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Lästling

Gemeine Feuerwanze

Sobald im März die ersten warmen Tage kommen, sitzen an Hauswänden, Mauersockeln und am Fuß alter Linden plötzlich Hunderte rot-schwarzer Insekten dicht beieinander. Das sieht dramatisch aus und löst jedes Frühjahr Anfragen aus. Der Befund ist unspektakulär: Die Gemeine Feuerwanze sticht nicht, beißt nicht, überträgt nichts und schädigt weder Haus noch Garten.

Gemeine Feuerwanze erkennen

Die Tiere sind 6,5 bis 12 mm lang, oval und flach. Kopf, Fühler und Beine sind schwarz, Halsschild und Flügeldecken leuchtend rot mit schwarzer Zeichnung: ein schwarzer Fleck vorn, dahinter ein schwarzes Dreieck und auf jeder Flügeldecke ein runder schwarzer Punkt. Das Muster erinnert an ein Gesicht und ist in Mitteleuropa praktisch unverwechselbar.

  • Rund 95 Prozent der Tiere haben verkürzte Flügel; die seltenen vollflügeligen Exemplare sind in aller Regel trotzdem nicht flugfähig
  • Larven sind fast ganz rot mit schwarzen Punkten und noch ohne ausgebildete Flügeldecken
  • Immer gesellig: Ansammlungen von Dutzenden bis mehreren Hundert Tieren aller Altersstufen

Wichtig: Feuerwanzen werden regelmäßig für Bettwanzen gehalten. Die Unterscheidung ist eindeutig: Bettwanzen sind einfarbig rotbraun ohne schwarzes Muster, nur 4 bis 6 mm groß und halten sich im Schlafzimmer nahe am Bett auf. Feuerwanzen sitzen im Freien an sonnigen Wänden und saugen ausschließlich an Pflanzensamen.

Lebensweise

Feuerwanzen saugen mit ihrem Stechrüssel an heruntergefallenen Samen, vor allem an denen der Linde. Dazu kommen Samen von Malvengewächsen wie Stockrose, Eibisch, Malve und Hibiskus sowie von Robinien. Gelegentlich saugen sie auch an Insekteneiern, toten Insekten oder an geschwächten Artgenossen; lebende Pflanzen schädigen sie nicht.

Erwachsene Tiere überwintern in Mauerspalten, unter Rinde und in der Laubstreu. Im Frühjahr kriechen sie hervor und sammeln sich an den wärmsten Stellen – Südwände, Sockelmauern, Steinplatten, Baumstämme. Diese Wärmeansammlungen sind die Massenauftritte, die im März und April auffallen. Erst nach der Überwinterung, im April oder Mai, legen die Weibchen ihre Eier ab. Die Larven durchlaufen fünf Stadien; in Mitteleuropa gibt es in der Regel eine Generation pro Jahr. Bis in den Herbst sieht man deshalb gemischte Gruppen aus Larven und erwachsenen Tieren.

Weil sie praktisch nie fliegen, breiten sich Feuerwanzen zu Fuß aus. Vorkommen sind daher ortsfest und an eine bestimmte Linde oder Mauer gebunden, oft über viele Jahre am selben Platz.

Schäden und Risiken

Für den Menschen geht von Feuerwanzen kein Risiko aus. Sie stechen nicht zu, ihr Rüssel ist auf Pflanzensamen ausgelegt. Sie übertragen keine Krankheiten, befallen keine Vorräte, fressen keine Textilien und beschädigen kein Holz. Auch gartenbaulich gelten sie als unschädlich und werden ausschließlich wegen ihres massenhaften Auftretens als Lästling wahrgenommen.

Zwei Punkte bleiben. Erstens verirren sich einzelne Tiere durch offene Fenster und Türen in Wohnräume; dort finden sie keine Nahrung und gehen ein. Zweitens geben sie bei starkem Druck ein streng riechendes Wehrsekret ab und hinterlassen auf hellen Textilien Flecken – ein Grund mehr, sie nicht zu zerdrücken. Anders als die Marmorierte Baumwanze oder die Amerikanische Kiefernwanze überwintern Feuerwanzen aber nicht in Massen im Gebäudeinneren.

Vorbeugen

  • Fliegengitter an Fenstern und Türen anbringen, Dichtungen und Kellerlichtschächte prüfen
  • Herabgefallene Linden- und Malvensamen zusammenrechen – damit entziehen Sie der Ansammlung die Nahrungsgrundlage
  • Laub und Mulch am Haussockel im Spätherbst entfernen, um Überwinterungsplätze zu verringern
  • Auf Stockrosen, Malven und Hibiskus direkt an der Hauswand verzichten, wenn Sie die Tiere dort nicht möchten

Bekämpfen

Eine Bekämpfung ist fachlich nicht begründet. Feuerwanzen sind kein Schädling, und jedes Mittel an der Fassade trifft zugleich Marienkäfer, Wildbienen und andere Insekten, die dort überwintern. Wenn eine Ansammlung stört, reichen mechanische Maßnahmen: die Tiere mit einem kräftigen Wasserstrahl von der Wand spülen, mit Handfeger und Kehrblech aufnehmen und einige Meter entfernt wieder aussetzen oder mit dem Staubsauger absaugen und den Beutel im Freien leeren.

Von Spritzmitteln und Hausmitteln wie Spülmittellösung ist abzuraten: Beides tötet unterschiedslos und löst das Problem nicht, weil aus der Umgebung ständig neue Tiere nachlaufen. Sollten Sie im Haushalt aus anderen Gründen zu einem Präparat greifen: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Wer eine Ansammlung dauerhaft loswerden will, muss an die Nahrung, nicht an die Tiere. Werden die Lindensamen jedes Jahr abgeräumt und der Mauerfuß frei gehalten, wandert die Kolonie in wenigen Jahren von selbst ab.

Wann zum Profi?

Für Feuerwanzen selbst braucht es keinen Schädlingsbekämpfer. Ein Anruf lohnt in zwei Fällen. Erstens bei Unsicherheit in der Bestimmung: Wenn die vermeintlichen Feuerwanzen im Schlafzimmer sitzen, klein und einfarbig rotbraun sind und Sie morgens Stichreihen an Armen oder Beinen feststellen, gehört ein Verdacht auf Bettwanzen rasch abgeklärt. Zweitens, wenn massenhaft Insekten aus einer Fassadenfuge oder einem Rollladenkasten kommen: Dann ist zu klären, welche Art dort tatsächlich sitzt und ob eine bauliche Abdichtung sinnvoll ist. Eine fachliche Bestimmung anhand guter Fotos ist meist in Minuten erledigt und erspart unnötige Mittel. Weitere Verwechslungskandidaten finden Sie in der Übersicht zu Wanzen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Sind Feuerwanzen gefährlich oder giftig?

Nein. Ihr Stechrüssel ist auf Pflanzensamen ausgelegt, sie stechen und beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Auch für Hunde und Katzen sind sie ungefährlich. Bei starkem Druck geben sie lediglich ein streng riechendes Wehrsekret ab.

Warum sitzen im Frühjahr Hunderte Feuerwanzen an meiner Hauswand?

Die Tiere überwintern als Erwachsene in Spalten und Laubstreu und sammeln sich an den ersten warmen Tagen an den wärmsten Stellen. Sonnige Südwände, Sockelmauern und Lindenstämme sind dafür ideal. Die Gruppen lösen sich im Lauf des Frühjahrs wieder auf, wenn die Tiere zur Eiablage abwandern.

Könnten das auch Bettwanzen sein?

Sehr unwahrscheinlich. Bettwanzen sind einfarbig rotbraun, nur 4 bis 6 mm groß und haben kein schwarzes Muster; sie leben im Schlafzimmer nahe am Bett, nicht an der Außenwand. Rot-schwarz gezeichnete Tiere an sonnigen Mauern oder unter Linden sind Feuerwanzen.

Schaden Feuerwanzen meinen Pflanzen?

Nein. Sie saugen an heruntergefallenen Samen von Linden, Malvengewächsen und Robinien, nicht an lebendem Pflanzengewebe. Blätter, Blüten und Früchte bleiben unversehrt. Gartenbaulich gelten Feuerwanzen deshalb als unschädlich.