Amerikanische Kiefernwanze
Im Oktober sitzt plötzlich eine zwei Zentimeter lange braune Wanze am Vorhang, und am nächsten Tag sind es fünf: Die Amerikanische Kiefernwanze sucht ab dem Spätsommer Winterquartiere und landet dabei in Wohnungen. Das Tier ist harmlos – es sticht nicht und richtet in der Wohnung keinen Schaden an. Bekämpfen müssen Sie es nicht, aussperren dagegen schon.
Amerikanische Kiefernwanze erkennen
Die Wanze wird 15 bis 20 Millimeter lang und ist damit eine der größten Wanzenarten bei uns. Ihr Körper ist schlank und rotbraun bis graubraun. Zwei Merkmale machen die Bestimmung einfach: das helle, gezackte Querband über den Flügeldecken und die blattartig verbreiterten Hinterschienen.
- Lautes, schwerfälliges Brummen beim Fliegen, oft mit hörbarem Aufprall an Scheibe oder Lampe
- Ab September einzelne Tiere an sonnigen Fassaden, besonders auf der Südseite
- Im Winter träge Tiere an Wänden und Vorhängen
- Bei Störung ein scharfer Geruch aus den Stinkdrüsen
- Kein Fraßbild, keine Löcher, kein Kot in Lebensmitteln
Dieselbe Art wird auch als Amerikanische Zapfenwanze geführt. Heimische Baumwanzen sind breiter und schildförmig; weitere Arten unter Wanzen. Mit der Bettwanze hat sie nichts zu tun: Diese ist nur 4 bis 6 Millimeter groß, flügellos und saugt Blut.
Lebensweise
Die Art stammt aus dem Westen Nordamerikas. 1999 wurde sie erstmals in Italien nachgewiesen, seit etwa 2006 ist sie in Deutschland etabliert. Sie saugt an Zapfen, Samen und jungen Trieben von Kiefern, Douglasien, Fichten und Tannen. Eine Generation pro Jahr ist die Regel: Die Weibchen legen ab Mai Eier in Reihen an Nadeln ab, die Larven sind im Spätsommer erwachsen.
Ab September beginnt die Suche nach einem frostsicheren Winterquartier. Die Tiere fliegen sonnenwarme Hauswände an und kriechen in Spalten: Rollladenkästen, Fensterfalze, Traufspalten, Dachböden. Öffnungen von wenigen Millimetern reichen. Über den Winter verharren sie in Kältestarre, in beheizten Räumen werden sie aktiv. Im Frühjahr kehren sie an die Bäume zurück.
Schäden und Risiken
In der Wohnung richtet die Amerikanische Kiefernwanze keinen Schaden an. Sie sticht und beißt nicht, überträgt keine Krankheiten und befällt weder Lebensmittel noch Textilien oder Holz. Auch für Haustiere ist sie ungefährlich.
Das einzige Ärgernis ist ihr Wehrsekret: Wird sie zerdrückt, gibt sie einen scharfen, lange haftenden Geruch ab. Forstwirtschaftlich zählt sie nur dort, wo Nadelbaumsamen gewonnen werden: In Samenplantagen kann das Saugen an Zapfen die Samenausbeute senken. Für den Wald und für Gartenbäume ist sie ohne Bedeutung.
Tipp: Wanzen nicht zerdrücken und möglichst nicht einsaugen – der Geruch bleibt im Staubsaugerbeutel und wird bei jedem Einschalten wieder verteilt. Ein Glas und ein Stück Karton sind die bessere Lösung.
Vorbeugen
- Rollladenkästen abdichten: Gurtdurchlass und Revisionsklappe sind die Haupteintrittsstellen
- Fliegengitter an Fenstern und Dachflächenfenstern anbringen, spätestens Ende August
- Lüftungsöffnungen, Traufspalten und Dachbodenluken vergittern
- Türdichtungen prüfen, schadhafte Gummis ersetzen, Risse an der Südfassade schließen
- Im September und Oktober abends kein Licht bei offenem Fenster brennen lassen
Bekämpfen
Eine Bekämpfung ist weder nötig noch sinnvoll. Die Tiere vermehren sich nicht in Gebäuden, fressen dort nichts und verschwinden im Frühjahr von selbst.
- Einzelne Tiere mit Glas und Karton einfangen und ins Freie setzen – im Winter an eine geschützte Stelle wie einen Holzstapel
- Größere Ansammlungen im Dachboden mit separatem Staubsaugerbeutel absaugen und diesen sofort draußen leeren
- Fugen und Spalten danach dauerhaft verschließen, sonst ziehen im nächsten Herbst neue Tiere ein
Unverhältnismäßig sind Insektensprays und Nebelmittel in Wohnräumen: Sie belasten die Raumluft, wirken nur kurz und ändern nichts daran, dass im nächsten September wieder Wanzen an der Fassade landen. Die Abdichtung des Gebäudes ist die einzige Maßnahme mit Dauerwirkung – wie beim Asiatischen Marienkäfer, der zur selben Zeit Winterquartiere sucht.
Wann zum Profi?
In aller Regel brauchen Sie keinen Schädlingsbekämpfer. Sinnvoll ist Hilfe, wenn sich Jahr für Jahr Hunderte Tiere im Dachstuhl sammeln und Sie die Einschlupfstellen nicht finden.
Der wirksamere Ansprechpartner ist dann ein Handwerksbetrieb: Rollladenkästen abdichten, Traufspalten vergittern, Fenster nachjustieren. In Lebensmittelbetrieben sollten größere Ansammlungen dokumentiert und entfernt werden, weil auch harmlose Insekten dort als Hygienemangel gelten.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist die Amerikanische Kiefernwanze gefährlich?
Nein. Sie sticht und beißt nicht, überträgt keine Krankheiten und schädigt weder Lebensmittel noch Textilien oder Holz. Ihr Stechrüssel ist ausschließlich zum Saugen von Pflanzensaft geeignet. Unangenehm ist nur ihr Wehrsekret, wenn man sie bedrängt oder zerdrückt.
Warum kommen die Wanzen im Herbst ins Haus?
Sie überwintern als erwachsene Tiere und suchen ab September frostsichere Quartiere. Sonnenwarme Fassaden ziehen sie an, dann kriechen sie in Rollladenkästen, Fensterfalze, Traufspalten und Dachböden. In beheizten Räumen werden sie an milden Tagen wieder aktiv und erscheinen im Wohnzimmer.
Muss ich Kiefernwanzen bekämpfen?
Nein. Sie vermehren sich nicht im Haus, fressen dort nichts und verschwinden im Frühjahr von selbst. Setzen Sie einzelne Tiere mit Glas und Karton nach draußen. Gegen den jährlichen Zuzug hilft ausschließlich das Abdichten von Rollladenkästen, Fugen und Lüftungsöffnungen.
Sind Kiefernwanze und Zapfenwanze dieselbe Art?
Ja. Leptoglossus occidentalis wird sowohl als Amerikanische Kiefernwanze als auch als Amerikanische Zapfenwanze bezeichnet. Beide Namen beziehen sich auf dieselbe eingewanderte Randwanze aus Nordamerika.