Zum Inhalt springen
Lästling

Mehlschwalbe

Mehlschwalben kleben ihre geschlossenen Lehmnester direkt unter Dachtraufen, Balkonplatten und Fenstersimse. Genau dort fällt der Kot auf Terrasse, Fassade und Autolack, und genau deshalb werden jedes Jahr Nester abgeschlagen. Das ist verboten und meist unnötig: Ein Kotbrett löst den Konflikt in einer halben Stunde.

Mehlschwalbe erkennen

Die Mehlschwalbe ist mit 12 bis 14 cm etwas kleiner als die Rauchschwalbe. Oberseite und Kopf sind blauschwarz und metallisch glänzend, die gesamte Unterseite ist rein weiß. Das sicherste Kennzeichen ist der leuchtend weiße Bürzel über dem nur kurz gegabelten Schwanz. Die Füße sind weiß befiedert.

  • Nest als geschlossene Lehmhalbkugel mit kleinem Einschlupf oben, direkt an der Wand unter einem Vorsprung
  • Immer außen am Gebäude, meist in Gruppen von mehreren Nestern nebeneinander
  • Jagt höher und weiter über den Dächern als die Rauchschwalbe

Zur Abgrenzung: Die Rauchschwalbe hat eine rostrote Kehle, lange Schwanzspieße und keinen weißen Bürzel. Ihr Nest ist oben offen und liegt im Gebäudeinneren, etwa in Ställen und Scheunen. Auch der Haussperling besetzt gelegentlich Mehlschwalbennester und erweitert das Einflugloch dabei grob.

Lebensweise

Mehlschwalben sind Langstreckenzieher. Sie kehren ab April aus den Winterquartieren südlich der Sahara zurück und ziehen im September und Oktober wieder ab. Ein Paar zieht meist zwei Bruten mit je vier bis fünf Jungen groß; die letzten Jungvögel sitzen manchmal noch Ende September im Nest.

Das Nest bauen beide Partner aus vielen hundert Lehmkügelchen, die sie an feuchten Pfützen, Uferrändern oder offenen Bodenstellen aufnehmen. Fehlen solche Lehmstellen in der näheren Umgebung, unterbleibt der Nestbau. Das ist ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Art in stark versiegelten Ortslagen. Auch glatte Kunstharzputze und Dämmfassaden sind ein Problem, weil der Lehm auf ihnen oft nicht hält. Die Nahrung besteht ausschließlich aus fliegenden Insekten, die im Flug erbeutet werden.

Schäden und Risiken

Von der Mehlschwalbe selbst geht keine nennenswerte Gesundheitsgefahr aus. Der eigentliche Konflikt ist die Verschmutzung unterhalb der Kolonie: Kot auf Terrassenplatten, Fensterbänken, Balkonbrüstungen und Fassadenputz, gelegentlich auch auf Fahrzeugen. Bei mehreren Nestern über einem Hauseingang kann das erheblich werden.

In alten, mehrfach genutzten Nestern leben Nestparasiten, vor allem die Schwalbenwanze und die Rote Vogelmilbe. Solange die Nester außen an einer geschlossenen Wand sitzen, bleiben diese Tiere dort. Über offene Fugen oder gekippte Fenster in unmittelbarer Nähe können einzelne Wanzen ins Haus gelangen und stechen; dauerhaft siedeln sie sich in Wohnräumen aber nicht an.

Wichtig: Schwalbennester dürfen nicht abgeschlagen werden, auch nicht im Winter, wenn sie leer sind. Sie gelten als regelmäßig wiederbenutzte Fortpflanzungsstätte und sind damit ganzjährig geschützt. Wer sie ohne Ausnahmegenehmigung entfernt, verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Vorbeugen

Wer die Verschmutzung vermeiden will, arbeitet mit Auffangen und Lenken statt mit Entfernen.

  • Kotbrett unter der Nestreihe anbringen: rund 30 cm breit und mindestens 50 bis 60 cm unter den Nestern, damit der Anflug frei bleibt
  • Kunstnester gezielt an unkritischer Stelle setzen, mindestens 4 m hoch, unter einem Dachüberstand von etwa 30 cm, Ausrichtung nach Nord bis Ost
  • Empfindliche Bereiche wie Hauseingänge außerhalb der Brutzeit baulich so gestalten, dass dort kein Nest Halt findet

Tipp: Kunstnester werden am ehesten angenommen, wenn mehrere nebeneinander hängen: Sechs bis zehn Stück in einer Reihe wirken deutlich besser als ein einzelnes. Manche Kommunen und Naturschutzverbände geben Kunstnester und Kotbretter ab oder fördern den Einbau; fragen Sie vor dem Kauf nach.

Was erlaubt ist

Die Mehlschwalbe ist nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Verboten sind das Töten, Verletzen und erhebliche Stören der Vögel während der Brut- und Aufzuchtzeit sowie die Beschädigung oder Zerstörung der Nester. Weil die Nester über Jahre wiederbenutzt werden, gilt dieser Schutz ganzjährig.

Erlaubt und ausdrücklich erwünscht sind Kotbretter, das Anbringen von Kunstnestern und das Reinigen der Flächen darunter. Fassadenarbeiten an Gebäuden mit Schwalbenkolonie sind außerhalb der Brutzeit möglich, also etwa von Oktober bis Ende März. Sollen im Zuge einer Sanierung tatsächlich Nester entfallen, ist vorab eine Ausnahme bei der Unteren Naturschutzbehörde zu beantragen. Üblich ist dann ein Ersatz durch Kunstnester am selben Gebäude, in der Regel in mehrfacher Anzahl. Netze, Draht oder Spikes gegen eine bestehende Kolonie sind keine zulässige Eigenmaßnahme.

Wann zum Profi?

Für Kotbrett und Kunstnest genügen meist eine sichere Leiter und ein freier Nachmittag. Fachliche Unterstützung lohnt sich, wenn eine größere Kolonie von einer Sanierung betroffen ist und die artenschutzrechtliche Abstimmung mit der Behörde dokumentiert werden muss, wenn Nester in großer Höhe hängen oder wenn nach dem Abzug der Vögel Schwalbenwanzen oder Vogelflöhe in angrenzende Räume wandern. Ein seriöser Betrieb bietet in diesem Fall keine Nestentfernung an, sondern die Abdichtung der Wandanschlüsse, eine Reinigung und eine Lösung, die die Kolonie am Haus erhält.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Darf ich Schwalbennester im Winter abschlagen, wenn sie leer sind?

Nein. Die Nester sind ganzjährig geschützt, weil Mehlschwalben sie über Jahre wiederbenutzen. Auch das Abschlagen im leeren Zustand ist ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Wenn Nester im Zuge einer Sanierung wirklich entfallen müssen, brauchen Sie vorab eine Ausnahme der Unteren Naturschutzbehörde.

Was hilft gegen den Kot auf der Terrasse?

Ein Kotbrett von etwa 30 cm Breite, mindestens 50 bis 60 cm unterhalb der Nester montiert. Es fängt den Kot auf und lässt den Schwalben genug Anflugraum. Direkt unter dem Nest darf es nicht sitzen, sonst behindert es die Vögel und erleichtert Katzen und Mardern den Zugriff.

Nehmen Schwalben Kunstnester überhaupt an?

Ja, oft schon im ersten Jahr, vor allem wenn in der Nähe bereits eine Kolonie brütet. Wichtig ist die Zahl: Sechs bis zehn Nester in einer Reihe werden deutlich besser angenommen als einzelne. Der Standort sollte mindestens 4 m hoch liegen, unter einem Dachüberstand von etwa 30 cm und nach Nord bis Ost ausgerichtet sein.

Können aus dem Schwalbennest Parasiten in die Wohnung kommen?

In alten Nestern leben Schwalbenwanzen und Rote Vogelmilben. Solange die Wand geschlossen ist, bleiben sie draußen. Über offene Fugen, Rollladenkästen oder gekippte Fenster direkt neben der Kolonie können einzelne Tiere hereinkommen und stechen, dauerhaft halten sie sich in Wohnräumen aber nicht.