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Lästling

Deutsche Wespe

Die Deutsche Wespe ist zusammen mit der Gemeinen Wespe eine der beiden einzigen heimischen Arten, die an Kuchen, Grillfleisch und Limonade gehen. Alle übrigen Wespenarten meiden den gedeckten Tisch. Wer im August umschwirrt wird, hat es also fast immer mit einer dieser zwei Arten zu tun. Gefährlich ist das selten, unangenehm oft.

Deutsche Wespe erkennen

Arbeiterinnen messen 12 bis 16 mm, Königinnen bis 20 mm. Der Körper ist kräftig schwarz-gelb gebändert, die Taille schmal. Das sicherste Merkmal sitzt im Gesicht: drei kleine schwarze Punkte auf dem gelben Kopfschild. Die Gemeine Wespe trägt dort stattdessen einen durchgehenden schwarzen Strich in Ankerform.

  • Nest: graue, brüchige Hülle aus verwittertem Holz; die Gemeine Wespe baut gelbbraun und fester
  • Nestort: zu etwa drei Vierteln unterirdisch in alten Mäusegängen, sonst in Rollladenkästen, Hohlwänden und auf Dachböden
  • Anflug: ein gleichbleibender Flugstrom zu einem Loch in Boden, Mauer oder Verkleidung
  • Geräusch: leises Nagen und Rascheln hinter Verkleidungen an warmen Tagen

Lebensweise

Nur die begattete Jungkönigin überwintert. Ab April gründet sie allein ein Nest und zieht die ersten Arbeiterinnen groß. Danach legt sie nur noch Eier. Bis August wächst das Volk auf 3.000 bis 7.000 Arbeiterinnen, in guten Jahren mehr.

Die Larven werden mit Insektenfleisch gefüttert, die erwachsenen Tiere brauchen Zucker. Ein mittleres Volk erbeutet täglich mehrere hundert Gramm Fliegen, Mücken, Raupen und Blattläuse. Ab Ende Juli endet die Brutpflege, die Arbeiterinnen suchen nun auf eigene Rechnung Süßes. Genau dann werden sie am Kaffeetisch auffällig.

Im Herbst schlüpfen Jungköniginnen und Drohnen, das Volk stirbt im Oktober oder November ab. Ein Nest wird nie ein zweites Mal genutzt.

Schäden und Risiken

Materielle Schäden verursacht die Art kaum. Gelegentlich nagen Arbeiterinnen Dämmung oder Holzverkleidungen an, um Baumaterial zu gewinnen, und Fallobst wird ausgehöhlt.

Das eigentliche Risiko ist der Stich. Er ist schmerzhaft, schwillt an und klingt normalerweise nach ein bis zwei Tagen ab. Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch, bei ihnen kann ein einziger Stich lebensbedrohlich werden. Gestochen wird meist beim Zutreten auf Erdnester oder wenn ein Tier versehentlich mitgetrunken wird.

Wichtig: Stiche im Mund- oder Rachenraum sind immer ein Notfall, weil die Schwellung die Atemwege verschließen kann. Sofort 112 rufen, kühlen und Eis lutschen. Gleiches gilt bei Atemnot, Schwindel, Quaddeln am ganzen Körper oder Übelkeit nach einem Stich an beliebiger Stelle.

Vorbeugen

  • Im April und Mai Hohlräume kontrollieren: Rollladenkästen abdichten, lose Dachziegel richten, Mauerlöcher schließen
  • Fliegengitter an Fenstern und Türen anbringen
  • Mülltonnen geschlossen halten, Fallobst täglich aufsammeln
  • Draußen Speisen und Getränke abdecken, Gläser mit Deckel oder Strohhalm nutzen
  • Kindern nach dem Essen Mund und Hände abwischen
  • Nicht nach Wespen schlagen und sie nicht anpusten: Kohlendioxid im Atem löst Alarm aus

Umgang und Bekämpfung

Prüfen Sie zuerst, ob das Nest überhaupt stört. Sitzt es abseits von Wegen und Sitzplätzen, ist Abwarten die beste Lösung: Ab Oktober ist das Volk von allein erledigt. Süßstoff-Fallen töten wahllos, locken zusätzliche Tiere an und senken die Belästigung nicht messbar. Ausräuchern, Wassergüsse oder Sprays ins Flugloch machen ein Volk schlagartig aggressiv und führen regelmäßig zu Mehrfachstichen.

Gut bewährt hat sich dagegen die Ablenkfütterung: überreife Weintrauben oder verdünnter Apfelsaft, rund 10 Meter vom Sitzplatz entfernt aufgestellt. Die Tiere bleiben dann meist dort.

Ein Nest im Rollladenkasten oder direkt am Hauseingang gehört in Fachhände. Betriebe siedeln Völker um oder entfernen sie; was das kostet, hängt von Lage, Zugänglichkeit und Aufwand ab und steht erst nach der Begutachtung vor Ort fest. Der Zugang zum Wohnraum lässt sich vorübergehend mit Klebeband und Tuch abdichten.

Rechtliches und wann zum Profi

Deutsche und Gemeine Wespe sind nicht besonders geschützt, unterliegen aber dem allgemeinen Schutz nach §39 BNatSchG: Töten ohne vernünftigen Grund ist verboten und wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. Ein Nest am Spielplatz oder Haushalt mit Allergiker gilt als solcher Grund, ein Nest hinterm Gartenschuppen nicht.

Wichtig: Bei Verwechslungsgefahr Finger weg. Von den heimischen sozialen Faltenwespen ist allein die Europäische Hornisse nach §44 BNatSchG besonders geschützt. Umsiedeln oder Entfernen ist dort nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde zulässig, Verstöße können Bußgelder bis zu 50.000 € nach sich ziehen (§69 Abs. 7 BNatSchG). Feldwespen gehören nicht dazu: Für sie gilt wie für Deutsche und Gemeine Wespe nur der allgemeine Schutz nach §39 BNatSchG.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich Deutsche und Gemeine Wespe?

Am Gesicht. Die Deutsche Wespe hat drei kleine schwarze Punkte auf dem gelben Kopfschild, die Gemeine Wespe einen durchgehenden schwarzen Strich in Ankerform. Auch die Nester verraten die Art: grau und brüchig bei der Deutschen, gelbbraun und fest bei der Gemeinen Wespe.

Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?

Bei Deutscher und Gemeiner Wespe ist das zulässig, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt, etwa ein Nest direkt am Hauseingang oder ein Allergiker im Haushalt. Ohne solchen Grund ist die Beseitigung nach §39 BNatSchG eine Ordnungswidrigkeit. Bei der Europäischen Hornisse brauchen Sie in jedem Fall eine Genehmigung der Naturschutzbehörde; Feldwespen unterliegen dagegen wie Deutsche und Gemeine Wespe nur dem allgemeinen Schutz.

Warum werden Wespen im August so aufdringlich?

Bis Ende Juli sind die Arbeiterinnen mit dem Füttern der Larven beschäftigt und jagen Insekten. Danach geht die Brutpflege zurück, das Volk wächst bis Ende August auf seine Maximalgröße, und tausende Arbeiterinnen suchen nur noch Zucker für sich selbst. Deshalb tauchen sie plötzlich am Kaffeetisch auf.

Helfen Wespenfallen mit Zuckerwasser?

Nein. Sie fangen wahllos auch Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge, und der Duft lockt zusätzliche Wespen aus der Umgebung an. Die Belästigung geht dadurch nicht zurück. Wirksamer ist eine Ablenkfütterung in einigen Metern Abstand vom Sitzplatz.