Marmorierte Baumwanze
Im Oktober sitzen sie zu Dutzenden an der Südfassade, am nächsten Tag krabbeln sie über die Gardine: Die Marmorierte Baumwanze sucht im Herbst ein Winterquartier und findet es in Wohnungen. Stechen kann sie nicht, im Haus richtet sie keinen Schaden an. Ihr Wehrsekret riecht allerdings streng, und im Garten ist sie ein ernstzunehmender Obstschädling.
Marmorierte Baumwanze erkennen
Die Wanze ist 12 bis 17 mm lang, breit schildförmig und ockerbraun bis graubraun marmoriert, dazu dicht schwarz punktiert. Drei Merkmale machen die Bestimmung sicher, alle drei sind aus wenigen Zentimetern Entfernung erkennbar.
- Weiße Ringe auf den beiden letzten Fühlergliedern
- Ein hell-dunkel gebänderter Hinterleibsrand, der seitlich unter den Flügeln hervorsteht
- Eine Reihe heller Höckerchen am Vorderrand des Schildchens und ein glatter, zahnloser Halsschildrand
Wichtig: Eine Wanze im Schlafzimmer ist keine Bettwanze. Bettwanzen sind flach, rotbraun, nur 4 bis 6 mm lang und flugunfähig. Alles, was schildförmig, marmoriert und über einen Zentimeter groß durchs Zimmer fliegt, ist eine Baumwanze oder die Amerikanische Kiefernwanze mit ihren blattartig verbreiterten Hinterschienen.
Lebensweise
Die Art stammt aus Ostasien und wurde 2004 erstmals in Europa nachgewiesen, 2011 zum ersten Mal in Deutschland im Raum Konstanz. Seither hat sie sich vom Oberrhein aus über weite Teile des Landes ausgebreitet, am dichtesten in Städten, Obst- und Weinbaugebieten. Inzwischen ist sie in vielen Regionen fest etabliert.
In Deutschland entwickelt sich in der Regel eine Generation pro Jahr, in heißen Sommern auch zwei. Überwintert wird als erwachsenes Tier, ab etwa 10 °C werden die Wanzen aktiv. Im September und Oktober sammeln sie sich an sonnenwarmen Fassaden und kriechen in jede Ritze: hinter Rollladenkästen, unter Fensterbänke, auf Dachböden und durch gekippte Fenster in die Wohnung. An milden Wintertagen oder bei aufgedrehter Heizung wachen einzelne Tiere auf und laufen sichtbar herum. Dieses Verhalten teilt sie mit dem Asiatischen Marienkäfer, der dieselben Fassaden nutzt.
Schäden und Risiken
Im Haus richtet die Marmorierte Baumwanze keinen Schaden an. Sie sticht nicht, überträgt keine Krankheiten, frisst weder Textilien noch Vorräte und pflanzt sich in der Wohnung nicht fort. Bei Störung gibt sie aus Drüsen am Brustabschnitt ein Sekret ab, das nach Koriander und ranzigem Fett riecht und auf hellen Textilien Flecken hinterlassen kann. Dazu kommen Kotpunkte an Gardinen und Fensterbänken.
Im Garten und im Erwerbsobstbau fällt die Bilanz anders aus. Über 300 Wirtspflanzen sind bekannt. Beim Saugen an Früchten entstehen eingesunkene, korkige und verbräunte Stellen unter der Schale, betroffen sind vor allem Apfel, Birne, Pfirsich, Zwetschge, Wein und Haselnuss sowie Paprika und Tomate. Die Früchte bleiben essbar, sind aber kaum noch vermarktbar.
Vorbeugen
Der Schutz des Hauses ist reine Bauarbeit und im Spätsommer erledigt, bevor der Zuflug einsetzt.
- Fliegengitter an Fenstern und Lüftungsöffnungen, besonders auf der Süd- und Westseite
- Rollladenkästen, Kabeldurchführungen und Fensteranschlüsse abdichten
- Dachluken, Lichtschächte und Gauben im September kontrollieren
- Abends das Licht dimmen oder die Vorhänge schließen, solange Fenster offen stehen
Bekämpfen
In der Wohnung genügt Einsammeln. Ein Glas und ein Stück Papier über das Tier, dann nach draußen an eine geschützte Stelle. Zerdrücken Sie die Wanze nicht, sonst haben Sie den Geruch tagelang im Raum. Bei größeren Mengen ist der Staubsauger die schnellste Lösung, allerdings nur mit Beutel, den Sie danach sofort entsorgen.
Sprühmittel sind im Innenraum weder nötig noch sinnvoll: Von außen kommen laufend neue Tiere nach, während der Wirkstoff in der Wohnung zurückbleibt. Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Im Garten schützen engmaschige Kulturschutznetze über Beeten und Spalierobst zuverlässiger als alles andere. Als natürlicher Gegenspieler breitet sich die Samurai-Wespe aus, eine winzige Schlupfwespe, die die Eier der Baumwanze parasitiert und inzwischen auch in Deutschland nachgewiesen ist.
Tipp: Halten Sie eine leere Flasche mit etwas Spülwasser bereit und streifen Sie die Tiere direkt hinein. Das geht schneller als das Fangen mit dem Glas, vermeidet den Geruch vollständig und funktioniert auch an der Zimmerdecke.
Wann zum Profi?
Für einzelne Tiere in der Wohnung braucht niemand einen Fachbetrieb. Sinnvoll wird Hilfe, wenn Jahr für Jahr dreistellige Mengen einwandern. Dann existiert meist ein baulicher Zugang, den man von außen nicht sieht: ein offener Traufkasten, eine unverschlossene Attika, ein durchgehender Hohlraum in der Dämmebene. Ein Schädlingsbekämpfer findet diese Wege, bewertet die Fassade vor dem Herbstzuflug und kann Sammelquartiere gezielt behandeln. Wer Obst im Erwerbsanbau kultiviert, wendet sich an den Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes; dort gibt es aktuelle Empfehlungen zu Netzen, Monitoring und zugelassenen Mitteln. Zur Einordnung anderer Arten hilft die Übersicht zu Wanzen.
Häufige Fragen zu diesem Schädling
Ist die Marmorierte Baumwanze in der Wohnung gefährlich?
Nein. Sie sticht und beißt nicht, überträgt keine Krankheiten und geht weder an Vorräte noch an Textilien. Die Tiere suchen ausschließlich einen frostfreien Platz für den Winter und pflanzen sich im Haus nicht fort.
Warum kommen im Herbst plötzlich so viele auf einmal?
Ab September suchen die erwachsenen Wanzen ein Winterquartier und orientieren sich dabei an warmen, sonnigen Fassaden. Sie sammeln sich gesellig, weshalb an einer Südwand schnell Dutzende sitzen. Von dort geht es durch die nächste offene Ritze nach innen.
Was hilft, wenn eine Wanze gestunken hat?
Lüften und die betroffene Stelle mit etwas Spülmittel abwischen. Der Geruch verfliegt meist innerhalb eines Tages. Auf hellen Textilien kann ein Fleck zurückbleiben, deshalb sollten Sie die Tiere nie an Gardinen oder Polstern zerdrücken.
Kann ich mein Obst im Garten überhaupt schützen?
Am besten mit engmaschigen Kulturschutznetzen über Beeten, Spalierobst und einzelnen Bäumen, angebracht vor der Fruchtentwicklung. Chemische Mittel bringen im Hausgarten wenig, weil ständig neue Tiere zufliegen. Kontrollieren Sie die Netzränder, damit die Wanzen nicht darunter kriechen.