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Lästling

Weberknechte

Ein kleiner Körper auf acht überlangen, dünnen Beinen, der abends an der Hauswand oder im Kellerabgang sitzt: Weberknechte gehören zu den bekanntesten Tieren rund ums Haus und zu den am gründlichsten missverstandenen. Sie sind keine Spinnen, sie besitzen keine Giftdrüsen, und die Geschichte vom giftigsten Tier der Welt, das nur nicht zubeißen könne, ist frei erfunden.

Weberknechte erkennen

Der Körper ist je nach Art weltweit 2 bis 22 mm lang, bei den häufigen Arten an Gebäuden meist 4 bis 9 mm. Er wirkt wie eine einzige ovale Kugel, denn Vorder- und Hinterkörper sind verwachsen – die Einschnürung, die jede Spinne hat, fehlt vollständig. Obenauf sitzt ein kleiner Höcker mit genau einem Augenpaar. Die acht Beine erreichen bei manchen Arten das 25-Fache der Körperlänge.

  • Kein Netz und keine Spinnwarzen – Weberknechte haben keine Spinndrüsen
  • Ein Augenpaar auf einem Höcker statt sechs bis acht Augen wie bei Webspinnen
  • Ungegliederter Körper ohne Taille, oft mit dunklem Sattelmuster auf hellbraunem Grund
  • Bei Berührung wird ein Bein abgeworfen; es zuckt noch nach und lenkt Fressfeinde ab

Wichtig: Was in Wohnungen an der Zimmerdecke hängt und in einem Netz sitzt, ist fast nie ein Weberknecht, sondern die Große Zitterspinne. Sie hat einen deutlich zweigeteilten Körper, baut ein wirres Netz und versetzt es bei Störung in Schwingungen. Weberknechte laufen dagegen frei umher und sitzen bevorzugt an Außenwänden.

Lebensweise

Weberknechte jagen nicht mit einem Netz, sondern laufen ihre Beute ab. Sie fressen Milben, Springschwänze, Blattläuse und kleine Schnecken, außerdem tote Insekten, Aas, Pilze und weiches Fallobst. Damit sind sie eher Aufräumer als Räuber. Anders als Spinnen können sie feste Nahrungsbrocken aufnehmen und zerkleinern, statt die Beute außerhalb des Körpers zu verflüssigen.

Die meisten Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv und suchen tagsüber Spalten, Laubstreu, Holzstapel, Schuppenwände und Gartenmauern auf. Aus Deutschland sind rund 55 Arten bekannt; besonders häufig an Gebäuden und in offener Landschaft ist Phalangium opilio, kenntlich an der auffallend weißlichen Unterseite. Die Hauptzeit liegt zwischen Juli und Oktober, deshalb fallen die Tiere im Spätsommer so auf. Viele Arten überwintern als Ei oder Jungtier, einige sammeln sich an geschützten Stellen zu großen Gruppen, die sich bei der kleinsten Störung wieder auflösen.

Statt Giftdrüsen besitzen alle Weberknechte ein Paar Wehrdrüsen am seitlichen Vorderrand des Körpers. Bei Gefahr geben sie ein streng riechendes Sekret ab, das kleine Angreifer abschreckt. Für den Menschen ist es ohne Bedeutung.

Schäden und Risiken

Weberknechte richten keinerlei Schaden an. Sie beißen nicht: Ihre Kieferklauen sind zum Zerkleinern winziger Beutetiere gebaut und dringen nicht durch menschliche Haut. Sie haben keine Giftdrüsen, übertragen keine Krankheiten, gehen nicht an Vorräte, Textilien oder Holz und verschmutzen nichts. Einen Befall im Sinne einer Schädlingsart gibt es bei ihnen nicht.

Der weit verbreitete Satz, der Weberknecht sei extrem giftig, könne aber nicht zustechen, ist doppelt falsch: Es gibt weder das Gift noch die dafür nötigen Giftkanäle in den Klauen. Auch die Sorge vor Bissen echter Hausspinnen wie der Großen Winkelspinne ist in Mitteleuropa weitgehend unbegründet. Bleibt der praktische Punkt: Viele Menschen empfinden die langen Beine als unangenehm, und in ruhigen Ecken hinterlassen die Tiere gelegentlich kleine Kotpunkte.

Vorbeugen

  • Kellerfenster und Lichtschächte mit engmaschigem Gitter versehen
  • Türdichtungen und Bürstenleisten prüfen, Spalten am Kellerabgang schließen
  • Außenbeleuchtung reduzieren oder auf warme Lichtfarben umstellen – sie lockt weniger Beuteinsekten und damit weniger Weberknechte an
  • Laub, Bretter und Brennholz mit Abstand zur Hauswand lagern

Ganz vermeiden lassen sich die Tiere an einer Fassade nicht, und das muss auch nicht sein: Sie fressen unter anderem Spinnmilben und andere Kleintiere, deren Verschwinden in Ihrem Sinne ist.

Bekämpfen

Eine Bekämpfung ist bei Weberknechten fachlich nicht begründet. Einzelne Tiere fangen Sie mit Glas und Papier ein und setzen sie draußen ab; greifen Sie dabei nie an ein Bein, weil die Tiere es abwerfen. Größere Ansammlungen im Keller oder unter der Dachschräge saugen Sie mit einem Staubsauger mit langem Rohr ab und leeren den Beutel im Freien.

Sprays und Vernebler sind hier ungeeignet: Sie belasten die Raumluft, treffen viele andere Arten mit und ändern nichts daran, dass von außen ständig neue Tiere nachrücken. Falls Sie im Haushalt ohnehin ein Mittel gegen andere Arten einsetzen: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Gegen Weberknechte wirken allein trockene, aufgeräumte Ecken und dichte Zugänge.

Tipp: Ein Weberknecht an der Wand ist ein brauchbarer Hinweis darauf, dass es dort feucht ist und Kleinstlebewesen als Nahrung vorhanden sind. Prüfen Sie den Bereich – oft finden Sie zugleich Kellerasseln oder Springschwänze, die dieselbe Ursache haben.

Wann zum Profi?

Wegen Weberknechten allein muss niemand eine Fachfirma rufen. Sinnvoll wird das erst, wenn die Tiere dauerhaft und in großer Zahl im Innenraum auftreten. Dann sind sie ein Symptom: Entweder gibt es eine offene Verbindung nach draußen oder ein Feuchteproblem mit reichlich Kleinstlebewesen als Nahrungsgrundlage. Ein Fachbetrieb bestimmt die Art, findet die Eintrittsstellen und benennt die baulichen Maßnahmen. Wenn Sie sich bei der Bestimmung unsicher sind und eine Spinne mit schmerzhaftem Biss befürchten, hilft schon ein scharfes Foto: Ein ungeteilter Körper mit einem einzigen Augenpaar schließt jede Webspinne sicher aus.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Sind Weberknechte giftig?

Nein. Weberknechte besitzen weder Giftdrüsen noch Giftkanäle in den Kieferklauen. Die verbreitete Behauptung, sie seien hochgiftig, könnten aber nicht zubeißen, ist frei erfunden. Zur Verteidigung nutzen sie lediglich ein streng riechendes Sekret aus Wehrdrüsen, das für Menschen ohne Bedeutung ist.

Ist der Weberknecht überhaupt eine Spinne?

Nein. Er gehört zu den Spinnentieren, bildet aber eine eigene Ordnung neben den Webspinnen. Der sicherste Unterschied: Bei Weberknechten sind Vorder- und Hinterkörper zu einer Einheit verwachsen, die Taille fehlt. Außerdem haben sie nur ein Augenpaar und keine Spinndrüsen.

Weberknecht oder Zitterspinne – was hängt an meiner Zimmerdecke?

Im Wohnraum ist es fast immer die Große Zitterspinne. Sie hat einen deutlich zweigeteilten Körper und sitzt in einem wirren Netz, das sie bei Störung in Schwingung versetzt. Weberknechte bauen kein Netz und halten sich bevorzugt an Außenwänden, im Keller und im Schuppen auf.

Muss ich Weberknechte bekämpfen?

Nein. Sie schädigen nichts, übertragen nichts und fressen sogar Milben und andere Kleintiere. Wenn Sie die Tiere nicht im Raum haben möchten, fangen Sie sie mit Glas und Papier ein und setzen sie draußen aus. Sprays sind hier weder nötig noch sinnvoll.