Hausratte
Nachts poltert es über der Zimmerdecke, auf dem Dachboden liegen kleine, beidseitig spitze Kotkrümel: Das spricht für die Hausratte. Sie klettert hervorragend und besiedelt die oberen Etagen eines Gebäudes, weshalb sie lange unentdeckt bleibt. Seltener als die Wanderratte, aber in Hafenstädten, Altbauten und Landwirtschaft weiterhin anzutreffen. Als Gesundheitsschädling gehört sie schnell abgestellt.
Hausratte erkennen
Der Körper misst 16 bis 24 cm, dazu kommt ein dünner Schwanz von 20 bis 25 cm, der länger ist als der Rumpf. Das Gewicht liegt bei 150 bis 230 g. Auffällig sind die großen, fast unbehaarten Ohren und die spitze Schnauze, das Fell ist grau bis schwarzbraun. Die Wanderratte wirkt plump, wiegt bis 500 g und hat kleine Ohren sowie einen Schwanz, der kürzer bleibt als ihr Körper.
- Kot: 8 bis 12 mm lang, spindelförmig, an beiden Enden spitz. Wanderrattenkot misst 17 bis 20 mm und ist stumpf.
- Geräusche: Trippeln, Kratzen und Poltern im Dachstuhl und in Zwischendecken, vor allem nachts.
- Schmierspuren: dunkle, fettige Streifen an Balken, Rohren und Kanten entlang der Laufwege.
- Nagespuren: angefressene Kabel, Holzbalken, Kunststoffrohre und Vorratspackungen.
- Nester: Polster aus zernagtem Papier, Dämmwolle und Textilien in Hohlräumen.
Lebensweise
Hausratten sind dämmerungs- und nachtaktiv und leben in Rudeln mit fester Rangordnung. Sie klettern an rauem Mauerwerk, Fallrohren und Kabeln senkrecht nach oben und kommen über Dach, Fassade und angrenzende Bäume ins Haus, nicht über den Kanal. Bevorzugt fressen sie pflanzliche Kost wie Getreide, Samen, Nüsse und Obst, rund 15 g pro Tag in vielen kleinen Mahlzeiten. Weibchen sind mit drei bis vier Monaten geschlechtsreif, tragen 21 bis 24 Tage und bringen drei bis fünf Würfe pro Jahr mit je fünf bis zehn Jungen zur Welt. Neuem gegenüber bleiben Ratten misstrauisch und umgehen frisch aufgestellte Fallen oft tagelang.
Schäden und Risiken
Ratten verunreinigen mit Kot, Urin und Haaren weit mehr Lebensmittel, als sie fressen. Übertragen werden können Salmonellen, Campylobacter, Leptospiren (Weil-Krankheit), Hantaviren des Seoul-Typs und Bandwürmer, meist indirekt über Vorräte oder aufgewirbelten Kotstaub. Historisch verbreitete die Hausratte über den Tropischen Rattenfloh die Pest. Dazu kommen Bauschäden: Weil die Nagezähne lebenslang nachwachsen, nagen die Tiere an Kabelisolierungen, was Kurzschlüsse und Schwelbrände auslöst, ebenso an Kunststoffleitungen, Dämmung und Holz.
Wichtig: Ratten gelten nach § 17 Infektionsschutzgesetz als Gesundheitsschädlinge. In vielen Bundesländern und Kommunen verpflichten Rattenbekämpfungsverordnungen dazu, einen Befall dem Ordnungs- oder Gesundheitsamt zu melden.
Vorbeugen
- Öffnungen ab 2 cm schließen: Lüftungsgitter, Traufspalten, Rohrdurchführungen und Kellerschächte mit Edelstahlgewebe oder Lochblech sichern.
- Kletterhilfen entschärfen: Äste 1,5 m Abstand zum Dach halten, Efeu und Rankgitter zurückschneiden.
- Vorräte, Tier- und Vogelfutter in dicht schließenden Behältern aus Glas oder Metall lagern.
- Abfall in verschlossenen Tonnen sammeln, keine Speisereste auf den offenen Kompost geben.
- Dachboden und Abstellräume entrümpeln, Kartonstapel und Textilien liefern Nistmaterial.
Bekämpfen
Wirksam ist nur die Kombination aus Zugang verschließen, Nahrung entziehen und Tiere entnehmen. Nutzen Sie kräftige Schlagfallen in Rattengröße, aufgestellt an Wänden und Balken quer zum Laufweg. Legen Sie sie drei bis fünf Tage unscharf mit Köder aus, bis die Tiere sie gewohnheitsmäßig annehmen. Bewährt sind Nüsse, Nuss-Nougat-Creme und Trockenobst. Sichern Sie Fallen vor Kindern und Haustieren. Lebendfallen lösen wenig, freigelassene Ratten kehren über mehrere hundert Meter zurück.
Rodentizide gehören ausschließlich in manipulationssichere Köderstationen, im Freien dürfen sie nur sachkundige Anwender einsetzen. Verendete Tiere in Hohlräumen verursachen wochenlangen Geruch. Nichts bringen Ultraschallgeräte, Duftsteine sowie Hausmittel wie Gips oder Backpulver, Letzteres ist zudem tierschutzwidrig.
Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Wann zum Profi?
Holen Sie einen Schädlingsbekämpfer, sobald Sie Tiere am Tag sehen, an mehreren Stellen frischen Kot finden oder der Befall länger als zwei Wochen anhält. In Lebensmittelbetrieben, Gastronomie, Kitas und Pflegeeinrichtungen ist die dokumentierte Bekämpfung Pflicht. Unklar, ob Hausratte oder Hausmaus? Eine Ortsbesichtigung schafft schnell Klarheit.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich Hausratte und Wanderratte?
Die Hausratte ist schlanker, hat große dünnhäutige Ohren und einen Schwanz, der länger ist als ihr Körper. Die Wanderratte wirkt plump, hat kleine Ohren und einen kürzeren Schwanz. Auch der Kot hilft: Hausrattenkot ist 8 bis 12 mm lang und beidseitig spitz, Wanderrattenkot 17 bis 20 mm und stumpf. Und der Ort verrät viel, denn die Hausratte lebt oben im Gebäude, die Wanderratte unten in Keller und Kanal.
Muss ich einen Rattenbefall melden?
In vielen Bundesländern und Kommunen gilt eine Anzeigepflicht nach der örtlichen Rattenbekämpfungsverordnung, oft gegenüber dem Ordnungs- oder Gesundheitsamt. Zusätzlich ordnet § 17 Infektionsschutzgesetz die Bekämpfung von Gesundheitsschädlingen an. In Lebensmittelbetrieben ist die dokumentierte Bekämpfung ohnehin Pflicht. Ein kurzer Anruf bei der Gemeinde klärt, was für Ihre Adresse gilt.
Sind Hausratten gefährlich für den Menschen?
Direkte Angriffe sind sehr selten. Das Risiko liegt in der Übertragung von Krankheitserregern wie Salmonellen, Leptospiren oder Hantaviren über verunreinigte Lebensmittel und Kotstaub. Tragen Sie beim Reinigen befallener Bereiche Handschuhe und FFP2-Maske und feuchten Sie Kot vor dem Aufnehmen an, statt ihn trocken zu fegen.
Warum gehen die Ratten nicht an meine Falle?
Ratten sind neophob, sie meiden neue Gegenstände in ihrem Revier oft mehrere Tage lang. Legen Sie die Falle deshalb zunächst unscharf mit Köder aus und stellen Sie sie erst scharf, wenn der Köder regelmäßig verschwindet. Zusätzlich müssen alle anderen Nahrungsquellen verschlossen sein, sonst ist die Falle schlicht uninteressant.