen Eier legen. Aus einem parasitierten Mottenei schlüpft keine Larve mehr. Sie erhalten die Tiere auf Kärtchen per Post: Legen Sie je ein Kärtchen pro Schrankfach aus und wiederholen Sie die Lieferung drei- bis viermal im Abstand von je drei Wochen, damit auch später schlüpfende Generationen erfasst werden. Die Gesamtbehandlung dauert 9 bis 12 Wochen und kostet je nach Anbieter und Schrankgröße 40 bis 120 Euro. Sind keine Motteneier mehr vorhanden, verschwinden die Schlupfwespen von selbst und zerfallen zu Staub. Kombinieren Sie die Methode immer mit der Schranksanierung, sonst wandern Larven aus unbehandelten Herden nach.

Lavendel, Zedernholz und Mottenpapier ehrlich bewertet

Hausmittel und Verdunster werden gern empfohlen. Ihre Wirkung fällt sehr unterschiedlich aus:

  • Lavendelsäckchen: Der Duft stört die Falter bei der Eiablage, tötet aber weder Eier noch Larven. Als Vorbeugung im sanierten Schrank sinnvoll, alle zwei bis drei Monate erneuern oder durchkneten.
  • Zedernholz: Wirkt ähnlich wie Lavendel und lässt rasch nach. Ringe und Blöcke regelmäßig anschleifen, sonst bleiben sie Dekoration.
  • Mottenkugeln mit Naphthalin: In der EU seit Jahren verboten und gesundheitsschädlich. Altbestände über die Schadstoffsammlung entsorgen.
  • Mottenpapier mit Pyrethroiden (z. B. Transfluthrin): Tötet Falter und Larven zuverlässig, bringt aber ein Insektizid in direkten Kontakt mit Ihrer Kleidung. Streng nach Anleitung dosieren und nicht in Kinderschränken einsetzen.
  • Ultraschallgeräte: Ohne belegte Wirkung gegen Kleidermotten. Sparen Sie sich das Geld.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Vorbeugen: So bleibt der Schrank mottenfrei

  • Kleidung nur gewaschen oder gereinigt einlagern. Schweiß und Hautschuppen machen selbst Mischgewebe zum Larvenfutter.
  • Wollsachen und Pelze für die Sommerpause in dicht schließende Hüllen packen.
  • Wollteppiche regelmäßig auch unter Möbeln saugen. Dort sitzen die meisten übersehenen Herde.
  • Fliegengitter anbringen: Von Mai bis September fliegen begattete Weibchen abends durch offene Fenster ein.
  • Alte Vogelnester an Fassade und Dachkasten außerhalb der Brutzeit entfernen, sie sind ein natürliches Reservoir.
  • Eine Pheromonfalle im Ankleide- oder Schlafzimmer dient als dauerhafte Frühwarnung.

Wann lohnt der Profi?

Wenn trotz Sanierung und Schlupfwespen nach drei Monaten weiter Falter in der Falle hängen, sitzt der Herd meist unerreichbar: im verklebten Teppichboden, im Dämmfilz oder hinter Einbauschränken. Ein Schädlingsbekämpfer findet solche Quellen mit systematischer Befallsermittlung und behandelt gezielt. Üblich sind dafür 150 bis 350 Euro. Was Sie dabei erwartet und woran Sie seriöse Betriebe erkennen, lesen Sie im Ratgeber Was kostet ein Kammerjäger?

Häufige Fragen

Woher kommen Kleidermotten plötzlich?

Meist fliegen begattete Weibchen zwischen Mai und September abends durch offene Fenster ein. Weitere Quellen sind Secondhand-Kleidung, gebrauchte Polstermöbel, Wollteppiche und alte Vogelnester am Haus. Ein einziges Weibchen mit 100 bis 250 Eiern reicht für einen Befall.

Bei welchen Temperaturen sterben Kleidermotten?

Hitze ab etwa 55 °C tötet alle Stadien innerhalb einer Stunde. Deshalb wirken Kochwäsche, Trockner und Backofen zuverlässig. Frost braucht länger: mindestens eine Woche bei -18 °C, weil die Eier vergleichsweise unempfindlich sind.

Reichen Pheromonfallen zur Bekämpfung aus?

Nein. Die Fallen fangen ausschließlich Männchen, die begatteten Weibchen legen weiter Eier. Pheromonfallen zeigen Ihnen aber, ob ein Befall besteht und ob Ihre Bekämpfung wirkt. Nutzen Sie sie zur Kontrolle, nie als einzige Maßnahme.

Sind Schlupfwespen in der Wohnung hygienisch bedenklich?

Nein. Die Tiere sind 0,3 bis 0,4 Millimeter klein, stechen nicht, fliegen kaum und interessieren sich nur für Motteneier. Sobald keine Eier mehr vorhanden sind, sterben sie und zerfallen zu unsichtbarem Staub.

Fressen Kleidermotten auch Baumwolle und Kunstfasern?

Reine Baumwolle und Synthetik enthalten kein Keratin und stehen deshalb nicht auf dem Speiseplan. Angefressen werden sie trotzdem, wenn sie mit Schweiß, Hautschuppen oder Essensresten verschmutzt sind oder Wollanteile enthalten. Mischgewebe mit Wolle sind regelmäßig betroffen.