Lästlinge: Tiere, die stören, aber nichts anrichten
Da krabbelt etwas durch die Wohnung — muss ich mir deswegen Sorgen machen?
Es beginnt fast immer gleich. An einem warmen Oktobertag sitzen plötzlich zwanzig schildförmige Wanzen innen am Fensterrahmen. Oder im Bad huscht etwas Silbriges über die Fliesen, sobald nachts das Licht angeht. Oder auf der Fensterbank liegen jeden Morgen ein paar winzige braune Käfer, die am Abend zuvor noch nicht da waren. Der erste Gedanke ist meist, dass etwas verdorben, verschimmelt oder kaputt sein muss. Bei dieser Gruppe stimmt das in aller Regel nicht.
Was diese Arten verbindet
Lästlinge stören, ohne Schaden anzurichten. Sie fressen keine Vorräte an, sie zerstören weder Holz noch Textilien, und sie übertragen im Wohnalltag keine Krankheiten. Was sie verbindet, ist kein gemeinsames Schadbild, sondern ein gemeinsamer Grund für ihr Auftauchen: Sie sind am falschen Ort. Drei Auslöser stecken hinter fast jedem Fall. Erstens die Witterung — nach schwülen Tagen kommt es zu Massenflügen, und ein einziger warmer Abend spült Hunderte Tiere ans beleuchtete Fenster. Zweitens die Überwinterungssuche: Ab September sucht die Marmorierte Baumwanze ebenso wie die Amerikanische Kiefernwanze eine trockene Felsspalte für den Winter, und ein Rollladenkasten ist für sie genau das. Drittens die Feuchtigkeit: Wo Wasser steht, leben Kellerasseln, Springschwänze und Silberfischchen, weil sie in trockener Luft schlicht vertrocknen würden. Die Wärme einer besonnten Südwand erklärt den Rest — die Gemeine Feuerwanze sammelt sich dort im Frühjahr zu Hunderten, ohne einer Pflanze, einem Haustier oder einem Menschen etwas zu tun.
So erkennen Sie einen Befall
Der wichtigste Hinweis ist ein negativer: Die Spuren fehlen. Keine angefressenen Packungen, keine Bohrlöcher im Holz, keine Fraßstellen in Wolle, kein Kot in Schubladen. Stattdessen finden Sie die Tiere selbst, und zwar berechenbar an denselben Stellen — an Fenstern, an Lampen, an der wärmsten oder der feuchtesten Ecke des Raums. Typisch ist außerdem die zeitliche Begrenzung: zwei Wochen im Herbst, ein paar Abende nach einem Gewitter, die nassen Monate im Keller. Liegen morgens tote Tiere immer unter demselben Fenster, ist das kein Nest, sondern ein undichter Zugang wenige Zentimeter daneben. Zählen Sie über drei bis vier Tage, wie viele Tiere zusammenkommen. Bleibt die Zahl gleich oder sinkt sie, handelte es sich um Zuzug von draußen. Steigt sie deutlich und über Wochen, sitzt eine Quelle im Haus — dann geht es fast immer um Feuchte, um altes Nistmaterial oder um Schimmel hinter einer Verkleidung, nicht um das Tier.
Was gegen die ganze Gruppe hilft
Aussperren und hinaussetzen genügt bei dieser Gruppe fast immer. Insektengitter vor Fenster und Lichtschächte, intakte Bürstendichtungen am Rollladenkasten, eine Dichtung unter der Kellertür und verfugte Risse an der Fassade halten den allergrößten Teil draußen. Wer abends Fenster öffnet, sollte vorher das Licht ausschalten oder das Gitter schließen, denn fast alle nächtlichen Anflüge steuern die hellste Fläche an. Gegen die Feuchteliebhaber wirkt nur Trocknung: kurz und quer stoßlüften statt Fenster kippen, keine Wäsche im Keller trocknen, Untersetzer von Zimmerpflanzen leeren, Laubhaufen und Holzstapel von der Hauswand abrücken. Einzelne Tiere setzen Sie mit Glas und Papier vor die Tür, größere Ansammlungen saugen Sie ab und entsorgen den Beutel sofort im Freien. Sprühmittel sind hier fast nie nötig und lösen das Problem auch nicht, weil sie den Zuzug nicht stoppen. Ebenso wenig helfen Lavendelsäckchen, Zedernholz, Essigschalen oder Ultraschallgeräte — deren Wirkung ist in Prüfungen regelmäßig ausgeblieben, wie der Überblick zu Hausmitteln gegen Schädlinge im Einzelnen zeigt.
Wann es ernst wird
Drei Ausnahmen verdienen mehr als ein Glas und ein Blatt Papier. Erstens die Zeigerarten: Treten Moderkäfer massenhaft am Fenster auf, sitzt irgendwo im Raum verdeckter Schimmel, und dann ist die Bausubstanz das Problem, nicht der Käfer. Dauerhaft hohe Assel- oder Silberfischzahlen deuten in dieselbe Richtung — auf eine Feuchtequelle, die gefunden werden muss. Zweitens der Stich: Wespen gehören zu dieser Gruppe, weil sie nichts zerstören und nichts übertragen, doch ein Nest direkt am Hauseingang, am Kinderspielplatz oder eine bekannte Insektengiftallergie im Haushalt sind ein klarer Fall für den Fachbetrieb. Nach einem Stich in Mund oder Rachen sowie bei Atemnot, Schwindel oder Ausschlag am ganzen Körper rufen Sie den Notruf 112. Drittens der Artenschutz: Gartenschläfer, Haussperling, Star, Mehlschwalbe und die Blauschwarze Holzbiene sind besonders geschützt, ihre besetzten Nester und Quartiere dürfen Sie nicht entfernen. Verschließen Sie Einschlupfstellen erst, wenn die Brut ausgeflogen ist. Ein Fund der Asiatischen Hornisse gehört umgekehrt gemeldet — die Art unterliegt der EU-weiten Meldepflicht, zuständig ist die untere Naturschutzbehörde. In allen übrigen Fällen gilt: Die Tiere verschwinden mit der Jahreszeit von selbst.
Anleitungen zu dieser Gruppe
Alle 36 Arten dieser Gruppe
Ameisen
Ameisenfischchen
Amerikanische Kiefernwanze
Asiatische Hornisse
Blauschwarze Holzbiene
Deutsche Wespe
Gartenschläfer
Geisterfischchen
Gemeine Feuerwanze
Gemeine Stechmücke
Gemeine Wespe
Gemeiner Ohrwurm
Große Drüsenameise
Große Winkelspinne
Haussperling
Heimchen
Kellerassel
Kugelkäfer
Marmorierte Baumwanze
Mauerassel
Mehlschwalbe
Mittlere Wespe
Moderkäfer
Rollassel
Rotfuchs
Rotrückige Hausameise
Saatkrähe
Sächsische Wespe
Schmetterlingsmücke
Schwarzgraue Wegameise
Silberfischchen
Springschwänze
Star
Staublaus
Weberknechte
Wespen
Gut zu wissen
Jedes Zimmer hat seine typischen Untermieter — ein Blick ins Haus zeigt, wo Sie zuerst nachsehen sollten.
Welcher Schädling taucht in welchem Raum auf?
Ameisen folgen Futterspuren in die Küche, Silberfische lieben das feuchte Bad, Kleidermotten sitzen im Schrank und Mäuse ziehen in Keller und Vorratsräume. Der Fundort ist oft der beste Hinweis auf die Art.
Muss ich einen Schädlingsbefall melden?
Bei Gesundheitsschädlingen wie Ratten besteht in vielen Gemeinden eine Meldepflicht; in Mietwohnungen sollten Sie den Vermieter immer umgehend informieren. Details dazu finden Sie in unseren Ratgebern.
Wann reicht Selbsthilfe, wann brauche ich den Profi?
Einzelne Tiere und ein früher Befall lassen sich oft selbst stoppen. Bei Bettwanzen, Schaben und Ratten ist der Schädlingsbekämpfer meist die schnellere und am Ende günstigere Lösung — unsere Lexikon-Einträge geben je Art eine klare Empfehlung.
Welche Tiere darf ich gar nicht bekämpfen?
Hornissen, Wildbienen, Hummeln und einige weitere Arten stehen unter besonderem Schutz (§ 44 BNatSchG). Nester dürfen nur mit Genehmigung umgesiedelt werden — wir zeigen, an wen Sie sich wenden.
Helfen Ultraschallstecker und Hausmittel wirklich?
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Poltert es nachts über der Decke, sind es meist Steinmarder oder Siebenschläfer im Dachstuhl.
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