Blauschwarze Holzbiene
Ein tiefes, sattes Brummen im Garten, dann landet ein fast daumengroßes, glänzend schwarzes Insekt auf dem Holzzaun: Die Blauschwarze Holzbiene ist die größte Wildbiene Deutschlands und wird regelmäßig für eine Hornisse oder eine übergroße Hummel gehalten. Sie nagt tatsächlich Gänge in Holz – aber nur in totes, trockenes. Und sie ist gesetzlich besonders geschützt.
Blauschwarze Holzbiene erkennen
Der Körper ist 20 bis 28 mm lang, gedrungen und vollständig schwarz behaart, ohne die hellen Binden einer Hummel. Auffällig sind die dunklen Flügel, die im Sonnenlicht blau bis violett metallisch schimmern. Die Flügelspannweite erreicht rund 45 mm.
- Lautes, tiefes Brummen im Flug, deutlich sonorer als bei einer Honigbiene
- Runde Bohrlöcher von etwa 10 bis 12 mm Durchmesser in Totholz, Balken oder Gartenmöbeln
- Helles, faseriges Nagemehl unter dem Loch, oft in kleinen Häufchen
- Männchen mit orangebraunem Endglied der Fühler, Weibchen durchgehend schwarz
Wichtig: Verwechseln Sie die Bohrlöcher nicht mit echtem Holzschädlingsbefall. Die Holzbiene hinterlässt einzelne, kreisrunde Löcher von rund einem Zentimeter. Ovale Ausfluglöcher von 5 bis 10 mm stammen vom Hausbock, viele winzige Löcher von 1 bis 2 mm vom Holzwurm. Diese beiden Arten greifen tragendes Bauholz an und müssen völlig anders beurteilt werden.
Lebensweise
Die Blauschwarze Holzbiene lebt solitär: Jedes Weibchen versorgt sein Nest allein, es gibt keinen Staat, keine Arbeiterinnen und keine Waben. Mit den kräftigen Kiefern nagt es einen Gang in morsches oder wettergrau verwittertes, unbehandeltes Holz. Der Hauptgang kann bis zu 30 cm lang werden und verzweigt sich mitunter. Darin legt das Weibchen hintereinander Brutzellen an, füllt jede mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar, legt ein Ei dazu und mauert die Zelle mit einer Trennwand aus Nagespänen und Speichel zu.
Anders als die meisten Wildbienen überwintert die Art als fertiges Insekt in Holzgängen, Spalten und Holzstapeln. Schon an den ersten warmen Märztagen sind die überwinterten Tiere unterwegs. Sie besuchen bevorzugt tieflippige Blüten wie Salbei, Platterbse, Wicken, Bohnen und Blauregen und sind dabei wertvolle Bestäuber. Ursprünglich war die Art auf den warmen Südwesten beschränkt, vor allem den Oberrheingraben. Seit den 1990er Jahren breitet sie sich nach Norden aus und ist inzwischen bis in den Norden Deutschlands nachgewiesen.
Schäden und Risiken
Der Schaden bleibt in aller Regel optisch. Die Holzbiene nutzt ausschließlich totes, trockenes oder bereits angemorschtes Holz an sonnigen Stellen: Pergolen, Fensterläden, Zaunpfähle, Terrassenbohlen, Gartenmöbel, Holzverkleidungen, freiliegende Balkenköpfe. Frisches, feuchtes oder lackiertes Holz meidet sie, ebenso glatte Hartholzoberflächen.
Die Statik eines Bauteils gefährdet sie praktisch nie. Es entstehen einzelne Röhren, kein flächiges Zerfressen des Querschnitts wie beim Hausbock. Kritisch wird es allenfalls, wenn dieselbe Stelle über Jahre von mehreren Generationen genutzt wird und offene Gänge Regenwasser aufnehmen. Dann ist nicht die Biene das Problem, sondern die Folgefeuchte und der Pilzbefall im Holz.
Gesundheitlich geht von der Art fast nichts aus. Weibchen können stechen, tun es aber nur, wenn man sie festhält oder auf sie tritt. Männchen besitzen überhaupt keinen Stachel; sie fliegen Menschen im Revier gelegentlich brummend an, das ist reiner Bluff. Wer auf Bienengift allergisch reagiert, hält trotzdem besser Abstand.
Vorbeugen
- Bauholz und Gartenmöbel glatt hobeln und mit Lasur, Lack oder Öl behandeln – geschlossene Oberflächen werden kaum angenommen
- Wettergraue, rissige Bretter an sonnigen Südseiten rechtzeitig überarbeiten oder austauschen
- Hartholz statt weicher Nadelhölzer verwenden, wo dauerhaft bewittertes Holz nötig ist
- Bewusst Totholz als Alternative anbieten: ein liegender Stamm oder ein Stapel dicker, trockener Aststücke in der Sonne lenkt die Weibchen vom Bauholz ab
- Konstruktiv arbeiten: Regenwasser ablaufen lassen, Hirnholz abdecken, Bodenkontakt vermeiden
Was erlaubt ist
Die Blauschwarze Holzbiene gehört wie alle heimischen Wildbienen zu den besonders geschützten Arten; für sie gelten die Zugriffsverbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Verboten ist es, die Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Bewohnte Nistgänge fallen darunter. Eine Bekämpfung mit Insektiziden ist damit unzulässig – unabhängig davon, ob ein Mittel überhaupt wirken würde.
Erlaubt und wirksam sind bauliche Maßnahmen an unbesiedeltem Holz: Oberflächen streichen, Bauteile ersetzen, Ausweichquartiere schaffen. Leere Gänge dürfen Sie schließen, aber nur, wenn Sie sicher sind, dass weder Brut noch überwinternde Tiere darin sitzen. Da die Art im Holz überwintert, ist das über weite Teile des Jahres nicht der Fall. Für Ausnahmen von den Verboten ist die Untere Naturschutzbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer Stadt zuständig.
Tipp: Gegen Neubesiedlung hilft nur eine geschlossene Oberfläche. Schleifen Sie wettergraues Holz an, füllen Sie Trockenrisse und streichen Sie deckend. Behandeln Sie dabei ausschließlich Flächen ohne Bohrlöcher. Bestehende Gänge bleiben unberührt, dort können Brut oder überwinternde Tiere sitzen.
Wann zum Profi?
Ein Schädlingsbekämpfer ist bei der Holzbiene der falsche Ansprechpartner, weil es nichts zu bekämpfen gibt. Fachlicher Rat lohnt sich in drei Fällen. Erstens, wenn unklar bleibt, ob die Löcher wirklich von der Holzbiene stammen: Ein Zimmerer oder Holzsachverständiger klärt die Art anhand von Lochform, Nagemehl und Fraßbild. Zweitens, wenn tragende Bauteile betroffen scheinen – dann werden Restquerschnitt und Holzfeuchte geprüft. Drittens, wenn ein Bauteil zwingend ausgetauscht werden muss, in dem nachweislich Brut sitzt. Sprechen Sie in diesem Fall vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde; viele Naturschutzverbände beraten zusätzlich zu Ersatzquartieren.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Zerstört die Holzbiene meinen Dachstuhl?
Nein. Die Blauschwarze Holzbiene nagt einzelne Röhren in totes, trockenes Holz und frisst den Querschnitt nicht flächig aus. Verbautes, tragendes Holz im Dachstuhl ist ihr in der Regel zu wenig verwittert. Finden Sie dort Bohrlöcher, sollten Sie eher an Hausbock oder Nagekäfer denken und die Lochform prüfen lassen.
Darf ich die Blauschwarze Holzbiene bekämpfen?
Nein. Als heimische Wildbiene ist sie besonders geschützt; es gelten die Zugriffsverbote des § 44 Bundesnaturschutzgesetz. Fangen, Töten und das Zerstören besetzter Nistgänge sind verboten. Erlaubt sind bauliche Maßnahmen an unbesiedeltem Holz; über Ausnahmen entscheidet die Untere Naturschutzbehörde.
Sticht die Blauschwarze Holzbiene?
Nur die Weibchen haben einen Stachel und setzen ihn praktisch nur ein, wenn man sie festhält oder auf sie tritt. Männchen können überhaupt nicht stechen, ihr brummendes Anfliegen ist reines Imponieren. Wer auf Bienengift allergisch reagiert, hält wie bei jeder Biene besser Abstand.
Wie unterscheide ich die Löcher von Holzwurmlöchern?
Über den Durchmesser. Die Holzbiene hinterlässt kreisrunde Löcher von etwa 10 bis 12 mm, also rund einen Zentimeter. Holzwurmlöcher messen nur 1 bis 2 mm, der Hausbock hinterlässt ovale Löcher von 5 bis 10 mm. Bei der Holzbiene fällt außerdem grobes, faseriges Nagemehl an.