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Lästling

Gemeiner Ohrwurm

Im Spätsommer tauchen Ohrwürmer plötzlich in der Wohnung auf: in der Wäsche von der Leine, im Blumenstrauß, hinter dem Rollladenkasten. Die Zange am Hinterleib wirkt wehrhaft, und der Name tut sein Übriges. Beides führt in die Irre. Der Gemeine Ohrwurm sticht nicht, überträgt keine Krankheiten und ist im Garten einer der nützlichsten Mitbewohner überhaupt.

Gemeinen Ohrwurm erkennen

Der Körper ist einschließlich Zange 10 bis 24 mm lang, meist 14 bis 17 mm, flach und kastanienbraun. Der Kopf ist rötlich, die Beine sind gelblich. Auf dem Rücken sitzen kurze, lederige Flügeldecken, unter denen die hellen Hinterflügel wie zwei Viertelkreise hervorschauen. Das auffälligste Merkmal ist die Zange am Hinterleibsende.

  • Männchen: Zange an der Basis breit, stark gebogen, mit deutlichen Zähnen
  • Weibchen: Zange kürzer, fast gerade und ohne Zähne
  • Nachtaktiv; tagsüber dicht gedrängt in engen Spalten unter Rinde, Steinen, Blumentöpfen und Fensterläden
  • Larven sehen aus wie blassere, kleinere Erwachsene mit noch weicher Zange

Wichtig: Die Zange dient zum Verteidigen, zum Zusammenfalten der Hinterflügel und zur Paarung. Große Männchen können zwicken, wenn man sie fest in die Hand nimmt – das ist unangenehm, aber folgenlos. Gift, Stachel oder Krankheitserreger besitzt der Ohrwurm nicht.

Lebensweise

Ohrwürmer fressen fast alles: Blattläuse, Milben, Insekteneier, kleine Raupen, Aas, Pilzrasen, Blütenblätter und weiches Obst. Im Obst- und Weinbau gelten sie als wichtige Gegenspieler von Blatt- und Blutläusen und werden dort mit künstlichen Verstecken gezielt gefördert.

Ungewöhnlich ist ihre Brutpflege. Das Weibchen legt im Herbst oder im zeitigen Frühjahr rund 50 bis 90 Eier in eine selbst gegrabene Erdhöhle, putzt und wendet sie ständig und hält so Schimmelpilze fern. Auch die frisch geschlüpften Larven bewacht es noch eine Weile. Die Larven durchlaufen vier Stadien; ab Juli sind die erwachsenen Tiere unterwegs. Überwintert wird als erwachsenes Tier in Erdhöhlen, unter Rinde und Laub. Weil Ohrwürmer gesellig sind und dieselben Verstecke aufsuchen, findet man selten nur ein einzelnes Exemplar.

In Gebäude geraten sie fast immer unfreiwillig – mit Wäsche, Schnittblumen, Gemüsekisten und Brennholz oder durch offene Fenster. Fortpflanzen können sie sich in trockenen Wohnräumen nicht; was hereinkommt, stirbt von selbst aus.

Schäden und Risiken

Gesundheitlich ist der Ohrwurm ohne Bedeutung. Er sticht nicht, überträgt keine Krankheiten und geht weder an Vorräte noch an Textilien oder Bauholz. Auch der Name führt in die Irre: Ins Ohr kriecht das Tier nicht. Die Bezeichnung geht vermutlich auf die alte Volksmedizin zurück, in der getrocknete und zerriebene Ohrwürmer gegen Ohrenleiden verwendet wurden.

Störend wird er nur in zwei Fällen. Im Garten geht er bei Blattlausmangel an weiches Obst – Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen, Erdbeeren, Trauben – sowie an Dahlienblüten und junge Salatblätter. Der Fraß ist ausgefranst und unregelmäßig; häufig weitet er nur Wunden aus, die Vögel oder Wespen begonnen haben. Im Haus stört das abendliche Krabbeln über Wand und Decke, ähnlich wie beim deutlich schnelleren Spinnenläufer. Sammeln sich viele Tiere an der sonnigen Hausseite, erinnert das an das Massenauftreten der Gemeinen Feuerwanze – auch hier ist es ein optisches, kein hygienisches Problem.

Vorbeugen

  • Wäsche, Schnittblumen, Obst und Gemüse vor dem Hereintragen ausschütteln und kurz kontrollieren
  • Fenster- und Türdichtungen erneuern, Fliegengitter einsetzen, Rollladenkästen und Lüftungsöffnungen abdichten
  • Laubhaufen, Bretterstapel, Brennholz und Blumentöpfe nicht direkt an die Hauswand stellen
  • Dauerfeuchte Mulchschichten am Sockel vermeiden und dort sparsamer wässern
  • Außenlicht sparsam einsetzen oder auf warmweiße Leuchten umstellen, die weniger Insekten anziehen

Bekämpfen

In den allermeisten Fällen ist gar keine Bekämpfung nötig. Ohrwürmer zählen weder zu den Material- noch zu den Gesundheitsschädlingen; ein Biozideinsatz ist gegen sie fachlich nicht begründet. Einzelne Tiere fangen Sie mit einem Glas und einem Blatt Papier ein und setzen sie im Garten wieder aus.

Bei größeren Ansammlungen arbeitet man mit Umsiedlungsfallen. Füllen Sie einen Blumentopf locker mit Holzwolle, Stroh oder zerknülltem Papier und stellen Sie ihn mit der Öffnung nach unten dorthin, wo die Tiere laufen. Tagsüber ziehen sie sich hinein, morgens tragen Sie den Topf nach draußen. Im Obstgarten hängt man dieselben Töpfe umgekehrt in die Baumkrone – dort sind die Bewohner ausdrücklich erwünscht. Feuchte Zeitungsrollen oder ein flach aufliegendes Brett wirken genauso. Falls Sie ausnahmsweise doch zu einem Präparat greifen: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Tipp: Ultraschallgeräte und Essigschalen halten Ohrwürmer nicht ab, und ein Insektenspray an der Fassade trifft vor allem Nützlinge. Wirksam sind nur drei Dinge: Verstecke anbieten, absammeln, Zugänge schließen.

Wann zum Profi?

Ein Schädlingsbekämpfer wird beim Ohrwurm selten gebraucht. Sinnvoll ist er, wenn über Wochen immer wieder viele Tiere an derselben Stelle ins Haus kommen. Dahinter steckt dann meist kein Schädlingsproblem, sondern ein bauliches: eine offene Fuge, ein undichter Rollladenkasten, feuchtes Mauerwerk oder eine hinterlüftete Fassade mit freiem Zugang. Treten gleichzeitig Kellerasseln oder Silberfischchen auf, ist Feuchtigkeit fast immer die gemeinsame Ursache. Ein Fachbetrieb findet die Eintrittsstellen und benennt die nötigen Abdichtungen – das löst das Problem dauerhafter als jedes Mittel.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Kriechen Ohrwürmer wirklich ins Ohr?

Nein. Ohrwürmer suchen enge, dunkle Spalten, das menschliche Ohr gehört nicht zu ihren Zielen. Der Name geht vermutlich auf die alte Volksmedizin zurück, in der zerriebene Ohrwürmer gegen Ohrenleiden eingesetzt wurden. Eine Gefahr fürs Gehör besteht nicht.

Können Ohrwürmer mit ihrer Zange zwicken?

Große Männchen können zwicken, wenn man sie fest in die Hand nimmt. Die Haut durchdringen sie dabei in der Regel nicht, Gift oder Stachel besitzen sie nicht. Der Zwick ist unangenehm und bleibt folgenlos.

Sind Ohrwürmer im Garten nützlich oder schädlich?

Überwiegend nützlich. Sie fressen Blattläuse, Milben, Insekteneier und kleine Raupen und gelten im Obst- und Weinbau als wichtige Gegenspieler von Blatt- und Blutläusen. Erst wenn Blattläuse fehlen und die Tiere sehr zahlreich sind, gehen sie an weiches Obst und an Blüten.

Wie werde ich Ohrwürmer in der Wohnung los, ohne sie zu töten?

Stellen Sie einen locker mit Holzwolle oder zerknülltem Papier gefüllten Blumentopf umgekehrt dorthin, wo die Tiere laufen. Tagsüber verkriechen sie sich darin, morgens tragen Sie den Topf nach draußen. Dichten Sie zusätzlich Fenster- und Türspalten ab, dann bleibt es dabei.