Zum Inhalt springen
Lästling

Sächsische Wespe

Die Sächsische Wespe baut ihr graues Kugelnest gern unter Dachüberständen, in Carports und Gartenhäusern, also genau dort, wo Menschen sie bemerken. Sie gehört zu den Langkopfwespen und interessiert sich weder für Kuchen noch für Grillfleisch, anders als die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Konflikte entstehen fast nur, wenn das Nest unmittelbar am Hauseingang oder Fenster hängt.

Sächsische Wespe erkennen

Die Zeichnung ist typisch gelb-schwarz, das Gesicht jedoch auffällig langgezogen: Zwischen Auge und Oberkiefer liegt ein deutlicher Abstand. Auf dem Kopfschild sitzt meist ein einzelner schwarzer Strich oder Punkt. Sicherer als das Tier bestimmt man die Art über das Nest.

  • Freihängendes, rundes Nest aus grauem, fein gebändertem Papier, anfangs golfballgroß, später 10 bis 25 cm im Durchmesser.
  • Das Flugloch liegt unten am Nest, die Hülle ist geschlossen.
  • Standort geschützt und regensicher: Dachüberstand, Carport, Schuppen, Balkonkasten, Vogelnistkasten, gelegentlich Rollladenkasten.

Verwechselt wird sie mit der Mittleren Wespe, die dunkler wirkt und rötliche Zeichnungselemente trägt, sowie mit den beiden Kurzkopfwespen, deren Nester versteckt im Erdreich oder in Hohlräumen liegen.

Lebensweise

Eine einzelne begattete Königin überwintert und beginnt im April oder Mai mit dem Nestbau. Sie versorgt die erste Brut allein, ab Juni übernehmen die Arbeiterinnen. Ein Volk bleibt klein: 100 bis 300 Tiere sind die Regel, selten mehr.

Gefüttert werden die Larven mit Fliegen, Mücken, Raupen und Spinnen; ein mittleres Volk vertilgt in der Saison mehrere Kilogramm Insekten. Die erwachsenen Tiere nehmen Nektar und Honigtau auf. Ab August schlüpfen Jungköniginnen und Männchen, danach löst sich das Volk auf. Spätestens im Oktober ist das Nest leer, und es wird nie wieder bezogen.

Schäden und Risiken

Materialschäden entstehen praktisch keine. Das Nest sitzt auf der Oberfläche, Holz oder Putz werden nicht angenagt, nach dem Absterben des Volkes lässt sich die trockene Hülle abnehmen.

Das Risiko liegt beim Stich. Die Sächsische Wespe sticht nur, wenn sie sich am Nest bedroht fühlt, verteidigt dieses aber im Umkreis von etwa zwei bis vier Metern und reagiert empfindlich auf Erschütterungen, Rasenmäher und hektische Bewegungen. Ein Stich schmerzt und schwillt an, ist für die meisten Menschen jedoch harmlos. Ein Notfall liegt vor bei Stichen im Mund- und Rachenraum sowie bei jedem Zeichen einer Allgemeinreaktion: Atemnot, Engegefühl im Hals, Schwellung an Lippen, Zunge oder Rachen, Quaddeln fernab der Einstichstelle, Schwindel oder Kreislaufprobleme. Das gilt unabhängig davon, ob je eine Insektengiftallergie festgestellt wurde – die erste Allgemeinreaktion tritt gerade bei Menschen ohne Vordiagnose auf. Dann sofort den Notruf 112 wählen.

Vorbeugen

  • Von April bis Mai regelmäßig Dachüberstände, Carports, Gartenhäuser und Nistkästen kontrollieren; in dieser Phase baut die Königin noch allein.
  • Ein golfballgroßes Nest lässt sich in dieser frühen Phase bei Abwesenheit der Königin gefahrlos abnehmen.
  • Rollladenkästen, Verkleidungen und Spalten dicht halten, Fliegengitter an Fenstern anbringen.
  • Nistkästen, die nicht von Vögeln genutzt werden, im Frühjahr verschließen.

Bekämpfen

In den meisten Fällen ist die beste Maßnahme, das Nest bis zum Herbst hängen zu lassen. Reicht der Abstand nicht, hilft ein Sichtschutz aus Holz oder Stoff, der die Flugbahn um einige Meter verlegt, ohne das Flugloch zu blockieren.

Was nicht funktioniert: Nester mit Wasser fluten, das Flugloch zustopfen oder mit Bauschaum verschließen. Die Tiere nagen sich einen neuen Ausgang, im Rollladenkasten notfalls nach innen in den Wohnraum. Wespenfallen mit Zuckerlockstoff fangen überwiegend andere Insekten und lösen kein Nestproblem. Ultraschallgeräte, Kupfermünzen und aufgehängte CDs wirken nicht. Wespensprays aus dem Baumarkt provozieren bei einem besetzten Nest einen Gegenangriff.

Wichtig: Wespen sind nach § 39 BNatSchG allgemein geschützt. Nester dürfen nur bei vernünftigem Grund entfernt werden, etwa bei Allergie im Haushalt oder direktem Nest am Hauseingang; Verstöße können Bußgelder bis 50.000 Euro nach sich ziehen. Für Hornissen gilt mit § 44 BNatSchG ein noch strengerer Schutz. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann zum Profi?

Holen Sie einen Fachbetrieb, wenn das Nest im Einflugbereich von Haustür, Terrasse, Kinderzimmerfenster oder Rollladenkasten sitzt oder wenn im Haushalt eine Insektengiftallergie besteht. Fachbetriebe siedeln Nester der Sächsischen Wespe häufig um, statt sie zu töten; was das kostet, hängt von Zugänglichkeit, Höhe und Aufwand ab und lässt sich seriös erst nach einer Begutachtung vor Ort beziffern. Bei Nestern in großer Höhe oder in Hohlräumen ist Selbsthilfe der falsche Weg; mehr dazu unter Wespen.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Ist die Sächsische Wespe gefährlich?

Für gesunde Menschen nein. Sie sticht nur bei Bedrohung des Nestes und verteidigt es im Umkreis von etwa zwei bis vier Metern. Am Kaffeetisch taucht sie nicht auf, weil sie sich von Insekten und Nektar ernährt. Gefährlich sind Stiche bei Insektengiftallergie und im Mund- oder Rachenraum.

Darf ich das Nest einfach abschlagen?

Nein. Wespen unterliegen dem allgemeinen Artenschutz nach § 39 BNatSchG, ein Nest darf nur bei vernünftigem Grund entfernt werden. Als Grund gelten etwa eine Allergie im Haushalt oder ein Nest direkt an der Haustür. Wer ohne solchen Grund handelt, riskiert ein Bußgeld.

Wie lange bleibt das Nest bewohnt?

Nur eine Saison. Die Königin gründet im April oder Mai, das Volk erreicht im Hochsommer 100 bis 300 Tiere und stirbt ab Ende August ab. Spätestens im Oktober ist das Nest leer und kann gefahrlos abgenommen werden. Ein altes Nest wird im Folgejahr nicht erneut bezogen.