Auwaldzecke
Die Auwaldzecke ist die zweithäufigste Zeckenart in Deutschland und hat sich in den letzten 25 Jahren von einzelnen Flussauen aus über weite Teile des Landes ausgebreitet. Für Hundehalter ist sie das größere Problem als für Menschen: Sie überträgt die Babesiose, umgangssprachlich Hundemalaria, die unbehandelt tödlich verläuft. Erkennbar ist sie an ihrem hell marmorierten Rückenschild, und sie ist genau dann unterwegs, wenn niemand mit Zecken rechnet.
Auwaldzecke erkennen
Ungesogen misst die Auwaldzecke 3,5 bis 5 mm und ist damit deutlich größer als der Gemeine Holzbock. Das auffälligste Merkmal ist das Rückenschild: Es ist weiß-grau marmoriert und hebt sich klar vom braunen Körper ab. Vollgesogene Weibchen erreichen bis 16 mm und wirken dann grau-blaugrün.
- Beim Hund sitzen die Zecken bevorzugt an Kopf, Ohren, Hals, Achseln und Zwischenzehenbereich.
- Auffällig ist die Jahreszeit: Wer im Februar oder November Zecken findet, hat es fast immer mit der Auwaldzecke zu tun.
Der Holzbock ist einfarbig rotbraun bis schwarz und kleiner, die Braune Hundezecke lebt dagegen als einzige Art auch in Wohnungen und Zwingern.
Lebensweise
Die Auwaldzecke entwickelt sich über drei Stadien und wechselt dabei dreimal den Wirt. Larven und Nymphen saugen an Mäusen und anderen Kleinsäugern, die erwachsenen Zecken an Hunden, Pferden, Rehen und Wildschweinen. Ein vollgesogenes Weibchen legt bis zu 4.000 Eier und stirbt danach.
Anders als der Holzbock hält sie längere Trockenphasen und Überschwemmungen aus und überlebt über ein Jahr ohne Blutmahlzeit. Sie wartet im hohen Gras auf Wirte, klettert dabei bis in 50 cm Höhe und ist bereits ab vier bis sieben Grad aktiv. Ihre Aktivitätsgipfel liegen im zeitigen Frühjahr und im Herbst, im Hochsommer legt sie eine Pause ein.
Schäden und Risiken
Wichtigster Erreger ist Babesia canis, der Auslöser der Hundebabesiose. Die Parasiten zerstören rote Blutkörperchen; typisch sind hohes Fieber, Fressunlust, Schwäche und dunkelbraun bis rot verfärbter Urin, meist fünf bis zwanzig Tage nach dem Stich. Unbehandelt endet die Erkrankung häufig tödlich, rechtzeitig behandelt sind die Aussichten gut.
Beim Menschen ist die Auwaldzecke seltener beteiligt. Sie kann Rickettsien übertragen, die zu einer Rötung mit Schorf an der Stichstelle, geschwollenen Lymphknoten und stellenweise Haarausfall führen (TIBOLA), außerdem in Einzelfällen FSME-Viren. Die Lyme-Borreliose spielt bei dieser Art praktisch keine Rolle – dafür ist der Holzbock verantwortlich.
Wichtig: Fieber, Mattigkeit oder dunkler Urin beim Hund nach einem Zeckenstich sind ein Notfall. Fahren Sie sofort zum Tierarzt und nennen Sie den Stich. Eine Babesiose lässt sich im Blutausstrich schnell nachweisen und gezielt behandeln.
Vorbeugen
- Hunde ganzjährig mit tierärztlich empfohlenem Zeckenschutz behandeln – die Auwaldzecke macht keine Winterpause.
- Nach jedem Spaziergang Hund und eigene Kleidung absuchen, besonders nach Wiesen und Uferwegen.
- Geschlossene Schuhe, lange Hosen, Hosenbeine in die Socken; helle Kleidung macht die Tiere sichtbar.
- Repellents mit DEET oder Icaridin auf Haut und Kleidung auftragen und nach zwei bis vier Stunden erneuern.
- Im Garten Rasen kurz halten, Laub- und Reisighaufen von Spielflächen fernhalten, Mäusen keine Verstecke bieten.
Zeckenstich richtig behandeln
Entfernen Sie die Zecke sofort, jede Stunde zählt. Fassen Sie das Tier mit einer feinen Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange möglichst hautnah und ziehen Sie es gerade heraus, ohne den Körper zu quetschen. Drehen ist erlaubt, Reißen nicht. Danach die Stelle desinfizieren und das Datum notieren.
Tipp: Öl, Klebstoff, Nagellack oder Hitze gehören nicht auf eine Zecke. Sie erhöhen den Stress des Tieres und damit die Menge an Speichel und Erregern, die in die Wunde gelangen.
Reste des Stechapparats wachsen meist von selbst heraus. Beobachten Sie die Stelle vier Wochen lang. Zeckensprays für Rasenflächen wirken kaum und treffen viele andere Insekten. Falls Sie Akarizide für Tier oder Fläche einsetzen: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Weitere Grundlagen finden Sie unter Zecken.
Wann zum Profi?
Zum Arzt gehören Sie bei Fieber, Kopfschmerzen, einer sich ausbreitenden Rötung oder geschwollenen Lymphknoten nach einem Stich. Zum Tierarzt bei jedem Verdacht auf Babesiose. Ein Schädlingsbekämpfer hilft, wenn Nager Zecken dauerhaft ins Grundstück tragen – dann braucht es Lebensraumpflege plus gezielte Nagerbekämpfung.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist die Auwaldzecke für Menschen gefährlich?
Sie sticht Menschen seltener als der Holzbock. Übertragen kann sie Rickettsien, die eine Rötung mit Schorf an der Stichstelle und geschwollene Lymphknoten verursachen, in Einzelfällen auch FSME-Viren. Für Borreliose gilt sie nicht als bedeutsamer Überträger. Beobachten Sie die Stichstelle trotzdem vier Wochen lang.
Wann ist die Auwaldzecke aktiv?
Sie wird bereits ab vier bis sieben Grad aktiv und hat ihre Gipfel im Februar bis Mai sowie September bis November. In milden Wintern ist sie auch zwischendurch unterwegs. Ein Zeckenschutz für Hunde nur von April bis Oktober greift bei dieser Art deshalb zu kurz.
Woran erkenne ich Babesiose beim Hund?
Typisch sind hohes Fieber, Fressunlust, Schwäche und dunkelbraun bis rötlich verfärbter Urin, meist fünf bis zwanzig Tage nach dem Stich. Das ist ein Notfall. Bei rechtzeitiger Behandlung mit einem spezifischen Medikament erholen sich die meisten Hunde vollständig.