Große Drüsenameise
Seit einigen Jahren tauchen in Süd- und Westdeutschland Ameisenvorkommen auf, die mit dem gewohnten Bild nichts mehr zu tun haben: Hunderttausende Tiere auf wenigen hundert Quadratmetern, Nester unter Pflaster, in Verteilerkästen und Kabelschächten. Verantwortlich ist die Große Drüsenameise, eine aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Art.
Große Drüsenameise erkennen
Die Arbeiterinnen sind nur 2 bis 5 mm lang und einheitlich glänzend schwarz bis schwarzbraun, ohne rötliche Körperteile. Einzelmerkmale lassen sich mit bloßem Auge kaum prüfen. Erkannt wird die Art an der Kombination aus Verhalten und Menge.
- Arbeiterinnen deutlich unterschiedlicher Größe laufen nebeneinander auf derselben Straße
- Sehr hohe Individuenzahlen und breite, stark frequentierte Straßen über Wege, Mauern und Beete
- Beim Zerdrücken ein ranziger, an alte Butter erinnernder Geruch statt des sauren Geruchs nach Ameisensäure
- Die Puppen liegen nackt im Nest, nicht in einem Kokon wie bei den heimischen Wegameisen
Wichtig: Lassen Sie die Art bestimmen, bevor irgendetwas unternommen wird. Heimische Ameisen sind ökologisch wertvoll und sollten nicht versehentlich mitbehandelt werden; umgekehrt macht eine falsch angesetzte Behandlung bei der Drüsenameise die Lage schlechter. Bestimmungshilfen und Meldeportale halten Naturkundemuseen und viele betroffene Kommunen bereit.
Lebensweise
Die Art stammt aus dem Mittelmeerraum und wird überwiegend mit großen Kübel- und Ballenpflanzen verschleppt, etwa mit Oliven, Feigen und Palmen. In Deutschland ist sie seit 2009 nachgewiesen. Die Schwerpunkte liegen am Oberrhein und in Baden-Württemberg, Funde gibt es inzwischen auch in Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und bis nach Norddeutschland.
Entscheidend ist die Sozialstruktur. Ein Volk hat nicht eine Königin, sondern bis zu mehreren hundert, und benachbarte Nester bekämpfen sich nicht, sondern arbeiten zusammen. So entstehen Superkolonien: unterirdisch vernetzte Nestsysteme mit weit über einer Million Arbeiterinnen, die sich über einen Hektar erstrecken können. Bevorzugt besiedelt werden warme, trockene, versiegelte Flächen, also Pflasterfugen, Terrassen, Straßenränder, Parkplätze und Spielplätze. Neue Nester entstehen meist nicht durch Hochzeitsflüge, sondern durch Abspaltung, weshalb sich das Vorkommen langsam, aber stetig ausdehnt.
Schäden und Risiken
Die Tiere stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Das Problem ist die Masse. Beim Nestbau tragen sie Sand nach oben, so dass Pflastersteine, Gehwegplatten und Terrassenbeläge unterhöhlt werden und absacken. In Gebäuden dringen sie über Fugen und Leitungsschlitze in Küchen und an Vorräte vor, und zwar in Zahlen, die sich mit einheimischen Arten nicht vergleichen lassen.
Kritischer sind die technischen Schäden. Die Ameisen besiedeln bevorzugt warme Hohlräume und schleppen dabei Sand in Verteilerkästen, Kabelschächte und Schaltanlagen. Kurzschlüsse mit Ausfall von Strom oder Internetanschluss sind aus mehreren Gemeinden dokumentiert. Ökologisch verdrängt die Art heimische Ameisen und andere Insekten aus dem besiedelten Gebiet weitgehend.
Vorbeugen
- Mediterrane Kübel- und Ballenpflanzen vor dem Kauf und vor dem Aufstellen auf Ameisen im Wurzelballen prüfen
- Keine Erde, Pflanzen, Pflastersteine oder Gartenabfälle aus Befallsgebieten weitergeben oder umsetzen
- Verteilerkästen, Rohrdurchführungen und Fassadenspalten dicht halten
- Den ersten Verdacht früh der Gemeinde oder Stadtverwaltung melden, kleine Vorkommen sind noch beherrschbar
Bekämpfen
Vorweg das Unangenehme: Eine etablierte Superkolonie vollständig zu tilgen, gelingt praktisch nicht. Realistisch sind Zurückdrängen und Begrenzen, und das erfordert ein abgestimmtes Vorgehen über Grundstücksgrenzen hinweg. Behandelt nur ein Eigentümer, wandert die Kolonie zum Nachbarn und kommt zurück.
Bewährt haben sich Heißwasser- und Heißschaumverfahren, mit denen freigelegte Nester samt Königinnen und Brut behandelt werden, ergänzt durch professionelle Ködersysteme über längere Zeiträume. Auf Grünflächen werden zusätzlich Nematoden erprobt. Von Sprays, Streumitteln und Hausmitteln in Eigenregie raten Fachleute ausdrücklich ab: Sie töten Arbeiterinnen an der Oberfläche, erreichen die Königinnen nicht und veranlassen die Kolonie zur Abspaltung neuer Nester. Damit wird das Vorkommen größer statt kleiner. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Tipp: Dokumentieren Sie den Befall mit Fotos, Datum und einer groben Flächenskizze, bevor Sie jemanden hinzuziehen. Ausdehnung und zeitlicher Verlauf sind für die Einschätzung wichtiger als das einzelne Tier, und beides lässt sich später nicht mehr rekonstruieren.
Wann zum Profi?
Sobald der Verdacht besteht, und zwar in beide Richtungen: für die Bestimmung und für die Behandlung. Wenden Sie sich zuerst an Ihre Gemeinde, denn in mehreren betroffenen Regionen laufen koordinierte Programme, teilweise mit fachlicher Begleitung durch die Länder. Ein Schädlingsbekämpfer mit Erfahrung bei invasiven Ameisen sollte die Nester kartieren, bevor behandelt wird. Zwingend professionell wird es bei Nestern in Elektroverteilungen, an Bahn- und Verkehrsflächen oder unter Fundamenten. Zur Einordnung hilft die Übersicht zu Ameisen. Im Haus wird die Große Drüsenameise leicht mit der Rotrückigen Hausameise oder der Pharaoameise verwechselt, die beide anders bekämpft werden.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Wie unterscheide ich die Große Drüsenameise von einer gewöhnlichen Wegameise?
Am auffälligsten ist die schiere Menge: breite, dauerhaft belaufene Straßen mit sehr vielen Tieren unterschiedlicher Größe. Dazu kommt der ranzige, an alte Butter erinnernde Geruch beim Zerdrücken. Eine sichere Bestimmung liefern erst Fotos oder Belegtiere bei einer Fachstelle.
Kann ich die Ameisen selbst bekämpfen?
Von Eigenversuchen mit Sprays, Streumitteln oder Hausmitteln raten Fachleute ausdrücklich ab. Sie erreichen die vielen Königinnen nicht und lösen häufig die Abspaltung neuer Nester aus, wodurch sich das Vorkommen vergrößert. Sinnvoll ist es, zuerst die Gemeinde oder einen erfahrenen Fachbetrieb einzuschalten.
Muss ich einen Befall melden?
Behörden und Forschungsprojekte bitten ausdrücklich darum, jeden Verdachtsfall zu melden, denn nur so lässt sich die Ausbreitung dokumentieren und früh eingreifen. Welche Vorgaben vor Ort gelten und wer für öffentliche Flächen zuständig ist, erfahren Sie bei Ihrer Gemeinde oder der zuständigen Behörde. Auf dem eigenen Grundstück liegt die Verantwortung bei den Eigentümern.
Sind die Ameisen für Menschen oder Haustiere gefährlich?
Nein. Sie stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Belastend sind die Masse, das Eindringen in Wohnräume und an Lebensmittel sowie die Schäden an Pflaster, Terrassen und Elektroanlagen.