Zum Inhalt springen
Lästling

Gemeine Stechmücke

Das Sirren am Ohr um zwei Uhr nachts stammt fast immer von der Gemeinen Stechmücke. Sie ist die häufigste Stechmücke in deutschen Wohnungen, dämmerungs- und nachtaktiv und legt ihre Eier in jedes stehende Wasser, das länger als eine Woche steht. Krankheiten überträgt sie hierzulande nur selten. Wer sie loswerden will, jagt am besten nicht die Mücke, sondern sucht das Wasser, aus dem sie kommt.

Gemeine Stechmücke erkennen

Mit 5 bis 7 Millimetern ist sie größer als die Asiatische Tigermücke und dabei ausgesprochen unauffällig: hell- bis dunkelbraun, ohne Kontrastmuster, mit schmalen hellen Querbinden am Hinterleib. In Ruhe hält sie den Körper parallel zur Unterlage, während Malariamücken der Gattung Anopheles den Hinterleib schräg abspreizen.

  • Sirrender Flugton, der abends und nachts am Ohr auftaucht
  • Einzelne Quaddeln, die kurz nach dem Stich anschwellen und ein bis drei Tage jucken
  • Larven hängen kopfüber an der Wasseroberfläche und zucken bei Erschütterung nach unten
  • Dunkle, schwimmende Eipakete auf Regentonnen- oder Gullywasser
  • Einzelne Mücken im Winter in Keller, Garage oder Tiefgarage

Stechen können nur die Weibchen, sie brauchen das Blut für die Eireifung. Verwechselt wird die Art mit Zuckmücken, die in Schwärmen tanzen und keinen Stechrüssel besitzen, mit den großen Schnaken und mit der Schmetterlingsmücke aus dem Abfluss.

Lebensweise

Das Weibchen legt 100 bis 300 Eier auf einmal und klebt sie zu einem schwimmenden Eischiffchen zusammen. Die Tigermücke legt ihre Eier dagegen einzeln oberhalb der Wasserlinie ab. Bei 25 Grad ist die Entwicklung vom Ei zur fertigen Mücke in 10 bis 14 Tagen durch, bei kühlem Wetter dauert sie drei bis vier Wochen; pro Jahr entstehen vier bis fünf Generationen. Gebrütet wird in nährstoffreichem, stehendem Wasser: Regentonne, Gully, Lichtschacht, Kellerschacht mit Bodenablauf, verstopfte Dachrinne, Vogeltränke, Zisterne, Plane, Teich ohne Fische. Der Flugradius bleibt meist bei wenigen hundert Metern, die Ursache sitzt daher fast immer auf dem eigenen oder dem Nachbargrundstück.

Zwei Formen sind praktisch bedeutsam. Die oberirdische sticht bevorzugt Vögel und überwintert als begattetes Weibchen in Kellern und Rollladenkästen. Die Kellerform, der Biotyp molestus, lebt in Lichtschächten, Kellern und Tiefgaragen, sticht bevorzugt Menschen und legt keine Winterpause ein. Wer im Januar in der Wohnung gestochen wird, hat es fast immer mit ihr zu tun.

Schäden und Risiken

In aller Regel bleibt es beim Ärger: juckende Quaddeln, zerkratzte Haut und Nächte ohne Schlaf. Kinder reagieren häufig mit handtellergroßen Schwellungen, was harmlos, aber eindrucksvoll aussieht. Aufgekratzte Stiche können sich bakteriell entzünden.

Als Überträger ist Culex pipiens seit 2018 in den Blick geraten: Die Art gilt als Hauptvektor des West-Nil-Virus in Deutschland, das vor allem im Osten bei Vögeln und Pferden und vereinzelt beim Menschen nachgewiesen wird. Der Kreislauf läuft über Vögel, der Mensch ist Fehlwirt und gibt das Virus nicht weiter. Die meisten Infektionen verlaufen ohne Symptome, schwere Verläufe sind selten und treffen vor allem ältere Menschen. Anders als bei Zecken und der FSME gibt es keine Impfung. Malaria überträgt die Gemeine Stechmücke nicht, dafür sind Anopheles-Arten zuständig.

Vorbeugen

  • Regentonne mit dicht schließendem Deckel oder Gewebe unter 1 Millimeter Maschenweite sichern, Zulauf und Überlauf nicht vergessen
  • Untersetzer, Eimer, Gießkannen, Vogeltränken und Planen wöchentlich leeren und ausbürsten
  • Dachrinnen und Bodenabläufe freihalten, Licht- und Kellerschächte auf stehendes Wasser prüfen
  • Gartenteich mit Fischen besetzen oder das Wasser mit einer Pumpe in Bewegung halten
  • Fliegengitter an Fenstern und über Kellerschächten anbringen, im Schlafzimmer notfalls ein Moskitonetz spannen
  • Abends lange Kleidung tragen und Repellents mit DEET oder Icaridin auftragen

Tipp: Machen Sie einen Rundgang nach der Sieben-Tage-Regel. Alles, was länger als eine Woche Wasser hält, ist eine mögliche Brutstätte. Am häufigsten übersehen werden der Lichtschacht vor dem Kellerfenster, der Gully in der Hofeinfahrt und der Auslauf der Regenrinne.

Bekämpfen

Was trägt, ist die Larvenbekämpfung, nicht die Jagd auf fliegende Tiere. Wo sich Wasser nicht vermeiden lässt, also in Regentonne, Zisterne, Gully oder Lichtschacht, wirken Tabletten mit Bacillus thuringiensis israelensis. Sie töten gezielt Mückenlarven und sind für Menschen, Haustiere, Fische und Bienen unbedenklich. Alle zwei bis vier Wochen nachlegen, solange die Saison läuft.

Im Raum hilft schlichte Mechanik: Fliegengitter, Moskitonetz und die Fliegenklatsche. Elektroverdampfer mit Pyrethroiden wirken über Stunden zuverlässig, gehören aber in gut gelüftete Räume. Wirkungslos sind UV-Insektenvernichter, denn Stechmücken orientieren sich an Kohlendioxid und Körpergeruch, nicht an UV-Licht; gefangen werden vor allem Nachtfalter und andere Nützlinge. Ultraschallgeräte, Apps mit Pfeifton, Citronella-Kerzen und die Zitrone mit Gewürznelken sind in Tests durchgefallen.

Wichtig: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Elektroverdampfer gehören nicht in Schlafräume von Säuglingen und nicht in geschlossene Räume mit Vögeln, Katzen oder Aquarien. Räucherspiralen sind ausschließlich für den Einsatz im Freien bestimmt.

Wann zum Profi?

Für die Mücke im Schlafzimmer brauchen Sie keinen Fachbetrieb. Sinnvoll wird er, wenn die Brutstätte im Gebäude sitzt und Sie nicht herankommen, etwa in Zisternen, Flachdachabläufen, Aufzugsschächten oder dauerhaft feuchten Kellerbereichen. In Mehrfamilienhäusern und Gewerbeobjekten ist die planmäßige Larvenbehandlung aller Gullys und Schächte durch einen Sachkundigen der einzige Weg, der über eine ganze Saison trägt. Finden Sie dagegen eine kleine, schwarz-weiß gezeichnete Mücke, die tagsüber sticht, melden Sie den Fund dem Gesundheitsamt oder dem Mückenatlas.

Häufige Fragen zu diesem Schädling

Wie unterscheide ich die Gemeine Stechmücke von der Tigermücke?

Die Gemeine Stechmücke ist einfarbig hell- bis dunkelbraun und mit 5 bis 7 Millimetern etwas größer. Die Asiatische Tigermücke ist tiefschwarz mit weiß geringelten Beinen und einer weißen Längslinie über Kopf und Rücken. Der zweite Unterschied ist die Tageszeit: Die heimische Art sticht in der Dämmerung und nachts, die Tigermücke am helllichten Tag.

Warum werde ich im Winter im Keller gestochen?

Dahinter steckt der Biotyp molestus, die Kellerform der Gemeinen Stechmücke. Sie brütet in Lichtschächten, Sickerschächten und feuchten Kellerbereichen, hält keine Winterruhe und sticht bevorzugt Menschen. Suchen Sie nach stehendem Wasser im Gebäude, etwa in Bodenabläufen, Pumpensümpfen oder Kondensatwannen, und behandeln Sie es mit Bti.

Was hilft wirklich gegen Mücken im Schlafzimmer?

Am zuverlässigsten sind Fliegengitter am Fenster und ein Moskitonetz über dem Bett. Repellents mit DEET oder Icaridin schützen mehrere Stunden auf freier Haut. Elektroverdampfer wirken über Nacht, brauchen aber gute Lüftung. Ultraschallgeräte, Apps und Duftkerzen haben in Untersuchungen keinen belastbaren Effekt gezeigt.

Wie gefährlich sind heimische Stechmücken?

In der Regel sind sie nur lästig. Culex pipiens gilt allerdings als Hauptüberträger des West-Nil-Virus in Deutschland, das seit 2018 vor allem in ostdeutschen Bundesländern bei Vögeln und Pferden auftritt. Menschliche Fälle sind selten und verlaufen meist ohne Symptome. Malaria überträgt die Art nicht.

Was mache ich mit der Regentonne?

Entweder dicht abdecken, mit festem Deckel oder einem Gewebe unter 1 Millimeter Maschenweite, und dabei auch Zulauf und Überlauf sichern. Oder Sie setzen Bti-Tabletten ein und legen alle zwei bis vier Wochen nach. Das Wasser bleibt zum Gießen uneingeschränkt nutzbar, Fische, Igel und Bienen nehmen keinen Schaden.